Heidenheim Schiedsrichtergruppe: Auflösung soll kein Thema sein

Ziehen gemeinsam an einem Strang: Bernd Birkenmaier (links) und Hermann Eberhard.
Ziehen gemeinsam an einem Strang: Bernd Birkenmaier (links) und Hermann Eberhard. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Edgar Deibert 13.02.2019
Bei der Schiedsrichtergruppe Heidenheim gibt es nach einer unruhigen Zeit mit Bernd Birkenmaier einen neuen kommissarischen Obmann. Dabei schaut auch der WFV genau hin.

Zuletzt rumorte es gewaltig in der Schiedsrichtergruppe (SRG) Heidenheim. Beobachter würden sogar so weit gehen zu sagen, dass die Gruppe führungslos war. Ein enormes Problem, bei dessen Lösung sich zum Beispiel auch Jens-Peter Schuller in seiner Funktion als Vorsitzender des Fußballbezirks Ostwürttemberg einschaltete.

Zudem geriet die Situation der Heidenheimer Unparteiischen in den Fokus des Württembergischen Fußballverbands (WFV). Auch deswegen kam am Montagabend mit Giuseppe Palilla der Verbandsschiedsrichterobmann zur einer Sitzung an die Brenz. Der wichtigste Tagesordnungspunkt: Wie geht es bei der SRG Heidenheim weiter?

Das Interesse an der aktuellen Situation seitens der Unparteiischen ist dabei enorm. Knapp 90 Schiedsrichter kamen ins Casino der Volksbank, darunter auch die beiden Obmänner der Gruppen Aalen und Schwäbisch Gmünd. Denn zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen zwei Jahre muss in Heidenheim ein kommissarischer Obmann eingesetzt werden.

Es wird nie langweilig

„Nein, langweilig war es bei uns nie in den letzten Jahren“, räumt Hermann Eberhard vor diesem Hintergrund unumwunden ein. Der 73-Jährige muss es wissen, schließlich ist er seit 50 Jahren dabei und hat dementsprechend vieles erlebt. Er hat einige Obmänner kommen und gehen sehen.

Die letzten zwei konnten oder wollten ihre Amtszeit (Dauer von drei Jahren) nicht zu Ende führen. Im November 2016 trat Daniel Grandy als SRG-Boss aus persönlichen Gründen zurück. Dabei lief dessen erste Amtsperiode reibungslos, wie Eberhard rückblickend sagt. „Damals dachte ich noch: Jetzt haben wir einen jungen Mann gefunden und ich kann mich nach dessen erster Amtszeit zur Ruhe setzen.“

2016 sprang aber Michael Storm ein. Der 32-Jährige übte das Amt zunächst ein Jahr lang kommissarisch aus, bis er anschließend gewählt wurde. Doch auch die Ära Storm endete vorzeitig. Seit Herbst 2018 sei er als Geschäftsführer dreier Hotels (unter anderem das NH-Hotel in Heidenheim) beruflich immer mehr eingebunden gewesen, erklärt Eberhard und fügt an: „Zugleich hatten die Schiedsrichter aber keine richtige Ansprechperson mehr.“ Auch dem WFV fehlte damit eine wichtige Kontaktperson. Für alle Seiten eine schwierige und unbefriedigende Situation.

Das Vertrauen in den Obmann schwand. Die Phase der Unbeständigkeit gipfelte in der Absage der SRG-Neujahrsfeier, bei der Storm für die Einladungen zuständig gewesen sei. Anfang des Jahres wurde daher im Ausschuss überlegt, wie es mit der Schiedsrichtergruppe Heidenheim weitergehen soll. „Wir konnten ja nicht kopflos sein“, betont Eberhard.

Während einer eigens aus diesem Grund anberaumten Sondersitzung Ende Januar wurde Storm, der telefonisch zugeschaltet war, nahegelegt seinen Posten zur Verfügung zu stellen, was dieser auch getan habe. „Michael war einsichtig“, so Eberhard weiter. Mit Bernd Birkenmaier wurde in der gleichen Sitzung ein neuer Obmann ernannt, der das Amt zwei Jahre kommissarisch bis zur nächsten Wahl ausfüllen soll. „Für uns ist es sehr wichtig, wieder einen jungen Obmann zu haben. Darauf können wir aufbauen“, betont Eberhard.

