FC Bayern München Paul Breitner zu verbannen, geht gar nicht

Ein Bild aus besseren Zeiten für den FC Bayern: Siegfried Vikari mit seiner Frau Kerstin vor dem Champions League Finale 2013 gegen Borussia Dortmund im Wembley Stadion in London.
Ein Bild aus besseren Zeiten für den FC Bayern: Siegfried Vikari mit seiner Frau Kerstin vor dem Champions League Finale 2013 gegen Borussia Dortmund im Wembley Stadion in London. © Foto: privat
Nersingen / Dominik Guggemos 06.12.2018

Seit der Gründung ist er Vorsitzender des „Fanclub FC Bayern München Nersingen 2001“. Er hat hat alle Finalspiele des deutschen Rekordmeisters in der Champions-League und dem Pokal der Landesmeister live im Stadion miterlebt.  Der 70-jährige Siegfried Vikari ist seit 1965 Bayern-Fan und damit ein Urgestein des traditionsreichen Vereins.

Auf die Medienschelte der Bayern-Bosse, die sich sogar auf das Grundgesetz berufen haben, habe Vikari „dieselbe Reaktion wie viele Fans“ gehabt: „Das war eine Lachnummer und des FC Bayerns nicht würdig.“ Zum Streit zwischen Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Bayern-Legende Paul Breitner hat er ebenfalls eine ganz klare Meinung: „Breitner ist als Kritiker bekannt. Er sticht auch mal ins Wespennest. Aber einen Ehrenspielführer aus dem VIP-Bereich zu verbannen, das geht gar nicht.“

Bei der Jahreshauptversammlung in der vergangenen Woche hat der Fan Johannes Bachmayr mit scharf formulierter Kritik an Hoeneß für Wirbel gesorgt – und Applaus vom Publikum bekommen. Vikari sagt dazu: „Es gehört Mut dazu, so ans Mikrofon zu treten und diese Rede zu halten. Im Endeffekt kann man ihm bei den Dingen, die er angesprochen hat, nicht direkt widersprechen.“ Hoeneß sei, seit er aus dem Gefängnis zurück und wieder Präsident ist, „nicht mehr so anerkannt bei den Fans wie früher.“

Mit der aktuellen sportlichen Entwicklung (nur Platz vier in der Tabelle, bei neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund) ist er, wie man sich  vorstellen kann, nicht zufrieden. „Die gefällt keinem Bayern-Fan so richtig“, erklärt er das Stimmungsbild der Fans.

Er glaube zwar nicht, dass die junge Dortmunder Mannschaft den aktuell sehr guten Punkteschnitt bis zum Saisonende durchziehen könne, ob seine Bayern allerdings noch eine Chance auf den Titel haben werden, weiß er nicht. „Wenn es in der Mannschaft Diskrepanzen gibt, dann sicher nicht. Schaun mer mal“, sagt Vikari und zitiert dabei Bayern-Legende Franz Beckenbauer.

Er findet es ungerecht gegenüber Mönchengladbach und Leipzig (derzeit auf Tabellenplatz zwei und drei), dass immer nur der Vorsprung auf den FCB im Fokus steht. Diese seien derzeit die „eigentlichen Verfolger“ von Dortmund. Vikari findet es gut, dass der umstrittene Trainer Niko Kovac bleibt. Er komme bei den Fans mehrheitlich gut an, auch wenn es natürlich eine Gruppe gab, die schon bei seiner Verpflichtung gegen ihn gewesen sei.

Allerdings sieht der Nersinger durchaus Konfliktpotenzial mit den langjährigen, verdienten Spielern. Auswechslungen kämen bei Frank Ribery und Arjen Robben nicht gut an. Hummels und Boateng könnten sich an ihm reiben. „Und Lewandowski kann auch stinkig werden“, analysiert der 70-Jährige.

Nicht überzeugt ist Vikari von Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Er sei schon bei seiner Verpflichtung ein „Notschuss“ gewesen: „Von Brazzo hat man in den letzten Wochen fast nichts gehört, er wurde aus der Schusslinie genommen.“

Und wie sieht der 70-jährige Rentner, der seit 53 Jahren Bayern-Fan ist, die Zukunft von Uli Hoeneß? „Ich finde, dass sein Vorgänger Karl Hopfner einen guten Job gemacht hat. Aber Hoeneß ist eine Machtperson und wollte den Posten zurück.“ Aus seiner Sicht sollte der Verein einen Neuanfang anstreben, auch an der Spitze. Falls Hoeneß nochmal für das Präsidentenamt kandidieren sollte prognostiziert, Vikari jedenfalls, dass er „nicht mehr 98,5 Prozent“ – wie bei der Wahl 2016 – bekommen werde.

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Mitglieder hat der „Fanclub FC Bayern München Nersingen 2001“.
Gegründet wurde er, nachdem Vikari beim Champions League Finale 2001 Fans aus Nersingen kennenlernte.

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