Paderborn / EDGAR DEIBERT  Uhr
Fußball-Zweitligist SC Paderborn ist in den Schlagzeilen. Statt sich um sportliche Belange zu kümmern, muss sich der Liga-Gegner des 1. FC Heidenheim mit einer "Penis-Affäre" herumschlagen. Trainer Stefan-Effenberg erhielt eine Schonfrist.
Ab in die Schlagzeilen: Natürlich ist dies auf mehrere Arten möglich. Zum einen durch sportliche Erfolge. Oder aber durch Showauftritte und Eskapaden. Alle drei Varianten hat der SC Paderborn, Ligakonkurrent des FCH, in den vergangenen Jahren ausprobiert gestellt. Zunächst gab's den Bundesliga-Aufstieg 2014. Und auch in der höchsten deutschen Liga sorgten die Männer vom Flüsschen Pader (Länge von knapp über vier Kilometern) für Furore, dennoch gab's den Wiederabstieg.

In der 2. Liga folgte ein Medienrummel der etwas anderen Art: Im Oktober 2015 präsentierte der SCP mit Stefan Effenberg einen sehr selbst bewussten neuen Trainer. „Ich bin es wirklich“, ließ „Effe“ während eines wahren Blitzlichtgewitters verlauten. Immerhin sollen etwa 70 Journalisten den Ausführungen des einstigen Nationalspielers gelauscht haben. Und der ließ sich nicht lumpen. „Der eine ist der Special One (José Mourinho/Chelsea), der andere der Normal One (Jürgen Klopp/Liverpool) and I am the new one.“ Das saß natürlich, den Spruch gibt's selbstverständlich auf T-Shirts gedruckt zu kaufen.

Keine drei Monate später steht Effenberg zur Diskussion. Im türkischen Belek (einige Kilometer entfernt vom FCH-Hotel) soll SCP-Stürmer Nick Proschwitz (fünf Saisontore) in einer Hotelbar in der Nacht zum Sonntag (gegen 0.30 Uhr, Nachtruhe war für 1 Uhr angesetzt), vor einer Frau, die Mitarbeiterin einer Sportagentur ist, seine Hose heruntergelassen haben.

Diese dementierte zwar die Darstellung, sie sei sexuell belästigt worden, allerdings reagierte der SC Paderborn auf die so genannte „Penis-Affäre“. Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Montagabend verurteilte Präsident Wilfried Finke die Ereignisse von Belek. Er sei „mehr als entsetzt“ gewesen.

Eins stellte der Unternehmer (Einrichtungshäuser) zudem klar: „Mir ist aber auch völlig egal, wie tief die Hose hing. Tatsache ist, als Spieler des SC Paderborn, als Gast in einem muslimisch geprägten Land, für solche Eskapaden einfach kein Platz ist.“ Der Stürmer Proschwitz soll daher nicht mehr für Paderborn auflaufen.

Für Trainer Stefan Effenberg, der inzwischen Fehler einräumte, gibt's dagegen eine Schonfrist. Nach einer ausführlichen Gesprächsrunde (die Fragen, die das Präsidium gestellt habe, seien „nicht alle ganz angenehm“ gewesen, so Finke) habe eine Kündigung nicht mehr im Raum gestanden.

Der FCH hat übrigens den SC Paderborn am letzten April-Wochenende zu Gast. Mal sehen, was es dann für Schlagzeilen geben wird.