Oggenhausen / Edgar Deibert Der RSV Oggenhausen ist der momentan schlechteste Verein im Landkreis. Dabei kämpfen die Verantwortlichen mit generellen Problemen der unteren Klassen.

Oggenhausener Keller? Kennt man! Oggenhausener Sportplatz? Nicht unbedingt. Fast schon idyllisch liegen die zwei Rasenplätze des RSV außerhalb des Heidenheimer Stadtteils. Der obere, der Hauptplatz, ist an drei Seiten von Bäumen umgeben. Zäune braucht man somit nicht wirklich. Der Platz ist uneben, egal ob vorher gewalzt wird oder nicht. Im Winter soll darauf noch lange Schnee liegen, sagt man.

Viele Samstage investiert

Doch gerade hier ist der Fußball zu Hause. In seiner ursprünglichen Form. Die Oggenhausener sollen ein eingeschworener Haufen sein. Vor knapp zwei Jahren wurden die Duschen neu gemacht. Ein Großteil in Eigenregie, dabei sind viele Samstage draufgegangen.

Allerdings liegen die sportlich erfolgreichen Jahre des kleinen Vereins schon länger zurück. Ob’s da noch etwas zu lachen gibt? Schließlich sind sich die Jungs vom RSV nicht einmal sicher, wann genau sie den letzten Punkt geholt haben. Es war am 19. Mai 2018 bei einem 2:2 gegen den SV Bolheim. Nach der gesamten vergangenen Saison standen zwei Punkte zu Buche. In der laufenden Spielzeit haben die Oggenhausener bislang alle 14 Partien verloren und sind damit Tabellenletzter. In der untersten Liga.

Auf der einen Seite gibt man sich beim RSV – und dies kann angesichts der Lage kaum verwundern – dem Galgenhumor hin. „Mein Dasein hat in der letzten Saison auch nur einen Punkt gebracht“, sagt beispielsweise Michael Gruner, der im Oktober 2017 als Trainer eingesprungen ist. Dabei wurden unter dem 51-Jährigen zwei Zähler geholt. Auch beim 2:2 beim SV Eglingen/Demmingen war er schon dabei. Allein, das fällt nun wirklich nicht ins Gewicht angesichts der Herausforderungen, die sich der RSV Oggenhausen stellen muss.

Sprüche gibt’s zu Genüge

Und damit sind nicht die Sprüche gemeint, die es einzustecken gilt. Fünf Tore haben die Oggenhausener bislang geschossen. Und ganze 77 kassiert. „Gurkentruppe“ fällt Andreas Endres bei der Frage als Erstes ein, was man denn so zu hören bekommt. Aber: „Das geht da rein und da raus“, fügt der Kapitän an und deutet dabei jeweils auf das linke und das rechte Ohr. „Aber klar ist auch: Wir sind nicht megamäßig stolz darauf, jeden Sonntag einen auf den Sack zu bekommen“, so der 35-Jährige.

Selbst die eigenen Fans, wenn man sie denn so bezeichnen möchte, halten sich bei der Wortwahl nicht zurück. Beim Heimspiel gegen den FC Härtsfeld am vorletzten Spieltag haben sich eine Handvoll zusammengetan. „Es wird doch gerade die schlechteste Mannschaft Deutschlands gesucht. Da können sie sich doch bewerben“, heißt es. Und: „Das hat ja mit Fußball nur wenig zu tun.“

Einer spricht auch aus, was sicher auch viele Konkurrenten denken: „Vielleicht müssen wir nächstes Jahr gar nicht herkommen. Wer weiß, ob es die Mannschaft dann noch gibt.“ Denn momentan probieren die Oggenhausener alles, um den Spielbetrieb am Laufen zu halten – dafür gibt es Respekt von den anderen Mannschaften. Aber wie sieht die Zukunft aus?

Viele Vereine bereits weg

Ballhausen, Aufhausen, Eglingen/Demmingen. Markus Becker zählt die Mannschaften auf, die allein in den letzten Jahren von der Bildfläche verschwunden sind. „In der kommenden Saison tun sich Herbrechtingen und Bolheim zusammen“, fügt der RSV-Abteilungsleiter an.

„Wenn man sich einmal abgemeldet hat, wird es schwierig zurückzukommen“, ist sich der 36-Jährige sicher und betont: „Dieses Vereinssterben ist ein generelles Problem in den unteren Klassen.“

Becker ist Inbetriebnehmer von neuen Aufzugsanlagen und dadurch oft deutschlandweit unterwegs. Für seinen Verein ist er aber immer da, kennt ihn in- und auswendig. Er weiß, dass es beim RSV ein schleichender Prozess ist.

Eine Jugendmannschaft gibt es bereits seit einiger Zeit nicht mehr, Ende des letzten Jahres hat der Jugendleiter aufgehört. Kein Wunder, ohne Nachwuchsspieler. „Der Kontakt zur Jugend fehlt natürlich“, sagt Florian Tiefenbacher, neben Becker und Endres einer von drei RSV-Veteranen, die aufgrund der personellen Situation aber gar nicht in den wohlverdienten Ruhestand können.