Keine Alternativkandidaten

Laut des gebürtigen Ballhauseners, der in Giengen wohnt, habe es „nicht wirklich“ Alternativkandidaten gegeben auch wenn einige Namen genannt wurden. „Ich denke, dass es wichtig ist, dass das Amt jemand übernimmt, der keine Einarbeitungszeit braucht“, erklärt Birkenmaier und Eberhard fügt an: „Bernd kennt sich aus und war regelmäßig in Ausschüssen vertreten. Er ist also kein Neuling.“

Nun soll die SRG Heidenheim wieder, wie Eberhard es ausdrückt, „zurück ins richtige Fahrwasser“ kommen. Denn die Unparteiischen plagen eigentlich ganz andere Probleme. Der Mangel an Schiedsrichtern sei ein großes Manko, dass man angehe müsse, sagt Eberhard. 85 aktive Unparteiische – darunter mit Elke Steinke eine Schiedsrichterin – hat die SRG Heidenheim, 40 mehr müssten es eigentlich sein. Zum einen müssten also neue geworben werden, auf der anderen Seite seien durch die Führungskrise der vergangenen Monate einige etablierte „ein Stück weit“ verärgert worden, erklärt Eberhard. „Wir müssen diese wieder ins Boot holen.“

Damoklesschwert über der SRG

Dabei schwebe über der Gruppe eine Art Damoklesschwert, wie WFV-Referee-Obmann Palilla es auf dem Schulungsabend in Heidenheim ausdrückte. Bereits nach dem Rücktritt von Daniel Grandy 2016 habe man auch beim WFV darüber diskutiert, wie es mit der Heidenheimer Gruppe weitergehen kann, führte Palilla aus. Soll heißen: Auch eine Auflösung und damit Eingliederung in eine andere Gruppe stünde im Raum. So gibt es im WFV-Gebiet 16 Bezirke, aber 39 Schiedsrichtergruppen. In Palillas Amtszeit gab es zwei Zusammenlegungen von Gruppen (nördlicher Schwarzwald und Zollern).

Es mache aber momentan wenig Sinn über eine Auflösung zu diskutieren, betonte der Verbandsschiedsrichterobmann. Zum einen erörtere eine Verbands-Arbeitsgruppe bis zum nächsten Verbandstag 2021, wie es im WFV strukturell weitergehe. Und zum anderen gehöre die SRG Heidenheim zu den ältesten im Verbandsgebiet. Palilla betonte aber auch, dass die SRG Heidenheim nun „Vollgas“ geben solle, um gute Argumente für ihren Fortbestand zu liefern.

Ein Argument könnte dabei der letzte Neulingskurs im Sommer 2018 sein, der mit 27 Teilnehmern so erfolgreich wie nie gewesen sei. Hermann Eberhard hebt dabei den Einsatz von Can Daler (TSG Schnaitheim) hervor, der für den Kurs in Schulen geworben habe. Daher sieht Eberhard die SRG trotz der unruhigen Zeit auf dem richtigen Weg. Vorausgesetzt, es gibt wieder eine Kontinuität an der Spitze.

Eberhard im Team mit Domberg – 100-jähriges Bestehen der SRG im Jahr 2020

Hermann Eberhard ist seit 1969 Fußball-Schiedsrichter. Aus gesundheitlichen Gründen pfeift der 73-Jährige aber keine Spiele mehr, sondern gibt sein Wissen als passives Mitglied weiter.

Mit dem ehemaligen Heidenheimer Bürgermeister Rainer Domberg war Eberhard bis in der Oberliga (damals die dritthöchste Liga) im Einsatz. Domberg war Schiedsrichter, Eberhard einer der beiden Linienrichter. Eberhard selbst pfiff bis in die Verbandsliga (damals vierthöchste Liga).

In Ballhausen geboren spielte Eberhard bei den Aktiven des FC, dessen Vereinsgründer Hermann Eberhards Vater Ludwig war. Als Schiedsrichter war Hermann Eberhard aber für die TSG Giengen im Einsatz.

Bernd Birkenmaier hat mit 14 Jahren die Schiedsrichterprüfung gemacht. Der 33-Jährige Bankbetriebswirt lebt mit seiner Frau und drei Kindern – einer siebenjährigen Tochter sowie zwei Söhnen (5 und 1) – in Giengen, pfeift aber für den RSV Hohenmemmingen bis zur Bezirksliga. Ein Aufstieg in die Landesliga ist dabei nicht ausgeschlossen.

Wolfgang Birkenmaier, Vater von Bernd Birkenmaier, war jahrelang Schatzmeister bei der

TSG Giengen.

Ende Februar stellt Bezirksvorsitzender Jens-Peter Schuller das neue Konzept der SRG Heidenheim dem WFV-Präsidium vor. Erst wenn dieses sein Okay gibt, wird Bernd Birkenmaier vom Verband offiziell zum kommissarischen Obmann berufen.

Im kommenden Jahr feiert die Schiedsrichtergruppe Heidenheim ihr 100-jähriges Bestehen. Dazu soll es eine große Feier geben.

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