Burgberg / Edgar Deibert  Uhr
Welches Team darf in der kommenden Saison in der Bezirksliga spielen? Am Samstag (16 Uhr) wird diese Frage geklärt.

Na, Hand aufs Herz! Wer freut sich nicht über eine Zusatzschicht? Was im Arbeitsleben sicherlich nicht der Fall ist, trifft auf die Fußballer des SC Hermaringen durchaus zu. Dank einer überragenden Form hat die Mannschaft von Trainer Roland Häge ein K.-o.-Spiel um den Aufstieg in die Bezirksliga erzwungen. Dabei war die starke Saison des SCH nicht überraschend. Schließlich wurden die Hermaringer bei der obligatorischen HZ-Umfrage vor Saisonstart sechsmal als Favorit auf die Meisterschaft in der Kreisliga A 3 genannt (zum Vergleich: die SG Heldenfingen/Heuchlingen, die sich den Titel holte, kam auf acht Nominierungen).

Allerdings überraschten die Hermaringer, die nach dem vierten Spieltag sogar Schlusslicht waren, zuletzt mit einem aufsehenerregenden Lauf: Zwölf Liga-Siegen in Folge ließen sie den 2:0-Erfolg in der zweiten Relegationsrunde gegen die Sportfreunde Dorfmerkingen II folgen (in der ersten Runde hat der SCH ein Freilos). „Natürlich wollen wir nun den 13. Sieg feiern“, sagt Coach Häge selbstbewusst.

In der alles entscheidenden Partie treffen die Hermaringer am heutigen Samstag auf den Relegationsteilnehmer aus der Bezirksliga, den SV Wört. Der letztjährige Meister der Kreisliga A 2 rutschte am letzten Spieltag noch auf den 13. Platz ab.

Die Wörter (bei Dinkelsbühl) schätzt Häge als eine robuste und kopfballstarke Mannschaft ein. Zu achten sei hier auf Stürmer Patrick Heide, der es auf 16 Tore brachte (Sturmpartner Manuel Gloning kommt auf zehn).

Wörter Coach einst bei Aalen

„Wenn uns jemand vor acht Wochen gesagt hätte, dass wir den Relegationsplatz belegen, wäre das traumhaft gewesen“, sagt der Wörter Coach Manfred Raab. Dem ehemaligen Spieler des VfR Aalen (Oberliga, damals die dritthöchste Spielklasse in Deutschland) ist das Kunststück gelungen, zweimal mit dem SVW in die Bezirksliga aufzusteigen. Beim ersten Mal ging es 2016 aber sofort wieder runter in die A-Klasse.

Nach siebeneinhalb Jahren als Wörter Coach soll für Raab nun Schluss sein. Auch deswegen habe sich sein Team zum Saisonende noch einmal reingehängt, um den Abstieg zu verhindern. Die Niederlage am letzten Spieltag gegen Neuler habe der SVW gut verarbeitet, seine Mannschaft sei willig, sagt Raab.

Den Gegner hat sich der gebürtige Stödtlener (Nachbargemeinde von Wört) in Unterschneidheim angeschaut. „Das wird eine harte Nuss“, sagt Raab über den SC Hermaringen, den er für dessen körperbetonte und aggressive Spielweise lobt. Nach Raabs Einschätzung sei Stürmer Patrick Mair der Dreh- und Angelpunkt.

Kein Wunder, der 28-Jährige ist der Top-Torjäger der Kreisliga A 3 und brachte es in 28 Ligapartien auf 33 Tore. Zudem traf der Angreifer auch gegen Dorfmerkingen II. Dabei wurde Mair zuletzt wegen einer Reizung im Knie immer wieder geschont. Auffällig: Während seiner Zeit bei der TSV Herbrechtingen war Mair immer für 16 Tore gut, in den zwei Jahren beim SC Hermaringen machte er einen deutlichen Sprung. „Das war nur eine Frage der Zeit“, sagt Trainer Häge, der weiß, dass viel über Mair gesprochen wird.

Röhrer einst sauer auf Häge

Allerdings streicht der Hermaringer Coach auch die Bedeutung von Johannes Röhrer hervor, den er wie folgt beschreibt: „überragend“, „ein Vorbild“, „unser Leader“. Häge kann so etwas sagen, denn die beiden verbindet eine besondere Beziehung. Zusammen feierten sie 2009 mit dem FV Sontheim den Aufstieg in die Landesliga. Damals war Röhrer noch A-Jugendlicher und kam nur sporadisch zum Einsatz. Der heute 29-Jährige verhehlt auch nicht, dass er auf seinen aktuellen Coach ab und an sauer gewesen sei. „Wie das als junger Spieler halt so ist“, sagt Röhrer rückblickend.

