Heidenheim / Thomas Jentscher Nach Torwart Müllers Patzer drehen Glatzel und Schnatterer die Partie und bescheren Heidenheim einen 2:1-Sieg gegen Union Berlin.

Welch eine Moral des FCH. Bei Dauerregen und böigem Wind zeigten die Heidenheimer Fußballer am Freitagabend in der zweiten Halbzeit gegen Union Berlin eine stürmische Leistung und verwandelten einen 0:1-Rückstand in einen 2:1-Sieg – und das gegen die Abwehr der „Eisernen“, die beste der 2. Liga.

Nach überstandener Grippewelle konnte Trainer Frank Schmidt wieder die erwartete Aufstellung ins Rennen schicken, gegenüber dem Bochum-Spiel standen Niklas Dorsch, Marnon Busch und Nikola Dovedan statt Robert Andrich, Maurice Multhaup und Tim Skarke in der Startelf.

Glatzels erstes Tor zählt nicht

Trotz der schwierigen Bedingungen begann das Spiel flott, eine erste Chance für die Gäste beantwortete Heidenheim in der siebten Minute mit einer schönen Kombination über Busch, Marc Schnatterer und Denis Thomalla. Letzterer scheiterte am starken Union-Keeper Rafal Gikiewicz, anschließend beförderte zwar Robert Glatzel den Ball über die Linie, stand dabei aber wohl im Abseits.

In der Folge verflachte das Spiel etwas. Bei Berlin verteidigte die Viererkette recht hoch, die Stürmer gingen erst kurz hinter der Mittellinie ins Pressing. Dadurch verdichtete das Geschehen, im Mittelfeld war kaum ein Durchkommen. Lange Bälle wären ein probates Mittel gewesen, die waren bei diesen Bedingungen aber nur sehr schwer an den Mann zu bringen.

Berlin tat sich ebenso schwer, ging aber überraschend in Führung. Ein 20-Meter-Schuss von Akaki Gogia kam mittig auf FCH-Torwart Kevin Müller, doch der ließ die Kugel nach vorn abprallen und Robert Zulj staubte zum 0:1 ab. Auch danach kam der FCH kaum zu Chancen, nur Dovedan kam nach Vorarbeit von Glatzel zum Abschluss, aber nicht an Gikiewicz vorbei (38.)

Der Rückstand war natürlich eine schwere Hypothek gegen die beste Abwehr der Liga – zumal bei diesen Bedingungen. Aber davon unbeeindruckt kam der FCH mit großem Dampf aus der Kabine. Plötzlich war es ein ganz anderes Spiel, die Gastgeber bissen sich regelrecht im gegnerischen Strafraum fest, holten drei Ecken in Folge heraus und nützten die dritte: Schnatterers Hereingabe köpfte Glatzel nach 48 Minuten zum verdienten Ausgleich ins Tor.

Nun wurde es ein wildes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Und einmal in Schwung, legte der FCH nach. Nachdem Thomallas Versuch geblockt wurde, schnappte sich Capitano Schnatterer den Ball, zog in die Mitte und traf in der 56. Minute mit dem linken Fuß wunderschön ins linke untere Eck.

Um ein Haar hätte es drei Minuten später für die Vorentscheidung gegeben: Nachdem Gikiewicz mit einer weiteren Glanzparade einen Schnatterer-Freistoß abgewehrt hatte, traf Thomalla aus spitzem Winkel aber nur den Pfosten.

Müller mit starkem Reflex

So blieb es spannend und Union machte mächtig Druck, vor allem nach der Einwechslung Suleiman Abdullahi und Carlos Mané. Gegen letzteren parierte Müller in der 73. Minute phantastisch einen Schuss aus einem Meter und machte damit seinen Fehler wieder gut.

Elf Minuten später wäre auch Müller geschlagen gewesen, aber Busch blockte Zuljs Schuss aus kurzer Distanz vor der Linie und dann warf sich Müller rettend auf den Ball. Mit großem Einsatz stemmte sich der FCH – allen voran Timo Beermann – gegen die wuchtigen Berliner Angreifer und brachten so den Sieg ins Ziel.

Damit erhöhte sich das Konto auf 42 Zähler, der Klassenerhalt – und zwar der komfortable – ist gesichert. Ob vielleicht doch noch sogar etwas mehr daraus werden könnte, wird sich in den nächsten Spielen zeigen.

Torhüter Kevin Müller patzt beim 0:1 und hält dann nach der Pause mehrfach bravourös.

Der Heidenheimer Coach macht seiner Mannschaft ein „Riesenkompliment“ für die zweite Halbzeit.