Heidenheim 1. FC Heidenheim: Alarmstufe rot-blau-weiß!

Fassungslos: FCH-Innenverteidiger Oliver Steurer (im Tor kniend) und Heidenheims Torhüter Kevin Müller nach dem zwischenzeitlichen 1:3 durch Nürnbergs Marvin Stefaniak (mit Ball).
Fassungslos: FCH-Innenverteidiger Oliver Steurer (im Tor kniend) und Heidenheims Torhüter Kevin Müller nach dem zwischenzeitlichen 1:3 durch Nürnbergs Marvin Stefaniak (mit Ball). © Foto: ISPFD/IPD UG
Heidenheim / Edgar Deibert 09.04.2018
Warme Worte gibt es immer wieder für den 1. FC Heidenheim. Momentan in erster Linie von den gegnerischen Verantwortlichen. Auch Michael Köllner lobte den FCH.

„Heidenheim ist keine Mannschaft, die aufgrund ihrer Schwäche hinten steht“, erklärte der Trainer des 1. FC Nürnberg und fügte an, der FCH habe eine gute Mannschaft. Die Tabelle, in der Heidenheim als 16. mehr denn je vom Abstieg bedroht ist, und das Abwehrverhalten bei der 2:3-Niederlage in Nürnberg sagen allerdings etwas anderes. Gleichzeitig erzielen offensive FCH-Spieler Traumtore, so ist etwa Maximilian Thiels Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 in Dresden zum „Tor des Monats“ März nominiert. Und auch John Verhoeks Führungstreffer beim „Club“ fällt sicher in diese Kategorie. Allerdings stand der FCH nach beiden Spielen am Ende mit leeren Händen da.

Daher ist es auch nicht leicht zu erklären, warum der FCH eben da steht, wo er gerade steht. „Es fällt mir schwer, heute sachlich zu analysieren, weil es fast schon unfassbar war, was aus unserer Sicht heute passiert ist“, gab etwa Frank Schmidt zu. Und schob nach, was die meisten Heidenheimer Anhänger denken: „Wir haben uns mal wieder selber geschlagen.“ Man brauche nicht „drumrumreden“, so der FCH-Coach. „Erst einmal schießen wir die drei Gegentore gefühlt alle selber. Dazu kommt, dass wir nach dem 1:0, das ist unglaublich, innerhalb von ein oder zwei Minuten auf einmal mit 1:2 hinten liegen. Das passiert uns auch nicht zum ersten Mal in dieser Saison.“

In der Tat, eine 1:0-Führung gab der FCH schon einmal leichtfertig aus der Hand. So kassierte Heidenheim im Heimspiel gegen Duisburg nach Robert Glatzels 1:0 in der 59. Minute in der 61. Minute das 1:1, fünf Minuten später folgte der 1:2-Endstand.

Schnelle Gegentreffer: Im Heimspiel gegen Regensburg war es ähnlich. Zunächst gelang Dominik Widemann in der 86. Minute der Ausgleich, doch schon in der 88. Minute fiel das 1:2, am Ende hieß es 1:3. Beim 2:2 gegen Darmstadt hatte Nikola Dovedans 1:0 nur drei Minuten Bestand. Beim 3:5 gegen Kiel kassierte der FCH nach Marc Schnatterers Treffer zum 3:2 nur knapp eine Minute später das 3:3. Gegen Bielefeld (2:2) reichte gar eine 2:0-Führung nicht aus. Nach Maximilian Thiels 2:0 folgte nur vier Minuten später schon der Anschlusstreffer.

Schnelle Antworten: Andererseits ist der FCH nicht um starke Reaktionen verlegen. So gelang beim 2:1-Sieg in Bochum nur drei Minuten nach dem Führungstor der Gastgeber das 1:1. In Düsseldorf geriet der FCH in der 78. Minute in Rückstand, glich aber fünf Minuten später aus. Auch den erneuten Rückstand in Minute 90+1 beantwortete Heidenheim fünf Minuten später mit dem 2:2. In Dresden fiel Thiels Traumtor ebenfalls nur zwei Minuten nach dem 0:1.

