Mit kleinen Schritten zum großen Traum

Drittliga-Luft schnuppern: Mittelfeld-Mann Michael Deutsche (links) und Torhüter Felix Körber wurden aus dem FCH-Verbandsliga-Team in den Profi-Kader des FC Heidenheim  übernommen.
Drittliga-Luft schnuppern: Mittelfeld-Mann Michael Deutsche (links) und Torhüter Felix Körber wurden aus dem FCH-Verbandsliga-Team in den Profi-Kader des FC Heidenheim übernommen. © Foto: Foto: räp
Yasmin Fischer 03.08.2012
Die Möglichkeit, Drittligaluft im Fußball zu schnuppern, haben derzeit Torhüter Felix Körber und Mittelfeldspieler Michael Deutsche, die aus der Verbandsliga in die erste Mannschaft des FC Heidenheim nachgerückt sind.

Groß genug, um Basketballer zu sein, wäre Felix Körber mit seinen 1,90 Metern– ein Angebot hatte er auch. In der Leichtathletik war der heute 19-Jährige ebenfalls erfolgreich. Am Ende entschied sich der Nachwuchs-Torhüter aber für den Fußball und den 1. FC Heidenheim.

Angebote aus Heidenheim hatte Felix Körber schon einige.„Die hatte ich aber bisher nie genutzt“, erklärt der Torhüter. Warum? Das kann er im Nachhinein auch nicht mehr sagen. Letztlich landete er dann aber doch beim FCH. Und kaum war Körber aus der Verbandsliga-Mannschaft ins Drittliga-Team nachgerückt, wäre er beim Saisonauftakt gegen den Karlsruher SC um ein Haar ins kalte Wasser geworfen worden: Keeper Frank Lehmann war gegen den Pfosten des Tores geprallt und taumelte kurze Zeit.

Für den 19-Jährigen war damit die Gelegenheit, zum ersten Mal das Tor in der dritten Liga zu hüten, zum Greifen nahe– und das, wenige Tage nachdem er zumindest für die Zeit des Ausfalls von Erol Sabanov, der Nummer zwei im FCH-Tor, in den Drittliga-Kader nachgerückt war.

Körber hat einiges an Erfahrung im Gepäck; die Liste seiner bisherigen Clubs ist lang. Vom SSV Ulm ging's in den Breisgau.„Freiburg war zwar eine super Schule mit Sport-Internat. Es geht dort viel professioneller zu als beim SSV und ich habe dort vieles gelernt“, erklärt Körber.„Aber es hat nicht mehr gepasst“, gibt er zu.„Ich wollte wieder zurück.“

Ulm war daher eine gute Anlaufstation. Körber kannte Trainer und Spieler. Dann kam es zu Differenzen. Es folgte ein kurzer Zwischenstopp in Aalen. Sein Weg führte ihn weiter nach Crailsheim. Nachdem der Klassenerhalt dort knapp verfehlt wurde, folgte der Wechsel nach Heidenheim.

Ausschlaggebend für ihn, schlussendlich doch für den FCH zu spielen, sei die Tatsache gewesen, dass die zweite Mannschaft relativ hochklassig spielt.„Meine Perspektiven nach oben sind in Heidenheim deutlich besser als in Crailsheim“, sagt der 1,90-Meter-Mann.„Und ich habe es nicht so weit zum Trainingsort“, fügt der Herbrechtinger hinzu.

Für Felix Körber, der momentan seine Fachhochschulreife an der Kombrecht-Engel-Schule macht, ist die Umstellung von der Verbandsliga zu Drittliga-Profis enorm.„Allein schon von der Geschwindigkeit her, vom Umdenken und vom Kopf. Das Training ist härter, körperlich belastender und dadurch auch anstrengender. Aber es macht auch mehr Spaß.“

Körber ist sich im Klaren darüber, dass er noch einiges an Training nachholen und an sich arbeiten muss.„Wenn ich kontinuierlich trainiere und meine Ausdauer verbessere, dann sehe ich ganz gute Chancen, dritter Torwart zu werden“, erklärt der Schlussmann.