Wie das Schicksal es so will, ist er nun aber Häges verlängerter Arm auf dem Platz und verleiht dem Team unter anderem als Innenverteidiger Stabilität.

Dabei war gar nicht klar, dass Röhrer überhaupt jemals wieder wird Fußball spielen können. Im Februar 2017 musste sich der Sontheimer einer schweren Hüft-Operation unterziehen (Hüftdysplasie). Dabei seien drei Knochen gebrochen und das Becken neu ausgerichtet worden, erzählt der Linksfuß.

Es folgten mehrere Wochen in der Reha. „Ich habe wirklich dafür gekämpft, damit ich zurückkomme“, sagt Röhrer und fügt an: „Ich wollte einfach nur mal wieder in der Kabine sitzen.“ Er wisse gar nicht, bei wem er sich alles bedanken kann und nennt unter anderem Physiotherapeuten und Heilpraktikerin.

Aufgrund dieser Erfahrung sei er auch ohne Ziele vom FV Sontheim zum SC Hermaringen (Sticheleien bleiben da nicht aus) gewechselt. Und nun befindet er sich mit seinem Verein in der Relegation. Diese sei zwar stressig, allerdings auch ein Riesenbonus.

Zu Beginn der Saison und nach der Winterpause sind die Hermaringer nämlich jeweils schlecht gestartet, erinnert sich Röhrer. Allerdings herrsche im Umfeld des Vereins „ziemlich viel Ruhe“, was Röhrer als großes Plus bezeichnet. Zudem habe ein traditioneller Ausflug ins Allgäu im Februar der Mannschaft gutgetan. „Da ist man von der Außenwelt komplett abgeschirmt. Das schweißt zusammen“, sagt Röhrer.

Stressig wird die Zusatzschicht trotzdem, weil Röhrer momentan nebenher seinen Metallbaumeister macht und aufgrund des Alles-oder-nichts-Spiels am Samstag (Anpfiff um 16 Uhr) die Abgabe seines Meisterstücks (eine mobile Werkzeugkiste) um einen Tag auf den Freitag vorverlegen ließ. Den Prüfer hat Röhrer übrigens gleich einmal zum Relegationsspiel nach Burgberg eingeladen.

Ob dieser tatsächlich kommt, sei einmal dahingestellt. Der Spielort birgt auf jeden Fall eine gewisse Brisanz. Schließlich fiebern sowohl Burgberger, als auch Hermaringer jedes Jahr besonders den Duellen entgegen. Nun werden die Burgberger die Zuschauerrolle einnehmen – und womöglich feiernde Hermaringer auf ihrem Platz erleben.

Anfragen wegen des Spielortes – Hermaringen stieg zuletzt 2014 auf

Die Straße von Hermaringen nach Burgberg, die normalerweise aufgrund einer Baustelle gesperrt ist, ist am Wochenende ab Freitagabend geöffnet.

Den Aufstieg in die Bezirksliga feierte der SC Hermaringen zuletzt und erstmalig 2014. Damals stieg der SCH auch über die Relegation auf und schlug im entscheidenden Spiel den TV Steinheim in Herbrechtingen mit 1:0 nach Verlängerung.

Burgberg als Spielort könnte sich für Hermaringen als Vorteil erweisen. Wobei Trainer Roland Häge betont: „Auf dem Platz stehen wie überall zwei Tore. Und Unterschneidheim war ein Nachteil für uns.“

Unmut über den Austragungsort ist allerdings aus dem Lager des SV Wört zu vernehmen. Schließlich liegt Wört knapp 65 Kilometer von Burgberg entfernt, Hermaringen dagegen nur knapp 3.

Manfred Raab, Trainer des SV Wört, möchte sich offiziell dazu nicht äußern und sagt nur so viel: „Ich möchte mich nicht mit Problemen, sondern mit Lösungen beschäftigen.“ Dem Vernehmen nach ist man beim SV Wört allerdings ziemlich überrascht über die Wahl der Spielstätte.

Einige Anfragen haben ihn diesbezüglich erreicht, bestätigt Roland Wagner gegenüber der Heidenheimer Zeitung. Der Bezirksspielleiter erklärt, dass Burgberg als Spielort bereits vor knapp acht Wochen festgelegt worden sei. Da sei es noch offen gewesen, wer die Relegationsteilnehmer sein werden.

Das 100-jährige Bestehen des FV Burgberg sei mit ein Grund  für die Vergabe der Spielstätte gewesen. Zudem soll dadurch auch das Engagement des FV Burgberg und besonders der Familie Baamann gewürdigt werden.