Heidenheim 50+1-Regel: Bekommen Investoren mehr Einfluss?

Klare Botschaft: FCH-Fans demonstrieren – wie hier in Darmstadt – für die „50+1“-Regel im deutschen Fußball.
Klare Botschaft: FCH-Fans demonstrieren – wie hier in Darmstadt – für die „50+1“-Regel im deutschen Fußball. © Foto: Eibner
Heidenheim / Edgar Deibert 22.03.2018
Die Deutsche Fußballliga diskutiert am Donnerstag, 22. März, auf ihrer Mitgliederversammlung über die so genannte „50+1“-Regel. Fangruppen, darunter auch die des 1. FC Heidenheim, plädieren für deren Erhalt. Die FCH-Verantwortlichen sehen in dieser aber einen Nachteil für den eigenen Verein.

Mitbestimmung im Lokalen: Bei den jährlichen Mitgliederversammlungen des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim, werden mitunter lebhafte Diskussionen geführt. Dass jede Stimme angehört wird und am Ende wichtig ist, macht unter anderem die Rechtsform „eingetragener Verein“ möglich. Knapp 2600 Mitglieder hat der FCH, als beispielsweise 2016 eine wichtige Satzungsänderung auf der Tagesordnung stand, erschienen 326 zur Versammlung, damals ein neuer Rekord.

Darüber hinaus kann sich der FCH auf einen Pool von knapp 500 Sponsoren stützen, wobei die großen Geldgeber wie „Voith“ und „Hartmann“ sicherlich einen großen Einfluss haben. Dieser ist allerdings allein wegen der so genannten „50+1“-Regel von Seiten der Deutschen Fußballliga (DFL) beschränkt. Durch diese Formel soll der Einfluss von Investoren auf eine Minderheitsbeteiligung begrenzt werden, Geldgeber können somit nicht die Stimmenmehrheit an Vereinen erlangen, die weitgehend in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft agieren.

Seit 20 Jahren gibt es diese Regel – und immer wieder wird über deren Zukunft diskutiert. Am heutigen Donnerstag möchte die DFL auf der Mitgliederversammlung eine „ergebnisoffene Grundsatzdebatte“ zur Reform der Regel führen. Um die Regelung letztlich zu ändern ist eine Zweidrittelmehrheit der 36 Pofiklubs der 1. und 2. Liga nötig.

Mehr Geld soll Stars anlocken

Gegner der Regel befürchten, dass die deutschen Vereine durch die Beschränkung, die es so nur noch in Deutschland gibt, auf internationaler Ebene abgehängt werden, da etwa englischen, spanischen und französischen Klubs durch deren Geldgeber ganz andere finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Schließlich würde mehr Geld auch mehr Stars anlocken, wie der bislang teuerste Transfer der Geschichte (der Brasilianer Neymar wechselte für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zum von Öl-Scheichs finanzierten Paris Staint-Germain) gezeigt hat. Zudem greife „50+1“ in die Autonomie der Vereine ein.

Befürworter sehen die Gefahr, dass bei einer Lockerung der Regel Fans immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden, nicht mehr mitbestimmen können und damit die Identifikation mit dem eigenen Verein verblasst. Didi Hamann etwa, der unter anderem beim FC Liverpool und bei Manchester City gespielt hat, beklagte gegenüber dem „Kicker“, dass die Fankultur in England durch den dort ungehemmten Geldfluss „komplett verloren gegangen“ sei.

Laut einer Umfrage des Fußballmagazins „11 Freunde“ sprechen sich neun Vereine, darunter Dortmund, Freiburg und Dresden, für eine Beibehaltung von „50+1“ aus. Für deren Abschaffung seien Bayern München, RB Leipzig und Bayer Leverkusen. Andere sind noch unentschlossen. 2014 hatten sich noch alle Profivereine zu der Regel bekannt.

Dabei gibt allerdings schon jetzt Ausnahmen. Bei Bayer Leverkusen ist die Bayer AG alleinige Gesellschafterin, der VfL Wolfsburg ist eine 100prozentige Tochter der Volkswagen AG, RB Leipzig gehört zu 99 Prozent der Red Bull GmbH.

FCH befürwortet eine Reform

Aufgrund dieser Ausnahmen sorge die bestehende „50+1“-Regel für keine Chancengleichheit zwischen den Vereinen, heißt es von Seiten des FCH. Deshalb befürwortet der Heidenheimer Zweitligist „ausdrücklich“ eine Reform oder Öffnung der jetzigen Regelung. Welche neuen Möglichkeiten damit verbunden sind beziehungsweise sich daraus für den FCH ergeben könnten, müsse aber eine entsprechende Debatte darüber noch zeigen, so der Verein.

Dabei sei aus Sicht des FCH für die Zukunft jedoch unumstößlich, „dass die Integrität der Bundesliga und der damit verbundenen Werte gewahrt“ wird. Die genaue Definition dieser Werte gelte es nach Vereinsangaben noch gemeinsam zu erarbeiten und zu definieren. Dem FCH sei es wichtig, dass die Selbstbestimmtheit der Liga und damit auch der Vereine erhalten bleibt.

Fanklubs für Beibehaltung

Fanklubs aus ganz Deutschland haben sich dagegen klar für die Beibehaltung der „50+1“-Regel positioniert, darunter auch Gruppen aus Heidenheim wie etwa die „Fanatico Boys“ und „Unitas Aquileiae“. Neben einem Banner mit der Aufschrift „50+1 muss bleiben!“, das bei Auswärtsspielen am jeweiligen Zaun des Heidenheimer Fanblocks hängt (in der Voith-Arena hängt das Banner mittlerweile an der Wand der Osttribüne), haben viele FCH-Fangruppen auch auf der Homepage www.50plus1bleibt.de Stellung bezogen. Insgesamt sind es über 2800 Fanclubs, Fangruppierungen und Fanverbände.

Zudem gab es im Fanprojekt Heidenheim Ende Februar einen Diskussionsabend zu dem Thema, bei dem auch Vertreter des FCH anwesend waren. Ein Einwand aus der Fanszene gegen die Reform der „50+1“-Regel war etwa der, dass dadurch ein Nachteil für den FCH entstehen könnte. Der Standort Heidenheim könnte von möglichen Investoren als nicht lukrativ genug angesehen werden. Profitieren würden dann eventuell „Traditionsvereine“, die eine größere Fanbasis besitzen. Obwohl diese nicht unbedingt besser arbeiteten.

FCH-Fantreffen am 29. März

Zudem befürchtet die Fanszene auch beim FCH eine Ausgliederung der Profimannschaft in eine Kapitalgesellschaft und als Folge daraus, dass normale Anhänger nicht mehr ohne weiteres am Vereinsleben teilnehmen könnten.

Somit ist es gut möglich, dass die „50+1“-Regel auch auf dem Fantreffen des FCH am Donnerstag, 29. März, Thema sein wird (18.46 Uhr, Voith-Arena)

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