Noch liegt der Kunstrasenplatz im Dunkeln. Wenige Meter entfernt soll erst die Neuigkeit des Tages verkündet werden. Die TSG Balingen hat zur Pressekonferenz vor dem Trainingsauftakt geladen. In „Henkes 12. Mann“, dem rechteckigen Raum vor der Bizerba Arena, wird die Nachricht, die sich schon abgezeichnet hatte, bekannt gegeben: Die TSG Balingen und Cheftrainer Martin Braun verlängern den auslaufenden Vertrag des 54-Jährigen um ein weiteres Jahr. Die erfolgreiche Zusammenarbeit wird über die laufende Spielzeit hinaus fortgesetzt.
„Die Unterschrift ist noch ganz warm, oder besser, die Tinte noch feucht“, sagt Eugen Straubinger, der erste Vorsitzende des Vereins. „Wir haben die Unterschrift vor einer halben Stunde gesetzt. Ich bin froh und glücklich, dass es uns gelungen ist, Martin für ein Jahr weiter zu verpflichten.“ Der Vertrag von Braun läuft nun also bis Juni 2024.

Gespräch nach dem Aalen-Sieg

Seit zweieinhalb Jahren ist der Ex-Profi Trainer der TSG Balingen. Im Januar 2020 hatte er das Amt von Aufstiegscoach Ralf Volkwein übernommen und die TSG seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Zur Winterpause steht die Mannschaft bekanntlich auf dem zweiten Platz der Regionalliga Südwest. Das hätte vor der Saison wohl kaum einer erwartet.
„Natürlich haben wir aktuell eine gute sportliche Situation und als Trainer ist es ja so, dass man in solchen Phasen nicht ganz unbeteiligt ist“, erklärt Braun, der sich auch die Frage gestellt hatte, ob es nicht ein guter Zeitpunkt wäre, etwas Neues zu machen. Doch: „Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es für mich sehr interessant ist und noch einmal eine große Motivation ist, zu schauen, ob wir mit unseren Rahmenbedingungen die Entwicklung noch ein Stück weit hinbekommen können oder wir uns auf dem Niveau stabilisieren.“
In der Woche nach dem 4:2-Sieg gegen den VfR Aalen, der die TSG auf den zweiten Tabellenplatz zur Winterpause befördert hatte, gab es ein Gespräch zwischen Trainer Braun und den Vereinsverantwortlichen. „Ich hatte zwei, drei Anpassungswünsche“, sagt Braun zum Angebot, das der Verein ihm machte. Dem ist die TSG entgegengekommen. „Und dann war das eigentlich an einem Tag erledigt.“ Für den A-Lizenz-Inhaber ist es ein guter Zeitpunkt für die Verlängerung: „Ich kann mich jetzt auf das konzentrieren, was ab heute beginnt. Das ist die Arbeit mit der Mannschaft.“
Und die startete eine knappe Stunde nach der Pressekonferenz. Erst gab es eine Besprechung in der Kabine. Dann folgte der Gang auf den Platz. Im Flutlichtschein machen sich die Spieler auf dem Kunstrasenfeld warm. Die Bedingungen sind alles andere als optimal: Der Platz war zwar vom Schnee befreit, aber doch ordentlich vereist. „Und dann raus, Steigerungslauf“, ruft Athletiktrainer Stefan Vogler den 22 Spielern vor sich zu, die sich an der Seitenlinie aufgereiht haben.
Die Laune ist gut. Es wird gescherzt, trotz der Minustemperaturen. Vorsorglich steht eine Kanne Früchtetee bereit. Zum Auftakt gibt es etwas Athletik, Passformen, Schüsse. Es fehlen der Langzeitverletzte Luca Kölsch sowie Elias Wolf und Nyamekye Awortwie-Grant, die beide krank sind. Für Jan Ferdinand und Jonas Fritschi ist es die erste Trainingseinheit nach ihren Verletzungspausen  „Für mich dient die Vorbereitung dazu, die Mannschaft in einen Zustand zu bringen, dass sie dann in Fulda konkurrenzfähig ist“, sagt Trainer Braun.
Ob der Trainer mit den 38 Punkten im Rücken die Restsaison eigentlich etwas entspannter angehen kann? Wohl kaum. Trainer Braun verweist auf den Bundesliga-Restart. „Da gibt es ja schon ein paar Auffälligkeiten“, sagt er. „Wenn wir entspannt sind, glaube ich, dass wir weniger Freude haben werden.“ Es sei die Kunst für alle mit „Freude und einer gewissen positiven Stimmung“ in die restlichen Spiele zu gehen, dabei aber die notwendige Spannung aufzubauen, um erfolgreich zu sein. Martin Braun sagt:  „Das finde ich echt spannend, auch für uns zu sehen, wie gut wir das hinbekommen.“