Berlin Torwarttor raubt dem FCH den Sieg gegen Union Berlin

© Foto: Eibner
Berlin / Thomas Grüninger 07.10.2018
In der Nachspielzeit mussten die Heidenheimer beim 1. FC Union Berlin noch das 1:1 hinnehmen. Trainer Frank Schmidt trug's letztlich mit Fassung – und mit Humor.

Es gibt doch immer wieder was Neues auf den Zweitliga-Spielfeldern dieser Republik: Zwar hat der FCH schon einmal einen Gegentreffer durch einen Torhüter hinnehmen müssen (2015 war es der Auer Schlussmann Martin Männel), doch so eines wie gestern hat fraglos Seltenheitswert.

In der dritten Spielminute der Nachspielzeit unternahm Berlins Schlussmann Rafal Gikiewicz bei eigenem Freistoß einen Ausflug in den gegnerischen Strafraum – und köpfte den Ball nach einer Flanke des Schweden Sebastian Andersson ein. Plötzlich stand es 1:1, die Alte Försterei war aus dem Häuschen und der Heidenheimer Traum, den zuvor schon zehnmal ungeschlagenen Tabellenzweiten wieder auf den Boden der „Normalsterblichen“ zu bringen, zerplatzte wie eine Seifenblase.

Robert Glatzels Führungstreffer in der 67. Minute, ebenfalls per Kopfball nach schöner Vorarbeit von Niklas Dorsch erzielt, schien zum Auswärtssieg zu reichen. Doch ausgerechnet der polnische Schlussmann der „Eisernen“ wusste das im letzten Moment noch zu verhindern.

Der torhungrige Keeper hatte sein Team mit einer Offensivaktion eigentlich schon fünf Minuten vorher retten wollen, doch da versagte ihm sein Schweizer Trainer Urs Fischer noch den Strafraum-Ausflug. „Zum Glück“, scherzte am Ende FCH-Trainer Frank Schmidt, „sonst wäre es womöglich noch 2:1 gegen uns ausgegangen“.

Laune nicht vermiesen lassen

Bei allem Bedauern und allem Frust über den späten „Raub“ eines greifbar nahen Sieges, ließ sich der Heidenheimer Coach am Ende den guten Eindruck, den seine kompakt verteidigende Mannschaft an der Wuhlheide hinterließ, nicht vermiesen. „Wir konnten den Querball von Andersson nicht verhindern. Darüber ärgert man sich im ersten Moment sehr. Aber ich habe der Mannschaft gleich nach dem Spiel gesagt: Es macht mir unheimlich Spaß zu sehen, wie wir uns heute verkauft haben. Dieser Punkt war absolut verdient, wenngleich am Ende natürlich mehr möglich war.“

Die taktische Marschroute des FCH war klar: Gegen die selbstbewussten Berliner sollten vor allem die Räume eng gemacht werden. Der Fokus war auf die Defensive gerichtet, was auch durch die Hereinnahme von Robert Andrich für Maximilian Thiel in der Startelf personell zum Ausdruck kam.

„Es war von Anfang an das Spiel, das wir erwarteten“, schilderte Schmidt. In der Anfangsphase hatten die Gäste ein paar schwierigere Situationen zu überstehen, insgesamt aber gelang es mit zunehmender Spieldauer immer besser, die Gastgeber nicht ins gefürchtete Angriffs-Pressing kommen zu lassen.

Viel Ballbesitz hatten die Heidenheimer. Den nutzten sie vor allem, um Ruhe ins Spiel zu bringen und scheuten sich deshalb auch nicht vor Querpass-Stafetten in der eigenen Hälfte. Weil das nicht immer sehr attraktiv aussah, gab's bisweilen auch Pfiffe von den Rängen. Doch insgesamt erwies sich das Vorgehen durchaus als zweckmäßig. Irgendwann musste sie kommen – die erste richtige Chance für die Heidenheimer. Und die wurde auch prompt genutzt.

Kopf, um Kopf, um Kopf

Nach einem Heidenheimer Eckball konnte Union nur unzulänglich klären. Niklas Dorsch, der am Sonntag eine Art Abschirmjäger vor der eigenen Abwehr spielte, kam zum Flanken. Seine Hereingabe konnte der sträflich alleingelassene Robert Glatzel zu seinem siebten Saisontor verwerten. „Eiskalt verwandelt“, freute sich Schmidt über den gelungenen Abschluss seines Stürmers, „der einen Lauf hat“.

Die Berliner versuchten nun die offensive Schlagzahl nochmals zu erhöhen, doch richtige Torchancen sprangen nur selten heraus. „Wir haben sehr diszipliniert verteidigt“, freute sich Schmidt. Minute für Minute wurde der Strafraum von der Heidenheimer Defensive gesäubert, gleich mehrere Spieler (Beermann, Mainka, Andrich) mussten nach Zusammenstößen am Kopf behandelt werden. Der hohe körperliche Einsatz schien sich auszuzahlen. Doch dann kam Gikiewicz...

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