Aigen Der Schnellcheck: Wie sieht’s aus beim FCH?

Alle mal hergehört: FCH-Trainer Frank Schmidt (Mitte) gibt seinen Spielern Anweisungen.
Alle mal hergehört: FCH-Trainer Frank Schmidt (Mitte) gibt seinen Spielern Anweisungen. © Foto: Eibner
Aigen / Thomas Grüninger 21.07.2018
Das zehntägige Trainingslager im oberösterreichischen Aigen, das für den FCH am Freitag, 20. Juli, zu Ende ging, hat eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse gebracht.

Das zehntägige Trainingslager im oberösterreichischen Aigen, das für den FCH gestern zu Ende ging, hat eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse gebracht. Wenn der FCH morgen in zwei Wochen mit dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld in ihre fünfte Zweitliga-Saison startet, sollen sich die Fehler aus der schwierigen Vorsaison nicht wiederholen. Intensiv wie nie wurden im idyllischen Mühlviertel die Themen aufgearbeitet. Mit erfreulicher Wirkung: Die Defensive, im vergangenen Jahr die Achillesverse im Heidenheimer Spiel, präsentierte sich in drei Testspielen gegen internationale Gegnerschaft stabil, blieb jedes Mal ohne Gegentor. Darüber hinaus geben die Jüngsten im Kader Gas, als gehörten sie schon seit Jahren dazu.

Wer spielte sich in den Fokus?

Erstaunlicherweise viele Spieler, die noch im A-Jugendalter sind oder ihre erste Saison im Aktivenlager bestreiten. Jonas Brändle, Kevin Sessa, Gökalp Kilic, Tobias Reithmeir oder Torhüter Kevin Ibrahim: Unbekümmert, selbstbewusst, einsatzfreudig präsentierte sich der Nachwuchs. „Ihre guten Leistungen waren keine Eintagsfliegen“, sagt Frank Schmidt. Der Verein dürfe stolz sein, „dass wir mittlerweile ein paar Jungs aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum haben, denen wir definitiv zutrauen, in der 2. Liga nachhaltig Fuß fassen zu können.“

Schafft einer gleich den Sprung in die Mannschaft?

Schmidt schloss nicht aus, dass der eine oder andere Name eines Youngsters schon im Kader fürs Bielefeld-Spiel auftaucht. Aber: „Bis in zwei Wochen kann viel passieren, und man muss auch vorsichtig sein, dass man die Jungen nicht zu schnell nach oben lupft, sonst ist die Fallhöhe zu hoch und der Aufschlag wäre zu heftig.“

Wieviele Plätze sind fürs erste Spiel schon vergeben?

Das Grundgerüst steht, ein paar Spieler hätten sich festgespielt, sagt Schmidt. Vor allem in der Offensive gebe es noch viele Variationsmöglichkeiten. In der Viererkette ist es das Ziel des Trainers, gleich eine Formation zu finden, die möglichst über Wochen zusammenspielen kann. „Abstimmung, Abstände, Stärken und Schwächen des Nebenmanns wirklich zu kennen, das ist elementar fürs Defensivverhalten“, so Schmidt. In der Vorsaison habe man es nicht geschafft (auch verletzungsbedingt) Konstanz in diesen sensiblen Mannschaftsteil zu bekommen.

Was war in diesem Jahr insgesamt anders in der Vorbereitung?

Neben der gewohnt intensiven Arbeit auf dem Platz standen vor allem auch Gespräche im Fokus. Teilweise bis in die späten Abendstunden hinein wurden Dinge aus der Vorsaison aufgearbeitet, Verhaltensweisen angesprochen und Anforderungen formuliert.

Was ist das Ziel dieser intensiven Arbeit im mentalen Bereich?

„Wir müssen uns geschlossen präsentieren, als absolute Einheit. Das ist der alles entscheidende Punkt“, sagt Schmidt. Nur wenn dies gelinge, würden sich eigenartige Kontraste wie im Vorjahr vermeiden lassen. So war der FCH das viertbeste Heimteam, aber auch das zweitschlechteste Auswärtsteam, erzielte mit die meisten Standardtore, gehörte aber auch zu den Mannschaften, die die meisten Gegentore aus Standards kassierten. „Die Überbrückung dieser Diskrepanz findet im Kopf statt“, ist Schmidt überzeugt.

