München / Von Thomas Grüninger Im Pokalfieber: Schon etlichen unterklassigen Klubs ist es gelungen, den großen FC Bayern München zu schlagen. Welche waren dies und wann war das?

Wie kann man den FC Bayern München bezwingen? An dieser Frage haben sich in den vergangenen Jahren viele Klubs die Zähne ausgebissen. Auch Zweitligist 1. FC Heidenheim werden kaum Chancen eingeräumt, über das Gastspiel beim deutschen Rekordmeister und Rekordpokalsieger am 3. April das Halbfinale im nationalen Cup-Wettbewerb zu erreichen.

Ganz chancenlos ist man allerdings nie. Das haben in der bisherigen Pokal-Geschichte schon einige der sogenannten „Kleinen“ bewiesen.

Als Osnabrück die Bayern schlug

Wer kennt noch Andreas Wagner? Der heute in Hamburg wohnende ehemalige Gefreite der Bundeswehr schoss am 23. September 1978 die Münchner fast alleine aus dem Rennen. 5:4 gewann der Nord-Zweitligist damals im Olympiastadion - ohne Verlängerung, ohne Elfmeterschießen. Und Wagner traf gleich dreimal. In Presseberichten war von „Wagner-Festspielen“ die Rede.

3:3 stand es zur Pause. Und als danach Gerd Müller mit seinem zweiten verwandelten Elfmeter das 4:3 erzielte, schien das Spiel den erwarteten Lauf zu nehmen. Aber die Osnabrücker glichen nochmals aus – und dann hatte Andreas Wagner seinen großen Auftritt. Nach einer weiten Flanke ließ er Weltmeister „Katsche“ Schwarzenbeck ins Leere laufen und überwand mit einem Lupfer über Sepp Maier hinweg gleich noch einen Weltmeister.

Dabei, so erzählte Wagner später, hatten sich die Osnabrücker bei den großen Bayern eigentlich auf „eine Vergnügungsreise“ eingestellt: „Einige von uns sind am Abend vorher noch ein bisschen feiern gegangen. Wir haben das nicht so ernst genommen.“

Zwei Streiche aus dem Saarland

Gleich zweimal gelang dem FC Homburg das Kunststück, die Bayern aus dem Pokal zu werfen. 1977 gewann der saarländische Zweitligist im heimischen Waldstadion 3:1. Die Bayern seien „sang- und klanglos untergegangen“ und waren „mit dem 3:1 noch gut bedient“, stellte das Fachblatt „Kicker“ fest. Bayern-Trainer Dettmar Cramer diagnostizierte einen „bösartigen Bazillus“ namens Unterschätzung.

Das hielt die Bayern aber nicht davon ab, 1991 erneut zu straucheln. Der Rekordmeister steckte damals in der Krise. „Acht Mann von uns sind momentan besser drauf“, stellte Homburgs Trainer Gerd Schwickert fest, der bei der ersten Pokal-Sensation noch als Libero mitwirkte und sich in die Torschützenliste eintragen konnte.

Nach einem 2:2 am Ende der regulären Spielzeit trafen die Saarländer in der 95. und 99. Minute zum 2:4. „Phasenweise sah es nach einem Trainingsspiel der Homburger aus“, bemerkte ein Berichterstatter. Homburgs Präsident Manfred Ommer hatte mit den Münchnern Mitleid: „Es tut weh, den FC Bayern so zu sehen. Schade um diese große Mannschaft.“

Von Bayreuth aufs Kreuz gelegt

Nicht einmal anderthalb Jahre später wurden Breitner, Rummenigge und Co. vom Süd-Zweitligisten SpVgg Bayreuth aufs Kreuz gelegt. Auf schneebedecktem Boden gelang Uwe Sommerer der Treffer zum 1:0.

Ganz andere Witterungsbedingungen herrschten am 4. August 1990 an der Weinheimer Bergstraße. Bei über 40 Grad in der Sonne traf Oberliga-Torschützenkönig Thomas Schwechheimer im ausverkauften Sepp-Herberger-Stadion zum 1:0-Sieg des FV Weinheim – und schlug anschließend fast die Einladung ins ZDF-Sportstudio aus. „Ich geh lieber mit meinen Kumpeln einen trinken“, soll er den Fernsehleuten gesagt haben, ließ sich dann aber doch zum Auftritt an der Torwand überreden.

