Einen Tag nachdem beim Fußball-Hallenstadtpokal Ulm/Neu-Ulm die Situation während des Finalspiels eskalierte, werden weitere Details bekannt. Rassistische Äußerungen, ein Bananenwurf und ein Flaschenwurf hatten in der Kuhberghalle für einen Tumult gesorgt, die Polizei musste einschreiten.

Bananen-Wurf: Nicht Anhänger, sondern Srbija-Spieler

Wie sich am Montagvormittag herausstellte sollen die rassistischen Beleidigungen und der Bananenwurf, der Söflingens Spieler Kidane Nahom galt, anders als zuvor berichtet, nicht von den Anhängern des FC Srbija Ulm ausgegangen sein, sondern nur von einem einzelnen Spieler. Das stellt Andreas Markovic, Vorstand von Bezirksligist Srbija Ulm klar: „Ein Spieler von uns hat ihm diese Banane gegeben.“ Es war derselbe Srbija-Akteur, der im vorangegangenen Endrundenspiel zwischen der TSG Söflingen und dem FC Srbija (3:2) einen Söflinger Spieler angespuckt hatte. Der Verein habe sofort die Konsequenzen gezogen. „Er ist mit sofortiger Wirkung vom Verein ausgeschlossen“, sagt Markovic, der sich am Montagabend mit der Vorstandschaft seines Clubs zusammensetzen wird, um über die Vorfälle beim Stadtpokal zu sprechen und eine gründliche Analyse vorzunehmen. „Unser Verein lehnt Rassismus in jeglicher Form ab“, sagt er und betont, dass die Vorfälle während des Stadtpokals nicht zu entschuldigen seien.

TSG-Trainer Michael Bayer gegen „Pauschalverurteilung“ des FC Srbija

Auch Söflingens Coach Michael Bayer äußerte sich zu den Vorfällen: „Ich bin seit über 30 Jahren im Fußball, als Spieler oder Trainer, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Der TSG-Trainer spricht zwar von einer „sportlichen Rivalität“, ein Problem gebe es mit dem Bezirksliga-Konkurrenten Srbija aber nicht. Auch deshalb betont er, dass er sich gegen eine Pauschalverurteilung des Vereins wehrt: „Du kannst nicht für jeden Spieler die Hand ins Feuer legen.“

Flaschenwerfer: Wegen psychischem Ausnahmezustand zur Behandlung ins Krankenhaus

Auch zum Flaschenwerfer, der TSG-Spieler Moritz Fichter mit einer Plastikflasche am Hinterkopf getroffen hatte, werden neue Details bekannt. Der Erwachsene, der von Markovic als „psychisch labil“ bezeichnet wird, sei zwar Fan, stehe der Mannschaft aber auch als eine Art Betreuer nahe. „Er war danach am Boden zerstört“, sagt Markovic. Man habe versucht ihn zu beruhigen, letztlich musst er aber aufgrund seines Ausnahmezustandes zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Ob es sich um eine psychatrische Einrichtung handelt, wie der SWR berichtet, wollte die Polizei Ulm auf Anfrage nicht bestätigen. Die Polizei nahm am Sonntagabend eine Anzeige auf. Srbija Ulm kündigte außerdem an, ihm seine Mitgliedschaft beim Verein zu entziehen.

TSG-Spieler Moritz Fichter erlitt durch den Flaschenwurf eine Platzwunde am Hinterkopf. Er wurde im Krankenhaus behandelt und musste mit zwei Stichen genäht werden. Bereits kurze Zeit später, als klar war, dass es sich um keine schlimmere Verletzungen handelt, ging es für ihn zurück in die Kuhberghalle – wo seine Teamkollegen gemeinsam mit Turnierleiter Edin Mandzukic bereits auf Neuigkeiten warteten.

Bezirksvorsitzender Merkle: Srbija Ulm kräftig zur Kasse beten

Für den Vorsitzenden des Bezirks Donau/Iller, Manfred Merkle, wiegen Sachlage und Vorfälle des Hallenstadt-Pokals schwer: „Für mich ist das ein Unding“, sagt er. „Wir haben so einen Fall noch nie gehabt“, sagt Merkle und meint die rassistische Beleidigung gegenüber dem dunkelhäutigen TSG-Akteur. Mit welchen weiteren Konsequenzen Srbija Ulm noch zu rechnen hat, werde in den kommenden Wochen das Sportgericht des Württembergischen Fußballverbandes nach Auswertung der Turnier- und Schiedsrichterberichte klären. Merkle rechnet mit einer hohen Geldstrafe: „Ich hoffe, dass Srbija kräftig zur Kasse gebeten wird.“

Sportliches Geschehen des dreitägigen Turniers rückt in den Hintergrund

Ein Ausschluss vom regulären Bezirksliga-Spielbetrieb hält er nicht für möglich, einen Ausschluss vom Stadtpokal indessen schon, obgleich Merkle selbst nicht im Entscheidungs-Gremium sitzt. Srbija-Vorstand Markovic kündigte bereits am Montagvormittag an, seine Mannschaft in Zukunft nicht mehr für den Stadtpokal Ulm/Neu-Ulm melden zu wollen. Desweiteren wolle der Verein „in aller Form dem Sportgericht zur Verfügung stehen“, um die Vorfälle aufzuarbeiten.

Merkle fürchtet Rückzug weiterer Vereine – 40. Auflage des Hallencups 2021

Von Freitag bis Sonntag waren rund 1100 Zuschauer in der Kuhberghalle zugegen. Die Situation eskalierte am Sonntagabend, als das Finale zwischen der TSG Söflingen und Lilijan Ulm im Zehn-Meter-Schießen ausgespielt werden sollte. Das sportliche Geschehen beim 39. Hallencup, den der SV Offenhausen ausrichtet, rückte nach den Vorfällen in den Hintergrund. Im kommenden Jahr steht die 40. Auflage des Stadtpokals an. Nach den Vorfällen fürchtet Manfred Merkle, dass weitere Vereine der Veranstaltung fernbleiben könnten – aufgrund der „Atmosphäre, die da herrscht“. Vor allem in der Sicherheitsfrage müsse sich etwas ändern und darin, wie „wir in Zukunft so etwas vermeiden können“, sagt Turnierleiter Mandzukic, der betont: „Mir wäre es lieber gewesen, wir reden über die gute Stimmung, die vielen Zuschauer und die tollen Spiele.“