Mit seinen 34 Jahren ist Tiefenbacher, im Beruf Kaufmann für Optik und neue Medien, genauso wie Endres gesundheitlich gebeutelt und hat ebenso schon einige Kreuzbandrisse hinter sich. „Eigentlich könnten wir unsere Füße hochlegen und gemütlich in der Alte-Herren-Mannschaft einmal die Woche den Ball hochhalten“, sagt Endres. „Aber die Pflicht ruft, wir müssen mithelfen“, fügt der Spielführer an.

Im vergangenen Jahr musste zudem die Reservemannschaft abgemeldet werden, „Erste“ und „Zweite“ wurden beim RSV Oggenhausen gemischt. Dementsprechend seien auch die Qualitätsunterschiede innerhalb des 22 Mann (im Schnitt kommen zehn bis zwölf zum Training) umfassenden Teams enorm, sagt Trainer Gruner.

Große Niveauunterschiede

So gibt es Fußballer, die in keiner Jugendmannschaft waren und bei denen man mit den Grundlagen Passen und Stoppen beginnen müsse. „Wir haben extreme Niveauunterschiede. Der eine langweilt sich, der andere ist überfordert“, fügt Kapitän Endres an. Es gelte, die goldene Mitte zu finden.

„Viele der Jungs sind eher Hobbykicker und das Vereinsleben nicht gewohnt“, spricht Endres ein Problem abseits des Rasens an. Denn vieles, was auf Vereine zukomme, wie Altpapiersammlungen, Feste organisieren oder das Clubhaus betreiben, bleibe eben an wenigen hängen. „Jeder will mehr Rechte, aber keiner will Pflichten“, fasst es der SAP-Berater zusammen.

Endres selbst ist Heidenheimer, genauso wie Becker und Tiefenbacher. Alle drei fühlen sich aber als Oggenhausener. Und gehören damit zum alten Schlag. Einer aussterbenden Art, die sich ganz und gar einem Verein verschreibt. Beim RSV haben sie die aktive Zeit verbracht. „Hier wollen wir nun selber vorangehen“, sagt Becker.

Natürlich wirbt auch der RSV aktiv um Spieler, will und kann dabei aber kein Geld in die Hand nehmen, wie Endres betont. Dies sei auch bei den Summen, die mittlerweile selbst in den unteren Ligen bezahlt würden, nicht zu machen, fügt Tiefenbacher an. Beim RSV vertraut man noch auf das romantische Bild des Fußballs: „Wenn ein Kumpel jemanden kennt, bringt er ihn mit“, sagt Abteilungsleiter Becker.

Die Fluktuation sei allerdings gewaltig. „So schnell manche kommen, so schnell gehen sie auch wieder“, fügt Becker an. Zuletzt stießen sechs Kosovo-Albaner dazu, die vorher Freizeitkicker gewesen seien. Einer von ihnen, Ljavdim Ebibi, hat immerhin vier der fünf Oggenhausener Tore erzielt.

Wobei der RSV sich nicht nur auf Mund-zu-Mund-Propaganda verlässt. So wurden auch schon bei Facebook oder an der DHBW Aufrufe gestartet, die allerdings nicht die große Resonanz fanden.

Bleibt auch der Trainer?

Das Ziel ist dabei klar: Der RSV will auch in der kommenden Saison an den Start gehen, der jetzige Kader soll größtenteils zusammenbleiben, sagt Abteilungsleiter Becker. Ein Fragezeichen bleibt allerdings hinter Coach Gruner. „Wenn du als Trainer merkst, du kriegst sie nicht, wird es Zeit für einen neuen Impuls“, so der Nattheimer, der in der laufenden Spielzeit ein Ziel hat: Diese nicht mit 0 Punkten und womöglich 100 Gegentoren zu beenden. „Dann glaubt ja keiner, dass im Training etwas gearbeitet wird.“

Ein Punkt wäre zumindest eine Belohnung. Für eine harte Saison, in der es wahrlich noch nicht viel zu lachen gibt beim RSV Oggenhausen. Sportlich betrachtet zumindest.

Auf dem Weg zum neuen Negativrekord?

In der Saison 2015/16 der Kreisliga B 5 verbuchte der VfL Gerstetten II in 22 Spielen nur einen Sieg und kam auf ein Torverhältnis von 15:108. Momentan hat der RSV Oggenhausen 0 Zähler auf dem Konto (5:77), bei noch acht ausstehenden Partien. Den letzten Pflichtspielsieg gab es am 3. Mai 2017 (4:1 gegen die TSG Giengen). Am Sonntag erwartet der RSV die TSV Herbrechtingen (15 Uhr).

Markus Becker begann in der Jugend als Stürmer, spielte später im Mittelfeld und endete in Oggenhausen als Innenverteidiger. „Je älter man wird, desto weiter nach hinten wird man gereicht“, sagt der Abteilungsleiter.

Florian Tiefenbacher spielte in seiner Jugend beim HSB und später beim AC Milan Heidenheim. Der Innenverteidiger oder „Sechser“ pausiert momentan aufgrund Achillessehnenproblemen.

Andreas Endres läuft beim RSV im defensiven Mittelfeld auf. Der Kapitän kam aus der Jugend der TSG Nattheim.