Herbrechtingen / Edgar Deibert Während eines Spiels gegen Bissingen wird der Herbrechtinger Spieler „Didi“ beleidigt. Er kontert über Facebook.

Uederson Guimaraes, kurz „Didi“, müsste allen Fußballfans im Kreis Heidenheim und darüber hinaus ein Begriff sein. Schließlich erzielte der Brasilianer, der 2003 aus Rio de Janeiro nach Deutschland kam, bereits viele Tore. Der 37-Jährige spielte für Dorfmerkingen, Neresheim und die TSG Giengen. Aktuell läuft der Vater dreier Kinder für die TSV Herbrechtingen auf und ist hier zudem Co-Trainer.

„Didi“ hat also viel Erfahrung gesammelt, das Heimspiel seiner TSV gegen den SV Bissingen am vergangenen Sonntag (1:4) hat allerdings einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen. Nach einem Zweikampf wurde er rassistisch beleidigt. „Ich stand ja unter Adrenalin und habe nicht alles richtig gehört. Jemand hat mich Bananenfresser genannt“, sagt Guimaraes. „Man kann Spiele gewinnen oder verlieren. Das ist eigentlich egal. So was finde ich aber nur traurig. Das enttäuscht mich wirklich.“

Die Beleidigung ordnete er einem Anhänger des SV Bissingen zu. Andere Zuschauer hätten aber gleich eingegriffen mit der klaren Forderung „Hör auf!“ gegenüber dem „Idioten“, wie es Guimaraes auf seiner Facebook-Seite schreibt, auf der er durchaus schlagfertig reagierte und weiter ausführte: Ja, er esse gerne Bananen. Und ja, er habe eine dunkle Haut. Mit dem Zusatz: „Ich liebe dich auch, mein Freund“, garniert mit einem Kuss-Smiley.

Es sei auch nicht das erste Mal gewesen, dass er rassistisch beleidigt worden sei. Der Schnaitheimer ist sich dabei sicher, dass Menschen andere rassistisch beleidigen, weil sie entweder neidisch sind oder sonst nichts zu sagen haben. „Ich habe sehr viele gute Freunde und fühle mich bei der TSV Herbrechtingen sehr wohl. Wir sind wie eine Familie“, so Guimaraes weiter.

Auch der SV Bissingen bezog klar Stellung und entschuldigte sich auf seiner Facebook-Seite: Für den SV Bissingen sei das Verhalten absolut inakzeptabel. „Wir verurteilen dies aufs Schärfte und distanzieren uns klar von diesen Aussagen“, schreibt der Verein. Der betreffende Zuschauer sei weder Mitglied, noch „Fan“ des SV Bissingen, heißt es weiter. Ein Fußballfan feuere seine Mannschaft an, liebe das Spiel und respektiere den Gegner, was im genannten Fall nicht im Ansatz zutreffe. „Wir leben in unserer Mannschaft und dem Verein Fair Play, Offenheit und Toleranz“, betont der SV Bissingen.

Gegenüber der HZ machte Trainer Thomas Bonnet zudem unmissverständlich klar: „Darüber müssen wir nicht diskutieren. Rassismus hat in unserer Gesellschaft, ob auf dem Sportplatz oder im Leben, absolut nichts verloren.“