Großkuchen / Sandra Gallbronner Die Großkuchnerin Miriam Glatzel spielte ein Jahr lang in der zweithöchsten Liga Neuseelands und erfuhr starken Zusammenhalt wie großes Interesse am Frauenfußball.

Mit wie vielen Jahren Miriam Glatzel zu kicken begann? Sie weiß es nicht: „Eigentlich spiele ich schon immer“, erzählt die 20-Jährige. Die Fußballbegeisterung liege in der Familie. Es stand demnach außer Frage, dass sich die Großkuchenerin auch während ihrer Zeit als Au-pair in Auckland, im Norden Neuseelands, keine Auszeit nehmen wollte. Von August 2017 an spielte Glatzel ein Jahr in der NRFL Women's Premier Division, der zweithöchsten Fußballliga Neuseelands, für den Papakura City FC.

Gerade angekommen, begann auch schon die Sommerpause, die in Neuseeland im September beginnt und bis März andauert. Anschließend wird von April bis August durchgespielt.

Pausenfüller: Seven-a-side

Trainiert wird bis Dezember nicht. Auf der faulen Haut liegen die Spieler trotzdem nicht. Denn die Pause ist geprägt von Seven-a-side-Fußballspielen, bei denen ein Team jeweils mit sieben anstatt elf Spielern auf dem Platz steht. Dabei werden die Mannschaften bunt zusammengewürfelt. Mitspielen darf, wer Lust hat – egal ob weiblich oder männlich, egal aus welchem Verein. „Man spielt die Seven-a-side-Spiele zum Spaß und um fit zu bleiben“, erklärt Glatzel.

Ab Januar, mitten im neuseeländischen Sommer, bereiten sich die Fußballerinnen intensiv auf die neue Saison vor. Drei Mal pro Woche trainierte Glatzel. Die Spiele fanden ab April immer sonntags statt. Rasch fielen der Sportlerin Unterschiede zu den Spielen in ihrer Heimat auf. „Der Frauenfußball daheim ist leise, man gibt sich kaum Kommandos“, so Glatzel. Ganz anders in Neuseeland: „In Neuseeland ist es laut und man hilft sich viel untereinander.“

Frauenfußball sei anerkannt

Laut sind nicht nur die Spielerinnen, auch das Publikum sorge für positive Stimmung, so Glatzel. Meist würden 100 bis 150 Zuschauer die Fußballerinnen unterstützen, schätzt die Mittelfeldspielerin. Nicht nur die gesamten Familien, auch andere Vereinsmitglieder, darunter die Männer, schauen zu. Und in Deutschland? „Naja, da kommen ein paar Eltern“, bedauert Glatzel, die sich über mehr Interesse freuen würde. „Fußball ist in Deutschland ein Männersport. In Neuseeland ist aber auch der Frauenfußball wichtig und anerkannt“, so ihre die Einschätzung.

Selbst die Halbzeitpause habe sich in ihrem neuseeländischen Fußballteam anders abgespielt: So würde in Deutschland der Trainer beinahe die gesamte Pause auf die Spieler einreden und Tipps geben, erklärt Glatzel. In Neuseeland habe sich der Coach zurückgehalten: „Hauptsächlich sagen die Mädels sich untereinander wie sie das Spiel sehen, was aus ihrem Blickfeld gut, was weniger gut läuft. Zudem bauen sie sich gegenseitig auf.“ Erst im Anschluss erkläre der Trainer seine Sicht von außen.

Dieses Vorgehen hat Glatzel überzeugt. Beim FC Ellwangen, wo die Studentin nun spielt, habe sie deshalb angefangen, die Kommunikation unter den Spielerinnen stärker anzuregen. „Das kommt bei den Mädels gut an“, so ihr Eindruck. Nach den Spielen setzten sich in Neuseeland die gegnerischen Mannschaften zusammen, essen gemeinsam und reden. Das kennt Glatzel hierzulande nur vom Tennis.

Gegen australische Ureinwohner gespielt

Ebenfalls ein Highlight war für die 20-jährige Deutsche das Spiel gegen das australische Aborigines-Team: „Das war ein schönes Spiel und sehr interessant. Teils haben sie sich Kommandos in ihrer Sprache zugerufen.“ Zum krönenden Abschluss hat Glatzel sogar ein Tor geschossen.

Auch abseits des Fußballplatzes haben die Fußballerinnen viel vom Verein aus unternommen. Das gebe es zwar auch in Deutschland, aber aus ihrer Erfahrung nur mit einem Teil des Teams. In ihrem neuseeländischen Verein seien hingegen alle Sportlerinnen bei gemeinsamen Aktivitäten dabei gewesen, waren etwa klettern oder essen. „Der Zusammenhalt wird in Neuseeland groß geschrieben“, so Glatzel.

Mit ihrer neuseeländischen Mannschaft belegte Glatzel in der zweiten Liga letztlich den siebten von zehn Plätzen. Fünf Tore gingen dabei auf das Konto der Großkuchenerin.

Junge Frau, großes Talent, viele Stationen

Bei den Bambini des SV Großkuchen, wo Miriam Glatzels Vater als Trainer fungierte, begann die Großkuchenerin ihre Fußballkarriere. Bis zum Ende der C-Jugend blieb sie ihrem Heimatverein treu.

Nach einem Zwischenstopp bei den Oberliga-B-Juniorinnen des TSV Crailsheim (Hinrunde 2012/13) wechselte Glatzel zum FFV Heidenheim. Während des zweiten Jahres in der B-Jugend spielte sie zudem bei den Damen.

Bis zur ihrer Neuseelandreise 2017 spielte Glatzel beim FFV Heidenheim. In Neuseeland sammelte sie Erfahrungen in der Northern Regional Football League Women's Premier Division beim Papakura City FC. Nach ihrer Rückkehr machte die Sportlerin ein halbes Jahr Pause. Seit kurzem gehört sie zum Kader des Landesligisten FC Ellwangen.

Ihr Abitur hat Miriam Glatzel 2017 an der Maria-von-Linden-Schule in Heidenheim gemacht. Seit vergangenem Herbst studiert sie in Schwäbisch Gmünd Geographie und Englisch auf Lehramt. Ob das Fach Sport auch noch hinzukommt, hält sich die 20-Jährige noch offen.