Niederstotzingen Wo der Trainerjob Familiensache ist

Taktikgespräch unter Ehepartnern: Roland Häge (links), seit vier Jahren Trainer beim SC Hermaringen,  und seine Frau Heike, eine ehemalige Bundesligaspielerin, die bei den Fußballfrauen des FV Sontheim zu dieser Saison voll ins Trainergeschäft eingestiegen ist.
Taktikgespräch unter Ehepartnern: Roland Häge (links), seit vier Jahren Trainer beim SC Hermaringen, und seine Frau Heike, eine ehemalige Bundesligaspielerin, die bei den Fußballfrauen des FV Sontheim zu dieser Saison voll ins Trainergeschäft eingestiegen ist. © Foto: Markus Brandhuber
Niederstotzingen / Mathias Ostertag 10.10.2018
Bei Familie Häge hat der Sport Hochkonjunktur. Während Roland Häge seit vier Jahren Coach in Hermaringen ist, will seine Frau Heike mit den Frauen des FV Sontheim richtig durchstarten.

Der Fußball spielt ohne Frage eine wichtige Rolle im Hause Häge in Niederstotzingen. Das liegt nicht allein daran, dass in der näheren Umgebung praktisch jeder, der mit dem Fußball etwas am Hut hat, auch mit dem Namen Roland Häge etwas anfangen kann. Seit vier Jahren ist der 49-Jährige Coach des Kreisligisten SC Hermaringen, davor stand er unter anderem für den FV Sontheim an der Seitenlinie. Häge gelang damals schon einmal der Aufstieg mit Sontheim in eben jene Landesliga, wo der Verein heute wieder spielt.

Und der FV Sontheim ist auch der Klub, der Roland Häge und seine Frau Heike zumindest teilweise verbindet: Seit mittlerweile 1,5 Jahren bringt sich die 39-Jährige nämlich beim Frauenteam aus Sontheim ein, zu Beginn dieser Saison hat die ehemalige Bundesligaspielerin nach dem Abgang des bisherigen Coaches Guiseppe Milazzo im Sommer gemeinsam mit Alexander Pejovic das Traineramt bei den Sontheimer Kickerinnen übernommen.

Zum Saisonauftakt am vergangenen Wochenende gewann der FVS gleich mal beim FC Alfdorf mit 7:0. So könne es gerne weitergehen, sagt Heike Häge.

Immer mindestens Vierter

Die vorderen Tabellenregionen sind auch der Bereich, in dem sich von Roland Häge trainierte Teams in der Regel am Ende einer Saison platzieren. Vor vier Jahren übernahm er den damals aus der Bezirksliga in die Kreisliga A 3 abgestiegenen SC Hermaringen und führte das zum Großteil aus Hermaringer Kickern zusammengesetzten Verein in den vergangenen vier Spielzeiten dreimal auf den vierten und in seiner ersten Saison sogar auf den dritten Rang der Tabelle.

Jahr für Jahr spielen die Hermaringer um den Aufstieg in die Bezirksliga mit – das wird vermutlich auch in dieser Saison nicht anders sein: „Unsere Stärke ist der Zusammenhalt – und das sichert uns nicht selten auch die Punkte“, betont der 49-Jährige, was die Hermaringer in vielen Duellen zu einem unbequemen Gegner macht. „Wenn alle fit sind und wir nicht eine solche Verletzungsmisere haben wie zum Ende der vergangenen Saison, dann ist alles drin“, so der Hermaringer Coach.

Zuletzt deklassierte der aktuelle Tabellenvierte die TSG Schnaitheim II mit 8:1, allein Stürmer Patrick Mair glänzte wieder einmal mit einem Dreierpack und schraubte sein Torekonto in dieser Spielzeit auf elf Treffer in acht Spielen.

Im unterklassigen Fußball macht nun Heike Häge, die einst unter ihrem Mädchennamen Heike Uschmann für den Bundesligisten TSV Crailsheim und später, nach der Namensänderung, in der 2. Frauenbundesliga für den SV Jungingen auf Torejagd ging, ihre ersten Gehversuche im Trainergeschäft.

Es ist auch so etwas wie ein Schritt nach vorn – denn die eigene Fußballkarriere endete für die heute 39-Jährige von einem Tag auf den anderen. Im Alter von 15 Jahren wechselte Heike Uschmann damals nach Crailsheim, schaffte den Sprung ins Bundesligateam und war auch nah dran am Nationalteam.

Abruptes Karriereende

Dann folgte aber, ihre Kinder waren erst wenige Jahre alt, im Alter von 30 Jahren die niederschmetternde Diagnose: Brustkrebs. Die Profikarriere war damit zu Ende. „Ich habe erst mal alles in die Ecke geworfen und wollte vom Fußball nichts mehr wissen“, blickt sie zurück. „Für mich stand ab diesem Zeitpunkt in erster Linie die Familie im Vordergrund, unsere Kinder waren zu diesem Zeitpunkt auch noch sehr klein und mein Mann voll in seinem Traineramt drin. Deshalb habe ich auch später noch mehrmals Anfragen, als Trainer einzusteigen, abgelehnt.“

Fünf Jahre lang war Heike Häge nebenbei noch als Schiedsrichterin tätig, doch auch das ließ sie dann irgendwann wieder sein. „Ich habe jetzt richtig Lust, das anzupacken.“ Zumal sie erst am Anfang ihrer Karriere steht. Ihr Mann Roland zum Beispiel ist im mittlerweile 19. Jahr in Folge Trainer – auch, weil er noch nie entlassen wurde.

Der Fußball werde die Familie sowieso ein Leben lang in irgendeiner Form begleiten – und sei es, dass er sich irgendwann davon zurückziehe, während seine Frau noch voll durchstarten könne. „Der Trainerjob macht dann am meisten Spaß, wenn man mit dem Herzen ganz dabei ist. Wenn das irgendwann nicht mehr der Fall ist, sollte man es sein lassen“, sagt er.

Und könnte es in naher Zukunft sogar ein Trainerehepaar Häge geben, das gemeinsam ein Team coacht? Roland Häge lacht: „Ich glaube nicht. Meine Frau wäre zwar ein guter Cheftrainer, ich bin aber ein miserabler Co-Trainer. Ansonsten sind wir aber offen für alles.“

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