FCH Toni Sailer: "Ich hätte mir mehr Vertrauen gewünscht"

Obwohl sein Vertrag beim 1. FC Heidenheim noch ein weiteres Jahr läuft, gehen Marco Sailer (am Ball) und der FCH in der kommenden Saison wohl getrennte Wege.
Obwohl sein Vertrag beim 1. FC Heidenheim noch ein weiteres Jahr läuft, gehen Marco Sailer (am Ball) und der FCH in der kommenden Saison wohl getrennte Wege. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Yasmin Fischer 28.05.2013
Einen Tag nach dem letzten Saisonspiel gegen Offenbach teilten die Verantwortlichen des 1. FC Heidenheim "Toni" Sailer mit, dass es für ihn keine Zukunft im Verein geben wird. Druck, einen neuen Arbeitgeber zu finden, hat der Angreifer allerdings nicht, da sein Vertrag beim FCH noch ein weiteres Jahr läuft.
Herr Sailer, Sie sind seit etwa eineinhalb Jahren beim 1. FC Heidenheim. Wie überraschend kam die Entscheidung, dass Sie künftig nicht mehr dem Kader angehören werden?

Die Entscheidung kam mehr oder weniger überraschend. Ich hatte im Januar bereits ein ähnliches Gespräch. Da wurde mir mitgeteilt, dass in der Rückrunde nicht viel Platz für mich sein wird.

Sie konnten also davon ausgehen, dass der Verein sich von Ihnen trennen wird?

Nun ja. Durch meine Arbeit und die Verletzungen einiger anderer Spieler habe ich in der Rückrunde doch viel gespielt und auch eine ordentliche Leistung gezeigt. Deshalb kam die Entscheidung dann doch ein wenig überraschend.

Ihr Vertrag beim FCH läuft noch ein weiteres Jahr. Wollen Sie diesen aussitzen oder haben Sie bereits einen neuen Verein?

Ich habe noch keine Pläne und keinen neuen Verein. Die Tatsache, dass mittlerweile aber mehr als eine Woche vergangen ist, zeigt, dass es nicht so einfach ist. Wenn ich nichts finde, werde ich das Jahr auf jeden Fall in Heidenheim bleiben.

Wie war das Gespräch mit Trainer Frank Schmidt?

Das Gespräch war von Angesicht zu Angesicht auf offener und ehrlicher Basis – mit negativem Ende.

Bereits nach dem ersten Gespräch im Januar war es sicherlich eine schwierige Rückrunde für Sie.

Es war nicht immer einfach. Ich bin bei minus 100 gestartet und hatte so gut wie keine Chance. Ich habe mich dann aber im Training gut präsentiert, eine ordentliche Vorbereitung gespielt und habe mich auch körperlich weiterentwickelt. Und ich habe mich dem Verein und der Mannschaft gegenüber immer fair verhalten und habe zu keiner Zeit Unruhe reingebracht. Trotz des Drucks habe ich meine Arbeit gemacht, so gut ich es eben konnte. Deshalb bin ich – bis auf die Torausbeute – schon zufrieden.

Spielt Ihr Verletzungspech im Hinblick auf die Einsatzzeiten auch eine Rolle?

Darauf möchte ich es nicht schieben. Natürlich waren die Verletzungen vom Zeitpunkt her gesehen immer ungünstig. Aber das ist kein Grund, warum es im einen oder anderen Spiel nicht so gut gelaufen ist.

Drei Tore bei 22 Einsätzen. Hat Trainer Schmidt Ihnen vielleicht zu selten die Chance gegeben, sich zu beweisen?

Nein. Ich hatte ja meine Einsätze. Bei Kurzeinsätzen ist es aber nicht immer einfach, das Spiel nochmal entscheidend zu wenden und Akzente zu setzen. Im Großen und Ganzen hätte ich mir aber schon mehr Vertrauen gewünscht. Ich habe immer nur dann gespielt, wenn andere verletzt waren.

Sind Sie deshalb enttäuscht?

Jeder Spieler sollte genügend Selbstvertrauen haben, damit umgehen zu können, wenn er nicht spielt. Da möchte ich den Schwarzen Peter nicht dem Trainer zuschieben.

Bei Ihrem ersten Interview im FCH-Trikot sagten sie, dass Sie sich in Heidenheim pudelwohl fühlen. Hat sich das durch die Bekanntgabe der Trennung geändert?

Da muss man differenzieren. Ich fühle mich beim FCH noch immer pudelwohl und der Wohlfühleffekt, den ich von der Mannschaft bekommen habe, ist einfach grandios. Was das Drumherum angeht: Ein Spieler, der nicht immer von Anfang an spielt, kann natürlich nicht zufrieden sein. Dazu kamen viele Höhen und Tiefen, gewonnene Pokale, vergeigte Aufstiege und Relegationen.

Können Sie diese Höhen und Tiefen näher beschreiben?

Als ich beim FCH unterschrieben habe, war es für mich ein Traum. Bei den ersten Gesprächen gab es zwei oder drei Dinge, auf die ich absolut aufbauen wollte. Dann kam alles anders. Das hat schon relativ viel Vertrauen gekostet. Und dann kam eben das Gespräch im Winter. Trotzdem habe ich immer versucht, mich durchzubeißen und zu kämpfen.

Rückblickend auf die Zeit an der Brenz: Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte?

Natürlich der 3:1-Heimsieg gegen den VfR Aalen, der Sieg im WFV-Pokal in diesem und im letzten Jahr. Und die Chance, am letzten Spieltag um den Relegationsplatz zu spielen, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Ich genieße jetzt erst einmal meinen Heimaturlaub bei meinen Eltern, bevor ich dann noch ein paar Tage verreisen werde. Und wenn ich danach keinen neuen Verein gefunden habe, würde ich gerne wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, da mein Vertrag beim FCH ja noch läuft und ich Anspruch auf professionelles Training habe.
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