Wie wird sich der FCH taktisch präsentieren?

Im vergangenen Jahr habe man sich um diese Zeit viel mit Ballbesitzfußball beschäftigt, erinnert sich Schmidt: „Rückblickend kann man sagen: Das ist nicht unsere Kernkompetenz gewesen.“ Zurück zu alten Tugenden heißt deshalb das Motto: Besseres Zweikampfverhalten, mehr Balleroberung, schnelles Umschaltspiel. Letzteres sei seit der WM wieder modern, sagt Schmidt.

Was erwartet der Trainer von seiner Mannschaft?

Ziel eins: Das erste Spiel gegen Bielefeld gewinnen, denn ein erfolgreicher Auftakt sei enorm wichtig. Ziel zwei: Insgesamt bessere Ergebnisse erzielen als im Vorjahr während der Startphase. Schmidt: „Alles was wir machen, ist ergebnisorientiert.“ Übergeordnetes Ziel: der „komfortable Klassenerhalt“, eine Schmidt’sche Wortschöpfung mit dauerhaftem Haltbarkeitsdatum. Damit meine er „nichts anderes, als dass wir am letzten Spieltag auf nichts mehr angewiesen sind“.

Wie sehen die anderen den FCH?

Man habe ihm zugetragen, dass die Buchmacher auch in diesem Jahr seine Mannschaft als favorisierten Abstiegskandidaten handeln, sagt Schmidt. Aber davon will man sich erneut nicht blenden lassen. „Wenn wir das, was wir uns jetzt erarbeitet haben – und das ist eine ganze Menge – mit Leben und Leidenschaft erfüllen, dann kann diese verjüngte, hungrige Mannschaft eine gute Runde spielen“, ist der Trainer überzeugt.

Wie funktioniert's im neuen Trainerteam?

Seit dieser Saison stehen Schmidt mit Bernhard Raab und Dieter Jarosch zwei Co-Trainer zur Seite. Das erlaube es, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, und die Zusammenarbeit funktioniere innerhalb des gesamten Trainerteams, dem außerdem Torwarttrainer Bernd Weng und Athletiktrainer Said Lakhal angehören, sehr gut. „Mir macht es unheimlich Spaß“, sagt der Cheftrainer, der mit dem FCH in seine elfte Saison geht.

FCH-Neuzugang Robert Andrich fällt ein bis zwei Wochen aus

Ein „übles Foulspiel“, so Frank Schmidt, im Test gegen Linz sorgte bei Neuzugang Robert Andrich dafür, dass er in Aigen mit einem geschwollenen Sprunggelenk herumlaufen musste und fürs weitere Vorbereitungsprogramm ausfiel. Die Schwellung klang zwar von Tag zu Tag wieder mehr ab, in Heidenheim wurde am Freitag jedoch ein Außenbandriss am linken Sprunggelenk diagnostiziert. Er fällt damit die nächsten ein bis zwei Wochen aus.

Mit Patrick Schmidt (Außenbandverletzung am Knie) ist neben Andrich ein weiterer Neuzugang des FCH noch nicht soweit, dass er mit der Mannschaft trainieren kann. Torhüter Vitus Eicher, vor zwei Wochen am Bauchnabel operiert, ist hingegen wieder behutsam in den Übungsbetrieb eingestiegen.

Ein anderes Sorgenkind ist Timo Beermann. Der Innenverteidiger war nicht mit im Trainingslager, wurde hingegen zu Hause an der lädierten Leiste behandelt. „Er macht Fortschritte“, erfuhr Schmidt nach einem Telefonat mit Beermann. Erfreulich ist zudem, dass Maxi Thiel, der zu Beginn des ersten Trainingslagers einen Muskelfaserriss erlitt, wieder eingesetzt werden kann.

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