Nach dem Führungstor in der 26. Minute, dem eine rote Karte für Thomas Strunz vorausgegangen war, fürchtete Weinheims Trainer Lothar Strehlau die geballte Bayern-Power in der zweiten Halbzeit. „Die werden kommen wie die Hummeln“, prophezeite er seinen Schützlingen. Weinheim überstand die Druckphase – der Begriff „Hummeltaktik“ war geboren.

Vestenbergsgreuth: Mit Frank Schmidt als Libero

Vestenbergsgreuth: Der Name der nur gut 1500 Einwohner zählenden Marktgemeinde in Mittelfranken, ist wohl zum Synonym schlechthin für eine Bayern-Blamage im DFB-Pokal geworden. Man schrieb den 14. August 1994, als der Regionalligist die Promis zu Gast hatte. Mit einem Libero namens Frank Schmidt (dem heutigen FCH-Trainer), der es hauptsächlich mit dem französischen Nationalspieler Jean-Pierre Papin zu tun hatte, gelang die Sensation. In der 43. Minute traf Roland Stein gegen Oliver Kahn - beim 1:0 blieb es bis zum Schluss.

Sogar die „Gazetta dello Sport“, Italiens auflagenstärkste Sportzeitung, brachte die Überraschung auf der Titelseite: „Club di dilettanti elimine Trapattoni“, hieß es da (wobei dilettanti schlicht für Amateure steht). „Trapattoni hat bisher drei Worte Deutsch gelernt: Danke, Bitte und – Vestenbergsgreuth“, witzelte die Bild-Zeitung über den erfolgreichsten italienischen Vereinstrainer, der zu Saisonbeginn bei den Bayern angeheuert hatte.

Derweil schlug Torwart-Legende Sepp Maier nachträglich Kapital aus der Blamage der Münchner. In einer Rundfunkwerbung für eine Fluggesellschaft sprach er den Satz: „Wir fliegen Sie überall hin, sogar dorthin, wo der Pfeffer wächst, nur nicht nach Vestenbergsgreuth.“

Für den letzten ganz großen Paukenschlag in einem DFB-Pokalspiel gegen die Bayern sorgte im Jahr 2000 der 1. FC Magdeburg. Der damalige Oberligist gewann im Ernst-Grube-Stadion mit 5:4 nach Elfmeterschießen. Pokal-Held war Torhüter Miroslaw Dreszer, der die Strafstöße von Jens Jeremies und Giovanne Elber parierte.

Morgen erzählt der Altenberger Roland Stegmayer im Rahmen unserer Pokalserie wie es ist, vier Tore gegen die Bayern zu schießen. Und das in einem Spiel.

Die Pokal-Ausrutscher der Bayern im Überblick

  • 15. Mai 1968: Der damalige Regionalligist VfL Bochum bezwingt den FC Bayern im Halbfinale mit 2:1.
  • 14. Oktober 1977: In der dritten Runde gewinnt der FC Homburg gegen die Bayern mit 3:1.
  • 23. September 1978: Der VfL Osnabrück (2. Liga Nord) schlägt die Münchner im Olympiastadion mit 5:4.
  • 12. Januar 1980: Die SpVgg Bayreuth (2. Liga Süd) wirft die Bayern in Runde drei mit 1:0 aus dem Rennen.
  • 4. August 1990: Der baden-württembergische Oberligist FV Weinheim siegt in Runde eins mit 1:0 gegen die Münchner.
  • 17. August 1991: Erneut ist der FC Homburg der Stolperstein. Die Saarländer gewinnen in München mit 4:2 nach Verlängerung.
  • 14. August 1994: Regionalligist TSV Vestenbergsgreuth schlägt den FC Bayern München mit 1:0.
  • 1. November 2000: Oberligist FC Magdeburg setzt sich gegen die Bayern nach Elfmeterschießen mit 5:3 durch.
  • 4. Februar 2004: Zweitligist Alemannia Aachen triumphiert im Viertelfinale mit 2:1 gegen die Bayern.