Das war ein Krimi. Das ist gerade noch mal gut gegangen: Nach dem Last-Minute-Erfolg beim FC Holzhausen bewirbt sich die TSG Balingen auch weiterhin um zwei Pokale. Im Zweitrunden-Spiel im WFV-Pokal 2020/21 hatte der Fußball-Regionalligist am Samstag eigentlich schon vor dem Knock-Out gestanden, als der Ex-Balinger Domenico Mosca in der 88. Minute einen Holzhauser Konter zum zwischenzeitlichen 2:1 vollendete – und den Außenseiter damit zum zweiten Mal in Führung brachte.

Heim auf „Pette“ – und der zum Sieg

Doch die TSG, die zwei Spielklassen über dem FCH beheimatet ist, hatte im Panoramastadion erstens Dusel und zeigte gegen einen weitgehend ebenbürtigen Gegner zweitens Siegeswillen und vor allem Moral. So drehte die Kreisstadt-Elf die Partie am Ende mit Glück und Mühe, aber nicht unverdient: Balingens Verteidiger Jonas Vogler gelang in der Nachspielzeit nach einem weiten Eisele-Einwurf per Kopf das 2:2 (90.+2), das den Balingern die nicht mehr für möglich gehaltene Verlängerung bescherte.
Und schließlich erzielte Marc Pettenkofer bei seinem Pflichtspiel-Comeback in der Verlängerung für die TSG den Siegtreffer zum 3:2 (99.). Er war von Youngster Felix Heim bedient worden, der sich auf der rechten Seite durchgesetzt und „Pette“ im Holzhauser Strafraum gefunden hatte.

Torschütze findet, dass es besser geht

„Es war kein gutes Spiel von uns, das Derby hätten wir ebenso gut verlieren können“, erklärte der Balinger Siegtorschütze nach 120 umkämpften Minuten. Pettenkofer sah ein altes Muster wiederbelebt. „Wir tun uns im Pokal meistens schwer“, sagte der 26-Jährige, der am Ende dennoch einen verdienten Auswärtssieg der TSG im Sulzer Ortsteil resümierte, „weil wir vor allem körperlich weiter waren als der Gegner und Moral gezeigt haben“, so Pettenkofer.
Pettenkofer, der in der vergangenen Saison lange und oft ausgefallen war und sich auch in der Vorbereitung am Sprunggelenk verletzte, war erst nach 53 Minuten ins Spiel gekommen. Er stach ebenso als Joker wie Alexej Storm, den TSG-Trainer Martin Braun nach gut einer Stunde brachte. Storm markierte nach einem Heim-Eckball in der 70. Minute das zwischenzeitliche 1:1, ebenfalls per Kopfball. Zuvor hatte Holzhausens Torgarant Janik Michel, allein vor Balingens gut aufgelegtem Keeper Julian Hauser stehend, die 1:0-Führung für den vermeintlichen Außenseiter besorgt, der immer wieder starke Konter fuhr (49.).

Ampelkarte trägt zur Entscheidung bei

Mitentscheidend am Ende: die gelb-rote Karte gegen Holzhausens Max Brendle nur wenige Minuten vor Pettenkofers Siegtreffer in der ersten Hälfte der Verlängerung. Doppelt bitter: Brendle war auf Seiten des FCH erst in der 75. Minute für den früheren Balinger und jetzigen Co-Spielertrainer von Holzhausen, Oliver Grathwol, ins Spiel gekommen, holte sich in der ersten Minute der Verlängerung die erste und drei Minuten später die zweite Gelbe ab. In Unterzahl wehrten sich die Gastgeber vor 450 Zuschauern nach Kräften, konnten dem Favoriten aber nicht mehr gefährlich werden.

Mannschaft nimmt das Positive mit

„Wir nehmen das Positive mit“, sagte schließlich Pettenkofer. „Nämlich, dass wir zwei Mal zurückgekommen sind.“ Man habe den besonderen Reiz des Duells schon gespürt. „Immerhin kennen wir viele Holzhauser Spieler. Das war ein echtes Derby, da ging es dann schon mehr ab als sonst.“ Was Pettenkofer meinte: Von den elf Spielern, die die Holzhauser am Samstag von Beginn an aufboten, weisen sechs eine Balinger Vergangenheit auf (Fritz, Grathwol, Mosca, Schoch, Oberle, Schlecht). Vier weitere frühere Balinger saßen auf der Bank (Kevin Müller, Marc Wissmann, Gericke, Laurin Huss).

Nun geht’s ins Finale gegen Ulm

Für die TSG steht nun das Vereins-Highlight an: das erste WFV-Pokalfinale in der Vereinsgeschichte. Wegen der Corona-Verzögerung werden momentan beide Verbandspokal-Wettbewerbe parallel ausgespielt. Am Samstag (22. August, 14.45 Uhr) trifft die Braun-Elf im Rahmen des Endspiels des alten Wettbewerbs im Stuttgarter Gazi-Stadion auf den SSV Ulm 1846 (ebenso Regionalliga Südwest). Die TSG ist klarer Außenseiter, denn Titelverteidiger Ulm hat seine letzten drei Pokalspiele mit 6:0 (Großaspach), 7:0 (SSG Ulm) und am Samstag mit 8:0 (Eschach) gewonnen. Es geht um den Einzug in den DFB-Pokal, wo der Zweitligist Erzgebirge Aue auf den württembergischen Qualifikanten wartet.
Das Balinger Drittrunden-Match im „neuen“ Pokal, das eigentlich am Mittwoch stattfinden würde, wurde verlegt. Die TSG muss dann wohl in der Folgewoche zum VfL Mühlheim reisen (Termin steht noch nicht fest), der den SV Nehren in der 2. Runde mit 4:2 besiegte.
Nächstes Spiel: WFV-Pokalfinale 2019/20: TSG Balingen – SSV Ulm 1846 (22. August, 14.45 Uhr, Gazi Stadion Stuttgart)