Mergelstetten Unruhe beim SVM: „Spieler haben gemacht, was sie wollten“

Die Ruhe vor dem Sturm? Bald wird sich klären müssen, wie es bei den SVM-Fußballern weitergeht.
Die Ruhe vor dem Sturm? Bald wird sich klären müssen, wie es bei den SVM-Fußballern weitergeht. © Foto: Markus Brandhuber
Mergelstetten / Mathias Ostertag 06.12.2018
Der Kreisligist kommt momentan nicht zur Ruhe. Nachdem zunächst Trainer Enrico Eisenreich zurücktrat, folgte am Montag die Abteilungsführung. Was läuft schief auf den Reutenen?

Um zu sehen, dass bei den Fußballern des SV Mergelstetten derzeit vieles nicht rund läuft, muss man kein Experte sein. Zu offensichtlich sind die Entwicklungen nicht nur auf dem grünen Rasen, sondern vor allem auch abseits des Platzes. Schon unter dem früheren Trainer Chrisovalantis Chalkidis sei trotz zwischenzeitlicher Erfolge (Relegation in der Saison 2016/17) die interne Stimmung nicht die beste gewesen, berichten Insider. Und das habe sich unter dem nun am Sonntag zurückgetretenen Coach Enrico Eisenreich fortgesetzt.

Der 38-Jährige selbst sagt heute, er habe es von Anfang an schwer gehabt, in Mergelstetten anzukommen. Da in der Rückrunde der Vorsaison vieles nicht gepasst habe, habe er sich mit der Abteilungsleitung im Sommer darauf geeinigt, dass man einen Umbruch einleiten wolle und dass erste und zweite Mannschaft wieder enger zusammenrücken und entsprechend auch gemeinsam trainieren sollten, so Eisenreich. „Doch dann wurden eigenhändig Spieler verpflichtet, ohne Rücksprache zu halten und das Theater, wer wo spielen wird, ging von vorne los.“

Eine homogene Gruppe ließ sich somit nicht formen, die Zusammenarbeit zwischen beiden Mannschaften funktionierte laut Eisenreich nicht.

Ende September mussten zunächst Mike Maihofer und sein Co-Trainer Andreas Stenske den Trainerstuhl bei der „Zweiten“ räumen. Der mittlerweile ebenfalls zurückgetretene Abteilungsleiter Marcel Hiepler betonte damals auf Nachfrage der Heidenheimer Zeitung, dass nicht sportliche Gründe, sondern „interne Dinge“ zu diesem Schritt geführt hätten.

Kein ruhiges Arbeiten möglich

Ex-Coach Maihofer wiederum hatte schon seinerzeit die Vermutung geäußert, dass Spieler aus Reihen des SVM darüber nachdenken würden, zurückzutreten. „Einen Rücktritt gab es nicht, aber am Ende waren es jetzt acht Spieler, die nicht mehr zum Training gekommen sind, sich nicht zurückgemeldet haben und dann auch für die Spiele nicht zur Verfügung standen“, berichtet der Ex-Coach Eisenreich.

Die nicht zur Verfügung stehenden Spieler seien dann aber an den Spieltagen trotzdem vor Ort gewesen, hätten bei den Partien zugeschaut. Die Unruhe innerhalb der Abteilung habe immer weiter zugenommen, so Eisenreich. „Ganz ehrlich: Ich konnte zu keiner Zeit in Ruhe arbeiten, habe außer von der Abteilungsleitung keine Loyalität zu spüren bekommen“, so der ehemalige Coach. „Die Spieler haben einfach nur noch gemacht, was sie wollten“, lautet Eisenreichs Vorwurf.

Für Marcel Hiepler waren die vergangenen Wochen ebenfalls alles andere als einfach. Gemeinsam mit seinen beiden Stellvertretern Steffen Denning und Mario Adamy trat der seit 2016 amtierende Abteilungsleiter, wie berichtet, am Montag von seinem Amt als Abteilungsleiter zurück. Auch der 37-jährige Hiepler hat in den vergangenen Wochen erlebt, wie es ist, intern an Rückendeckung zu verlieren. „Das Ganze gipfelte dann in einem Anruf am Sonntagabend, in dem man mir unmissverständlich klar machte, dass ein Gremium aus anderen Mitglieder der Fußballabteilung künftig die Belange weiterführen wird.“

Fass zum Überlaufen gebracht

Zwar galten Hiepler, Denning und Adamy da noch als gewählte Vertreter der Fußballer - dieser Anruf habe aber das Fass zum Überlaufen gebracht und den Ausschlag geben, von den Ämtern zurückzutreten, so Hiepler.

Von wem dieser Anruf kam, darüber kann nur spekuliert werden. Hiepler selbst will keine Namen nennen. In einer Abteilungsrunde vor zwei Wochen hatte das nun ehemalige Führungs-Trio angekündigt, bei der Hauptversammlung im Sommer nicht mehr antreten zu wollen.

„Wir wollten das Ganze aber sauber zu Ende bringen und dann an einen Nachfolger übergeben“, so Hiepler. Er sei nun zwei Jahre im Amt gewesen, in seiner Position müsse man auch mal mit Gegenwind rechnen. Er sei sich dessen bewusst, dass man in den vergangenen Jahren sicherlich nicht nur richtige Entscheidungen getroffen habe, aber man habe immer klare Visionen gehabt, wo man hinwolle – auch mit dem Risiko, dass zum Beispiel Spieler den Verein verlassen würden.

„Ein klarer Vertrauensbruch“

Den von der Abteilungsleitung eingeschlagenen Weg wollten letzten Endes wohl nicht mehr allzu viele mitgehen. Es sei nicht offen kommuniziert worden, dass man unzufrieden sei mit ihrer Arbeit, zum Ende hin sei die Fußballabteilung nur noch von Spielern und aus dem Umfeld gesteuert worden, nicht aber von der Fußballabteilung selbst, so Hiepler. Er sei immer ein Befürworter direkter Kommunikation gewesen und habe viel Wert gelegt auf Loyalität. „Das aber war für mich ein klarer Vertrauensbruch und Grund genug, dass wir als Abteilungsführung geschlossen zurücktreten.“

Wie es nun bei den Fußballern des SVM weitergeht, ist noch offen. Klar ist, dass in Sachen Abteilungsleitung in nächster Zeit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden muss, damit eine neue Führung gewählt werden kann.

Beide SVM-Teams erst mal in der Winterpause

Zwar ist die Fußballabteilung des SV Mergelstetten im Moment auf wie neben dem Platz ohne Führung, jedoch kommt den Verantwortlichen zupass, dass sowohl in der Kreisliga A 3 (erste Mannschaft), als auch in der B 5 („Zweite) Winterpause ist und somit Zeit ist, für beide Teams einen neuen Trainer zu finden.

Weiter geht's für den SVM I am Sonntag, 10. März, mit einem Auswärtsspiel beim RSV Hohenmemmingen, der SVM II steigt eine Woche später ein und muss am Sonntag, 17. März, bei der TSV Herbrechtingen antreten.

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