Heidenheim / Thomas Grüninger Heidenheims Trainer hat vor der schweren Pokalaufgabe am Mittwoch bei Bayern München aber auch „einen ganz großen Glauben, dass wir es schaffen können“.

Wer Frank Schmidt kennt, weiß, dass der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim nichts dem Zufall überlassen will. Vor dem Viertelfinal-Hit bei Rekordmeister und Rekordpokalsieger Bayern München (Mittwoch, 18.30 Uhr, Allianz-Arena) klammert Schmidt auch das Thema Elfmeterschießen nicht aus.

„Wir dürfen nicht so tun, als sei dies nicht möglich“, schließt er nicht aus, dass der FCH die großen Bayern in die Zusatzschicht zwingt. Schließlich sei das schon einmal gegen einen Bundesligisten gelungen: 2011 muteten die Heidenheimer als Drittligist der mit heutigen Nationalspielern (Marco Reus, Andre ter Steegen) gespickten Borussia aus Mönchengladbach das Lotteriespiel zu, das dann der Klub vom Niederrhein zu seinen Gunsten entschied.

Dass der FCH aber auch erstklassige Kontrahenten eliminieren kann, hat er schon zweimal bewiesen (Bremen, Leverkusen), und meistens hatten die „Großkopfeten“ nicht viel zu lachen, wenn sie auf Heidenheim trafen. Auch der heutige Bayern-Trainer Niko Kovac kann ein Lied davon singen. Nur knapp entging er im Vorjahr mit Eintracht Frankfurt nach Verlängerung in der Voith-Arena der Blamage bei einem Unterhaus-Klub.

Die Frage ist nur, ob so etwas auch beim erfolgreichsten deutschen Verein, dem FC Bayern München, möglich ist. „Das ist schon eine Hausnummer, die da auf uns zukommt“, sagt Schmidt. Mehr Außenseiter könne in Deutschland gar nicht sein, als in München antreten zu müssen.

Aber das heißt eben trotzdem nicht, dass man von vornherein komplett chancenlos ist. „Das ist eine extrem große Herausforderung. Aber ich habe definitiv ganz großen Glauben, dass wir es schaffen können“, gibt sich Schmidt zuversichtlich.

Es gelte, das Herz in die Hand zu nehmen, mit Mut zu agieren, an sich zu glauben. „Entscheidend ist der Kopf, wie man in das Spiel geht, dass man alles ausblendet, was um einen herum passiert und sich voll aufs Sportliche konzentriert“, stellt der Trainer klar.

Mannschaftsbusse im Strafraum?

Dass da eine Herkulesaufgabe auf sein Team zukommt, muss kaum extra erwähnt werden. Mit viel Dominanz, Passsicherheit und Druck gestalteten die Bayern ihre letzten Bundesliga-Heimspiele, die sie jeweils 6:0 gewannen (gegen Wolfsburg und Mainz). Dennoch wolle man sich nicht ausschließlich mit Defensivfragen beschäftigen. „Zwei Mannschaftsbusse vor dem eigenen Strafraum zu parken - das geht auch schief“, ist Schmidt überzeugt.

Stattdessen lautet sein Credo: „Wir wollen schon auch mal den Ball haben und die Möglichkeiten, die wir bekommen, dann auch zielstrebig nutzen.“ Die Bayern agieren in der Regel sehr hochstehend, schalten sich mit kompletter Belegschaft ins Angriffsspiel ein. „Das heißt: In ihrer eigenen Hälfte ist viel grüne Wiese zu sehen“, erklärt Schmidt - Raum, den man nach Balleroberung schnell und erfolgreich bespielen möchte.

Öffnen die Bayern eine Tür?

Dass das aber gegen die mit nationalen und internationalen Stars hochkarätig besetzten Bayern äußerst schwer wird, steht außer Frage. „Bei allem Optimismus, den wir immer haben: Wir können unser bestes Spiel der Vereinsgeschichte abliefern, aber wenn Bayern keine Tür aufmacht, dann kann es auch ein böser Abend werden. Soviel Realismus sollten wir haben“, stellt Schmidt klar.

Sein Team gehe die Aufgabe dennoch mit großer Vorfreude und Konzentration an. Er müsse auch keinen seiner Spieler stark reden, sagte Schmidt. Im Gegenteil: „Ich habe eine Mannschaft, die eine richtig starke Saison spielt. Warum sollten wir uns kleiner machen als wir sind.“ Positiv wertet der Coach, der sich die Bayern im Heimspiel gegen Mainz anschaute, während sein Co-Trainer Dieter Jarosch das jüngste 1:1 der Münchner in Freiburg beobachtete, zudem den Zeitpunkt des Aufeinandertreffens.

„Wir sollten uns was trauen“

Im vergangenen Jahr befand sich der FCH bis zum letzten Spieltag im Kampf um den Zweitliga-Klassenerhalt. Diese Saison ist der Ligaverbleib längst in trockenen Tüchern. „Es ist ein Spiel, wir laufen nicht mehr Gefahr, eine ganze Spielzeit zu gefährden. Wir sollten uns schon was trauen“, sagt Schmidt.

Dass alle Spieler an Bord sind, mag man als Zeichen für die gleiche Sichtweise seiner Schützlinge bewerten. Arne Feick und Tobias Reithmeir hatten zwar übers Wochenende mit leichten Magen-Darm-Problemen zu kämpfen, konnten aber am Montag wieder trainieren.

Auch Nikola Dovedan, der sich im Training leicht am Sprunggelenk verletzte, wird sich die Partie in der mit 75 000 Zuschauern ausverkauften Allianz-Arena (darunter rund 10.000 Fans aus Heidenheim) kaum entgehen lassen. Wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, dem großen FC Bayern auf den Zahn zu fühlen?

Als Andreas Merkle zweimal gegen die Bayern traf

Das heutige Duell ist keineswegs das erste Aufeinandertreffen zwischen dem FC Bayern und Heidenheimer Fußballern.

Am 7. Juni 1980 gastierten die Bayern als amtierender deutscher Meister im Albstadion und bezwangen in einem Freundschaftsspiel den damaligen HSB mit 7:3. Rund 6000 Zuschauer sahen Paul Breitner, Klaus Augenthaler und Co. zu.

Dieter Hoeneß erzielte drei Bayern-Treffer. Für den HSB war neben Erwin Scherer noch zweimal Andreas Merkle erfolgreich, der später unter anderem als Profi beim Hamburger SV Bundesliga-Luft schnupperte.

Auch um Punkte ging es schon zwischen beiden Teams, wie Frank Schmidt gestern bemerkte. Allerdings traf der FCH in gemeinsamen Drittliga-Zeiten jeweils auf die zweite Mannschaft des FC Bayern. Die Bilanz ist aus Heidenheimer Sicht positiv: Von vier Spielen gewann der FCH drei, verlor nur einmal.

Einziger aktueller FCH-Spieler, der schon mal bei Bayern unter Vertrag stand, ist Niklas Dorsch. „Auch ihn habe ich zu Rate gezogen. Er kennt die Spieler, hat einige Besonderheiten ausgemacht“, so Schmidt.

Heidenheims Trainer wehrte sich im übrigen gegen die öffentliche Mutmaßung, beim FCH habe es in den vergangenen Wochen eine Art Index gegeben, wonach die Spieler das Wort „Bayern“ nicht erwähnen dürfen und im Missbrauchsfalle mit 20 Euro zur Kasse gebeten wurden: „Ein Blödsinn! Wer so etwas verzapft, gehört eigentlich eingesperrt.“