Heidenheim Trainingslager in Österreich wird kein Urlaub

Ruhe vor dem Sturm: FCH-Trainer Frank Schmidt (rechts) im Gespräch mit Marc Schnatterer. Ab heute schwitzen die Heidenheimer Zweitliga-Fußballer im Trainingslager in Österreich.
Ruhe vor dem Sturm: FCH-Trainer Frank Schmidt (rechts) im Gespräch mit Marc Schnatterer. Ab heute schwitzen die Heidenheimer Zweitliga-Fußballer im Trainingslager in Österreich. © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 23.06.2018
Heute geht's für sechs Tage ins erste Sommer-Trainingslager nach Österreich. Nicht nur die Beine sollen hier fit gemacht werden, sondern auch der Kopf.

Therme Geinberg: Das klingt verdächtig nach Entspannung, Wellness und Urlaubsromantik. Doch der FCH sucht die knapp 1500Einwohner große Gemeinde im oberösterreichischen Innviertel keineswegs für touristische Zwecke auf. Im Gegenteil: Sechs Tage lang geht's darum, an der Grundlagen-Ausdauer für die neue Saison zu arbeiten. Bis zu vier Trainingseinheiten am Tag sind geplant, gespickt mit teambildenden Einheiten, um das gegenseitige Kennenlernen zu erleichtern.

Vier Neue sind dabei: Robert Andrich, Patrick Mainka, Patrick Schmidt und Niklas Dorsch, hinzu gesellen sich drei Jungprofis aus dem eigenen Nachwuchs: Gökalp Kilic, Kevin Sessa und Tobias Reithmeir. In Summe umfasst der neue Kader 27 Spieler.

Alle fahren auch mit ins erste Sommer-Trainingslager nach Geinberg, dem sich zwischen dem 11.und 20. Juli ein zweites in Aigen (ebenfalls Österreich) anschließen wird. Allerdings werden ab heute nicht alle Spieler auch schon vollumfänglich am Mannschaftstraining teilnehmen können.

Individuelle Arbeit auf dem Platz steht vor allem für Kolja Pusch, der sich vor kurzem alle Weisheitszähne entfernen lassen musste, und Patrick Schmidt (Außenbandverletzung am Knie) auf dem Programm. Auch Nikola Dovedan, der sich in der Sommerpause mit einem grippalen Infekt herumplagte und mit Antibiotikum behandelt wurde, darf voraussichtlich in den ersten Tagen noch etwas kürzertreten.

Ansonsten aber wird's ordentlich zur Sache gehen. „Es nützt nichts, wenn man vom Ballbesitzspiel in der Bundesliga schwärmt. Wir sind nicht in der Bundesliga, wir sind in der 2.Liga. Und 2.Liga heißt arbeiten, heißt malochen“, sagt Frank Schmidt.

Im Rückblick auf die vergangene Saison wurmt den Chefcoach vor allem eines: die 56 Tore, die der FCH in seinen 34 Spielen entgegennehmen musste. Das Zurückerlangen der Stabilität im Defensivverhalten ist eines der großen Themen, das aus der Analyse heraus in die Heidenheimer Spielprinzipien für 2018/19 eingeflossen ist.

Ziel: Defensiv besser bestehen

„Das Defensivverhalten muss besser werden. Wir haben klare Profile erstellt, wie wir im Spiel gegen den Ball arbeiten wollen“, sagt Schmidt unmissverständlich. Der Heidenheimer Trainer sieht sich hier auch schon durch die ersten Spiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland bestätigt: „Die Mannschaften versuchen, gut gegen den Ball zu arbeiten, unbequem zu sein, dem Gegner keine Räume zu geben, um dann über Standards und Einzelaktionen zum Torerfolg zu kommen.“

Es werde deshalb eine „Kerndisziplin“ sein, die er seinen Schützlingen in den kommenden Tagen gemeinsam mit den Kollegen im Trainerstab vermitteln will: Gut verteidigen, um jederzeit schnell und direkt zum Torabschluss zu kommen. Schmidt erwartet von seiner Mannschaft, dass man „die klare Spielaufassung auch auf dem Platz sieht.“ In der vergangenen Saison seien ihm da „zu viele Zufälle im Spiel gewesen, es gab zu viele Situationen, in denen wir uns zu schnell aus dem Konzept bringen ließen.“ Dass man nach Torerfolgen zu häufig sofort einen Gegentreffer kassierte – auch das soll besser funktionieren. Ebenso wie das Zweikampfverhalten, an dem intensiv gearbeitet werden wird.

Neu eröffnet ist ab heute auch der Kampf um die Plätze. Auf einzelnen Positionen sind neue Lücken entstanden, die gefüllt werden müssen. Beispielsweise in der Innenverteidigung, wo mit Kevin Kraus und Ibrahim Hajtic zwei Abgänge zu verzeichnen waren. Da öffnen sich nicht nur für Neuzugang Patrick Mainka von Borussia DortmundII, sondern auch für dessen einstigen Teamgefährten Oliver Steurer neben den etablierten Kräften neue Perspektiven.

Im zentralen Mittelfeld darf man unter anderem gespannt sein, wer Marcel Titsch-Riveros Rolle einnehmen könnte. Von den Neuen rechnen sich hier sicher Robert Andrich und Niklas Dorsch Chancen aus. Maurice Multhaup, der seinen Trainingsrückstand im vergangenen halben Jahr aufgearbeitet hat, könnte sich auf der Außenbahn in den Fokus spielen.

Vorne wiederum gilt es vor allem John Verhoek zu ersetzen, im vergangenen Jahr mit zehn Saisontreffern Heidenheims erfolgreichster Schütze. Gespannt darf man darauf sein, wie Patrick Schmidt (letzte Saison 19 Tore für den 1.FC Saarbrücken) den Zwei-Klassen-Sprung von der Regionalliga in die 2.Liga bewältigen wird.

Dass sich der Trainer nicht scheut, auch jungen Spielern eine Chance zu geben, hat er nicht zuletzt in der vergangenen Saison bewiesen, als sich selbst der erst 17-jährige Kevin Sessa im Abstiegskampf beweisen durfte. Dem Umstand, dass der FCH alljährlich seine erfolgreichsten Spieler abgeben muss, weint Schmidt deshalb auch keine Träne nach.

„Das nervt mich nicht. Vielmehr ist es ja auch eine Bestätigung für unseren Weg, wenn sich Spieler bei uns so entwickeln, dass sie für höherklassige Vereine interessant geworden sind“, sagt Schmidt. Gleichzeitig eröffne sich dadurch jedes Jahr für andere Spieler die Chance, zu zeigen, dass sie die bisher Etablierten ersetzen können.

Sechs Tage lang wird an der Kondition gefeilt

Im ersten von zwei Sommer-Trainingslagern stehen für die Zweitliga-Fußballer des FCH in Geinberg (Österreich) Lauf- und Konditionstraining sowie Teambildungsmaßnahmen im Vordergrund.

Das erste öffentliche Training ist für Samstag, 30. Juni, in Heidenheim geplant (10 Uhr). Am selben Tag bestreitet der FCH auch sein erstes Testspiel bei den Sportfreunden Fleinheim (Kreisliga A 3). Anpfiff wird um 17 Uhr sein.

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