Drittes WFV-Pokalspiel, dritte Verlängerung – und wieder mit Happy-End für die TSG Balingen. Diesmal im Elfmeterschießen. Mit einem 6:5 (1:1, 2:2, 2:2)-Sieg ist der Fußball-Regionalligist am Mittwochabend beim Oberligisten SV Stuttgarter Kickers ins Viertelfinale des WFV-Pokals eingezogen.

Flach, rechts unten – und das staubtrocken: So hat Balingens Lukas Foelsch am Mittwochabend im Elfmeterschießen um den Einzug ins WFV-Pokal-Viertelfinale den fünften und entscheidenden Balinger „Elfer“ versenkt.

Dass im Gazi-Stadion der Stuttgarter Kickers am Ende ausgerechnet der mit 31 Jahren älteste Spieler im Team des Regionalligisten auch die Verantwortung übernahm, und sicher verwandelte, passte zur Dramaturgie dieses unglaublichen spannenden Pokalabends.

Denn Foelsch, in der laufenden Saison bisweilen oft gescholten, war an diesem Abend der vielleicht beste Fußballer in einer Balinger Elf, die wackelig begann, aber sich dann leidenschaftlich zurückkämpfte und sich auch von einem späten Rückschlag, dem 2:2-Ausgleich in der Schlussminute der regulären Spielzeit, nicht stoppen ließ. Dabei hatte es zunächst nicht nach einem Derbysieg der TSG ausgesehen.

Stuttgart startet besser

Balingens Trainer Ralf Volkwein hatte ein 50:50-Spiel erwartet, er bekam zunächst: eine dramatische 70:30-Partie zugunsten der unterklassigen Waldau-Klubs.

Nicht nur die erste Viertelstunde hatte im württembergischen Pokalderby nämlich den Blauen gehört, sondern eine gute Stunde. Während die Degerlocher zunächst im Passspiel zielstrebig wirkten, beschränkte sich die TSG in der Findungsphase aufs Verteidigen.

Die Folge: Die Gastgeber sahen sich zwei tief stehenden Balinger Ketten entgegen, in der sie sich in der Anfangsphase meistens festspielten.

Erste Chancen für die TSG

Mut machte nach einer Viertelstunde: Wann immer die erneut stark dezimierte TSG – Jonas Vogler (Knieverletzung) fiel unter anderem noch aus – mal über mehrere Stationen kombinierte, wurde es gefährlich für die Stuttgarter.

Etwa in der elften Minute, als es Daniel Seemann mit einem Schlenzer probierte. Tobias Dierberger und Ivan Cabraja spielten sich in den Strafraum der Blauen, Cabrajas Abschluss fehlte allerdings die Wucht (16.).

Kickers machen Druck

Die Degerlocher blieben auch nach einer halben Stunde überlegen, machten Druck auf die Balinger Box. Indes konnte sich die TSG nun zumindest etwas befreien, sodass sich das Derby bis zur 30-Minuten-Marke vermehrt im Mittelfeld und nicht mehr, wie noch zu Beginn, fast ausschließlich in der Balinger Hälfte abspielte.

Das 1:0 in der 31. Minute war dennoch verdient – nicht nur, weil in der Defensive der Kreisstädtern einmal die Abstimmung nicht stimmte: Stuttgarts Nico Blank war zuerst seinem Gegenspieler Fabian Kurth entwischt. An den Querpass bekam Matthias Schmitz zwar noch ein Bein dran, dennoch verwandelte Leander Vochatzer den Ball aus acht Metern im Tor.

Ausgleich aus dem Nichts

Bis zur Pause blieb den Oberligist von der Waldau, lauthals angefeuert, die bessere Mannschaft. Entsprechend kam das 1:1 (45.) nicht nur aus dem Nichts.

Es war auch kurios: Sascha Eisele schleuderte einen seiner bekannten Einwürfe in den Kickers-Strafraum, Schmitz verlängerte das Leder mit dem Hinterkopf über den aus dem Tor geeilten Keeper Thomas Bromma hinweg und Johannes Ludmann konnte – wohl nach der Linie – den Ball nur noch in die eigenen Maschen köpfen.

Weiter eine Zitterpartie

Nach dem Seitenwechsel – das gleiche Spiel, zunächst: Die Gastgeber kamen viel zu leicht vor und manchmal in den Balinger Strafraum.

Glück für die TSG, dass Mijo Tunjic in der 51. Minute im Abseits gestanden hatte. Spätestens als Shkemb Miftari fünf Minuten später ebenfalls direkt vor dem Balinger Torspieler zum Abschluss kam und an Marcel Binanzer scheiterte, hätte es eigentlich „klingeln“ müssen. Auf der Gegenseite sorgte Denis Epstein aus elf Metern für einen Lichtblick (57.).

Es blieb aber aus Balinger Sicht eine Zitterpartie – und aus „blauer“ Perspektive scheinbar nur eine Frage der Zeit, bis der zweite Treffer folgen sollte. Was die Kreisstädter nun jedoch besser machten: Sie bedrängten, grätschten, wurden dem Gegner zur unbequemen Last. Und nahmen den Stuttgartern so die Spielfreude.

Strafstoß bringt TSG-Führung

Dass sich die Kickers-Fans in der 72. Minute ärgerten, als Cabraja im Strafraum zu Fall kam und Schiedsrichter Tobias Reichel auf Elfmeter entschied, war zumindest nachvollziehbar.

Denn den Strafstoß musste man nicht geben, zumindest nicht zwingend. Epstein war’s egal – er markierte das Balinger 2:1 (73.).

Knieverletzung bei Pettenkofer

Die „unparteiische“ Kehrseite: Als Marc Pettenkofer in der 82. Minute vor dem Strafraum vom Kickers-Keeper als letztem Mann umgeholzt wurde, der Referee aber kein Foul gesehen haben wollte, wurde das Derby hitzig, noch ruppiger – und mit jeder Minute dramatischer.

Pettenkofer, erst acht Minuten vorher ins Spiel gekommen, musste direkt wieder verletzt raus.

Doppelt bitter für Volkwein und seine Jungs: Ausgerechnet in der Schlussminute staubte Tunjic das Leder nach Miftari-Querpass zum 2:2 ab (90.), sodass es wieder mal in die Verlängerung ging.

Direkt vor dem Ende der sechsminütigen Nachspielzeit schoss Stuttgarts Sanchez Giles den Ball am langen Pfosten noch über das völlig blanke Tor (90.+6).

Torlose Verlängerung

In der ersten Halbzeit der Verlängerung prüfte Miftari zunächst die Latte (93.), eine Doppelchance der TSG von Jonas Fritschi per Kopf und Schmitz aus elf Metern wurde von den Kickers jeweils auf der Linie geklärt (102.). Dann traf Giles – doch Abseits (110.)!

Kurzum: Das Pokal-Derby war ein Krimi, der diesmal aus elf Metern entschieden werden musste. Erneut mit Happy-End für die TSG Balingen.

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