Mergelstetten Kreisliga B5: Spieler muss zum Anti-Aggressionstraining

Gewalt auf Sportplätzen? Das Sportgericht des Fußball-Bezirks Ostwürttemberg fällte zum jüngsten Spielabbruch in der Partie der Kreisliga B 5 zwischen dem AC Milan Heidenheim II und dem SV Mergelstetten II ein eindeutiges Urteil.
Gewalt auf Sportplätzen? Das Sportgericht des Fußball-Bezirks Ostwürttemberg fällte zum jüngsten Spielabbruch in der Partie der Kreisliga B 5 zwischen dem AC Milan Heidenheim II und dem SV Mergelstetten II ein eindeutiges Urteil. © Foto: Syda Productions/Adobe Stock/Montage: Arthur Penk
Mergelstetten / Edgar Deibert 17.10.2018
Wegen eines körperlichen Angriffs auf einen Schiedsrichter sperrt das Sportgericht einen Spieler das AC Milan Heidenheim II für sechs Monate. Der Verein positioniert sich derweil klar.

Die Partie zwischen dem AC Milan Heidenheim II und dem SV Mergelstetten II in der Fußball-Kreisliga B 5 wurde am 30. September vom Schiedsrichter beim Stand von 3:3 in der vierten Minute der Nachspielzeit abgebrochen. Ein Spieler der gastgebenden Mannschaft hatte den Unparteiischen geschubst.

Inzwischen liegt das Urteil des Sportgerichts des Bezirks Ostwürttemberg vor. Der betroffene Spieler wurde „wegen eines krass unsportlichen Verhaltens“ für sechs Monate gesperrt. Zudem muss er an einem Anti-Aggressionstraining in Stuttgart (WFV-Geschäftsstelle, Dauer etwa drei Stunden an einem Samstag) teilnehmen.

Dem Sportgericht nach, sei der Spieler des AC Milan Heidenheim II mit einer strittigen Foulentscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden gewesen und wurde daher handgreiflich. Dabei stieß er dem Schiedsrichter mit beiden Händen gegen den Oberkörper. Dieser konnte laut Sportgerichtsurteil einen Sturz vermeiden, allerdings empfand er den heftigen „Schubser“ als schmerzhaft und brach – nach Auffassung des Sportgerichts nachvollziehbar – die Begegnung ab.

Der Unparteiische kommt nicht aus dem Landkreis Heidenheim, sondern von der Schiedsrichtergruppe Ulm/Neu-Ulm. Deren Obmann, Rüdiger Bergmann, fügt nach Rücksprache mit dem Schiedsrichter gegenüber der HZ an: Der Schiedsrichter sei überrascht und gar geschockt gewesen.

„Das tolerieren wir nicht“

Mit Unverständnis für die Aktion des eigenen Spielers reagierte der AC Milan Heidenheim. „Ich bin seit 30 Jahren im Verein. So etwas ist bei uns noch nie passiert. Und das tolerieren wir als Verein auch nicht“, stellt Antonio Sabino, selbst jahrelang Mitglied des Vorstands, klar und fügt im Hinblick auf den körperlichen Angriff an: „Das geht ganz und gar nicht. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung.“ Der betreffenden Spieler sei mit sofortiger Wirkung aus dem AC Milan Heidenheim ausgeschlossen worden.

„Gewalt hat auf Sportplätzen nichts zu suchen“, betont auch Jens-Peter Schuller. Zudem fügt der Bezirksvorsitzende an: „Wir haben kein Chaos auf den Sportplätzen. Allerdings ist auch dieser Einzelfall zu verurteilen.“

Schläge angedroht?

Das Urteil des Sportgerichts, das im vorliegenden Fall in Kammerbesetzung die Entscheidung traf, geht weiter. Demnach sei die Begegnung zwischen dem AC Milan Heidenheim II und dem SV Mergelstetten II in der Schlussphase, insbesondere in der Nachspielzeit, „von einigen Unsportlichkeiten“ geprägt gewesen.

Laut Sportgericht musste der Linienrichter der gastgebenden Mannschaft (jedes Team muss jeweils einen Linienrichter stellen) abgelöst werden, nachdem er – mit einer Entscheidung des Unparteiischen nicht einverstanden – den Schiedsrichter verbal bedroht habe. Zudem habe ein Anhänger der Gastmannschaft, so der Schiedsrichter in seinem Bericht, ihm nach Spielende Schläge angekündigt.

Den Heidenheimer Linienrichter verurteilten die Sportrichter zu einer Geldstrafe im zweistelligen Bereich. Der Verein selbst muss sich, nach dem Urteil des Sportgerichts, „das verbale Fehlverhalten eines Zuschauers“ (geringe Geldstrafe) anlasten lassen.

Wie zu erwarten war, wurde die betreffende Begegnung zudem mit 3:0 für den SV Mergelstetten II gewertet.

Gewalt gegen Schiedsrichter: Zuletzt gab es vor drei Jahren einen Spielabbruch

Körperliche Attacken auf Fußball-Schiedsrichter gab es in den vergangenen Jahren keine im Landkreis Heidenheim. Zuletzt gab es am 22. November 2015 einen Spielabbruch. Damals jagten während des Bezirksligaspiels TSG Nattheim gegen Türkspor Heidenheim Gäste-Anhänger den Unparteiischen über den Platz. Die Polizei rückte mit drei Einsatzwagen an.

Von jeglicher Form der Gewalt distanzierte sich damals der Verein Türkspor Heidenheim öffentlich – und forderte die betreffenden Anhänger auf, Spielen von Türkspor Heidenheim fernzubleiben. Das Sportgericht verhängte gegen den Verein aufgrund mildernder Umstände eine eher geringe Geldstrafe im unteren dreistelligen Bereich.

In gravierenden Fällen fällt das Sportgericht Urteile in Kammerbesetzung, dabei müssen mindestens drei der vier Richter des Bezirks Ostwürttemberg anwesend sein. Solche treten ein, wenn mit Sperrstrafen von mindestens vier Monaten zu rechnen ist.

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