Die Offensive: Vorne läuft es beim FCH also gut. Mit Thiel, der sich im Lauf der Saison gesteigert hat sowie Verhoek, dem mit neun Toren erfolgreichsten FCH-Spieler, und Kapitän und Topscorer Marc Schnatterer hat sich eine Stammachse gebildet, die ein Topnieveau hat.

Defensives Mittelfeld: Hier sorgt Sebastian Griesbeck für Stabilität. Neben dem 27-Jährigen agiert oft Marcel Titsch-Rivero, der bisweilen allerdings durch Fehlpässe gefährliche Konter einleitet. Immer wieder wird auch Mathias Wittek vor die Abwehrkette gezogen, so zunächst auch in Nürnberg, da Griesbeck aufgrund muskulärer Probleme passen musste. Nach eigener Aussage fühlt sich Wittek allerdings in der Innenverteidigung wohler.

Die Abwehr: Zuletzt wurde Frank Schmidts Entscheidung, den jungen Kevin Sessa im Heimspiel gegen Ingolstadt erneut als rechten Außenverteidiger aufzubieten, zu Recht in Frage gestellt. Nun wich der FCH-Trainer davon ab und setzte in Nürnberg mit Robert Strauß auf einen Routinier. Doch dieser erwischte keinen guten Tag, sah zudem früh die gelbe Karte. Einem erfahrenen Spieler wie Strauß dürfe so ein Stellungsfehler wie der vor dem 1:1 nicht passieren, kritisierte Schmidt. Hier trifft wohl das Sprichwort zu: Wie man's macht, macht man's falsch.

Dennoch darf auch die Entscheidung, das Duo Timo Beermann/Wittek, das die Innenverteidigung im Spiel gegen Ingolstadt gebildet hat, gegen Nürnberg zunächst aufzubrechen, in Frage gestellt werden. So gab es gleich zwei Veränderungen in der Vierer-Abwehrkette, was stets mit einem Risiko verbunden ist. In Nürnberg war es zudem auffällig, dass die FCH-Abwehr bereits vor dem ersten Gegentreffer Probleme bekam, wenn die Gastgeber schnell und flach kombinierten.

Nach zwei schwachen Spielen von Kevin Kraus leistete sich auch der neu ins Team gekommene Oliver Steurer zwei Aussetzer. „Wenn man diese Fehler auf diesem Niveau macht, dann darf man sich nicht beschweren, dass es am Ende nicht reicht“, so Schmidt. Daher rückte bereits Ende der ersten Halbzeit Wittek zurück in die Innenverteidigung. Dennoch stellt der FCH mit 52 Gegentoren wieder die schwächste Abwehr der Liga.

Die Spielanlage: Nach dem 2:3-Anschlusstreffer durch Nikola Dovedan (52.) hatten die Heidenheimer eigentlich genug Zeit, den Ausgleich zu erzielen. Zum einen scheiterten sie an tollen Paraden von Nürnbergs Torhüter Fabian Bredlow, der Schnatteres Weitschuss (83.) und Feicks Freistoß (90.) glänzend parierte. Allerdings gab es kaum herausgespielte Möglichkeiten, was auch Dovedan vorsichtig anmerkte: „Wir hätten es ruhiger spielen müssen. Wir haben schon ab der 60. Minute fast nur noch mit langen Bällen gespielt. Die Nürnberger Abwehr konnte die Bälle klären. Und dann ist es halt schwierig für uns. Wir hätten das flach lösen müssen“, so der Österreicher.

Der Rückstand des FCH auf die Nicht-Abstiegszone ist nun auf drei Punkte angewachsen, der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz ist dagegen auf zwei Zähler geschmolzen. Am kommenden Sonntag hat Heidenheim Tabellenführer Düsseldorf zu Gast (13.30 Uhr). Da wäre den FCH-Verantwortlichen sicherlich ein Sieg wichtiger als warme Worte.