Vielleicht sogar so gut wie sein Idol Manuel Neuer, mit dem Körber zumindest dem Aussehen nach eine gewisse Ähnlichkeit hat. Beide sind blond, beide sind groß, beide haben den Scheitel nach rechts gekämmt.„Manuel Neuer spielt fantastisch. Er ist jung und hat sich trotzdem durchgesetzt– das finde ich super. Und er hat einen großen Wiedererkennungswert.

Sich in Heidenheim durchzusetzen, das ist das Ziel von Michael Deutsche, der ebenfalls in den Profi-Kader des 1. FC Heidenheim nachgerückt ist. Zunächst gilt's für ihn aber, den Trainingsrückstand aufzuholen. Und dann gibt es noch seine Ausbildung, die der 20-Jährige unbedingt abschließen möchte.

Einfach sei es nicht, Fußball, Schule und Ausbildung unter einen Hut zu bekommen– aber es gehe. Zumindest bei Mittelfeldspieler Michael Deutsche. Konkret bedeutet das für ihn, dass der Wecker bereits um 6.30 Uhr klingelt. Dann geht es direkt in die Firma.„Ich arbeite bis etwa 12.30 Uhr“, sagt Deutsche. Seinen Ausbildungsbetrieb, die Grinbold-Jodag GmbH, bei der er eine Lehre zum Industriekaufmann macht, hat ihm der Verein vermittelt.

Nach der Arbeit geht es dann erst einmal nach Hause. Rund zwei Stunden bleiben Michael Deutsche, um„kurz etwas zu essen“. Anschließend ist Training. An Tagen, an denen die Mannschaft zweimal trainiert, kann der gebürtige Nagolder nicht arbeiten.„Ich gehe in die Firma, wann immer es möglich ist“, sagt Deutsche.

Eineinhalb Jahre Ausbildung liegen noch vor ihm. Aber das nimmt der 1,73 Meter große Mittelfeld-Mann gelassen.„Während des Abiturs war das auch so.“ Damals waren es vier bis fünf Trainingseinheiten und wesentlich längere Fahrtstrecken.„Von daher bin ich das gewohnt.“

Deutsche hatte zuvor beim SSV Ulm in der A-Jugend gespielt– auf Bundesliga-Niveau.„Das Training in Heidenheim ist aber um einiges professioneller“, sagt er. Und auch das Verhältnis zum Trainer und dem gesamten Umfeld sei wesentlich kameradschaftlicher als in Ulm.„Ich habe mich dort beim Training nie richtig wohl gefühlt.“ Beim FCH hingegen hatte Deutsche, der seit zwei Jahren in Heidenheim lebt, von Beginn an ein„gutes Bauchgefühl“.

Dass der Weg nach oben für ihn nicht einfach wird, ist ihm bewusst.„Ich muss noch an allem arbeiten und mich verbessern“, erklärt Deutsche. Deshalb heißt es: Trainingsrückstand aufholen (Michael Deutsche kam erst nach der Vorbereitung zu den Drittliga-Profis) und sich in den Kader zu kämpfen.„Mir ist klar, dass die Mannschaft auf allen Positionen gut besetzt ist, aber ich gebe 100 Prozent und warte auf meine Chance.“

Für ihn ist die Umstellung von der Verbandsliga in die 3. Liga zugegebenermaßen hart.„Es ist unmöglich, sich von heute auf morgen an das Tempo zu gewöhnen und man braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit“, so Rechtsfuß.

Aber er hat die Ambition, sich beim FCH durchzusetzen:„Ich bin hergekommen, um etwas zu erreichen, will die Zeit hier nutzen– mich jeden Tag verbessern und fester Bestandteil der Mannschaft werden“, erklärt Deutsche, dessen großes Vorbild der russische Nationalspieler Andrej Arshavin ist.

Hätte, wäre, wenn . . . falls die Profi-Karriere scheitern sollte, hat der 20-Jährige einen„Plan B“ bereit. Ausbildung abschließen und studieren. Für Michael Deutsche steht jetzt aber erst einmal das Fußballspielen im Mittelpunkt.„Damit erfolgreich zu sein, das war schon immer mein Traum.“

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