Im Fußballbezirk Ostwürttemberg läuft derzeit eine Umfrage unter den Vereinen, bei der die Klubs darüber abstimmen, ob sie in den nächsten drei Jahren beispielsweise an Ostern spielen wollen, wann die Spielzeit starten soll oder wie die Relegation ausgespielt wird.

Wie kam man im Bezirk Ostwürttemberg auf diesen Weg der basisdemokratischen Entscheidungsfindung? Gab es dazu ein Vorbild?

Jens-Peter Schuller: Es ist schon die dritte Befragung in meiner Amtszeit als Bezirksvorsitzender. Ein Vorbild bedarf es dafür nicht. Wir sehen uns im Bezirk als Dienstleister für die Vereine und wollen ihnen so gut es geht entgegenkommen, damit diese ein möglichst attraktives Angebot für Fußballer jeden Alters schaffen können. Deshalb stellen wir alles, was vom Bezirk entschieden werden kann, regelmäßig auf den Prüfstand und zur Diskussion.

Gab es Nachfragen aus anderen Bezirken? Wie war die Resonanz des WFV auf diese Art der Meinungsfindung?

Der WFV unterstützt uns bei solchen Aktionen beratend, worüber wir sehr froh sind. Lernen können wir auch aus anderen Bezirken, die eventuell schon ähnliche Modelle ausprobiert haben.

Die Erfahrungen der ersten Umfragen scheinen in der Summe gut gewesen zu sein. Gab es aber auch Dinge, die weniger geeignet sind für eine derartige Umfrage?

Zwei Stolpersteine sehe ich: Zum einen lassen sich komplizierte Sachverhalte in Fragebögen nur schwer darstellen – wie jetzt die Idee der Qualirunde in der Kreisliga B. Hier können eventuell nur Vereine, die beim Infoabend in Hofherrnweiler dabei waren, sich wirklich ein Bild machen und Vor- und Nachteile abwägen. Zum anderen sind alle Abstimmungen bei uns ligenübergreifend, denn in drei Jahren – so lange gilt das Ergebnis der Befragung – kann ich es von der Kreisliga B bis in die Bezirksliga schaffen.

Sie sprechen hier von dem Vorschlag, bei zehn oder weniger Mannschaften in einer Kreisliga B eine Doppelrunde ähnlich der Qualirunde im Jugendspielbetrieb zu spielen. Ist das ein gangbarer Weg im Erwachsenenbereich? Immerhin spielen einige Teams viermal gegeneinander.

Das praktizieren auch die ersten Ligen in Österreich und der Schweiz. Da wird in einer Runde viermal gegeneinander gespielt. Zurück zur Kreisliga B: Ich halte diese Idee für eine sehr gute, weil zum einen die Fahrtstrecken für die Teams kurz bleiben und zum anderen die Teams beider Gruppen einen neuen Anreiz nach der Winterpause haben, motiviert und erfolgreich Fußball zu spielen.

Wie hat der WFV auf dieses Pilotprojekt reagiert?

Sehr positiv war vor allem die Reaktion des Verbandsspielausschusses, weil wir so vielleicht auch für andere Regionen ein System probieren, das im Verbandsgebiet Schule machen könnte.

Sollten die Vereine dieser Neuordnung zustimmen, wie sind dann die weiteren Schritte?

Dann wird so gespielt!

Sehen Sie also einen Reformbedarf und worin ist dieser begründet?

Ja, ich sehe einen deutlichen Reformbedarf. Wichtig ist, glaube ich, zu wissen, dass es den Vereinen relativ egal ist, wie ihr Bezirk heißt, wenn sie sich dort gut aufgehoben fühlen. Punkt 1 ist, dass wir im WFV ein Spielsystem brauchen, das auch bei zurückgehenden Mannschaftszahlen noch tragfähig ist. Punkt 2 ist, dass wir unter den einzelnen Bezirken zu große Unterschiede haben, sowohl in der Größe der Bezirke als auch bei der Anzahl von Mannschaften, hier sollte meines Erachtens dringend ein Ausgleich geschaffen werden.

Die Größe der einzelnen Bezirke – damit sprechen Sie den WFV an. Dort macht man sich generell Gedanken über eine neue Struktur. Sie gehören der Kommission des Verbandes an. Wie weit sind die Arbeiten fortgeschritten?

Die erste Runde der Kommissionsarbeit ist absolviert. Was jetzt folgt, sind Regionalkonferenzen, bei der die Vertreter der Vereine gehört werden. Für den Bezirk Ostwürttemberg findet diese Konferenz am 12. März in Esslingen statt. Je größer die Beteiligung der Vereine, umso größer wird der Erfolg sein.

In der Vergangenheit gab es immer wieder das Gerücht, dass es mit der neuen Struktur ein neues Spielplansystem geben soll. Einige Landesligen sollen entfallen. Dafür sollen Bezirksoberligen eingezogen werden. Ist das korrekt?

Diese Idee gab es tatsächlich. Ob sie immer noch aktuell ist, weiß ich selbst nicht. Viel wichtiger wäre es mir persönlich, mehr Gerechtigkeit zu schaffen. In kleinen Bezirken wird unter 60 oder 70 Teams ein Bezirkspokalsieger gesucht, bei uns in Ostwürttemberg unter rund 140. Ähnlich beim Vereinsehrenamtspreis, ob dieser unter 70 Vereinen oder doppelt so vielen ausgelobt wird, macht schon einen Unterschied. Die Reihe dieser Beispiele ließe sich lange fortsetzen. Daran sollten wir durch eine Reform der Bezirke etwas ändern, wie die Ligen dann heißen, ist für mich zweitrangig.

Im Juli 2000 wurde dem Verbandstag der Vorschlag einer Kommission vorgelegt, der die Angleichung der Bezirke an die politischen Grenzen der Landkreise vorsah. Dieser Vorschlag wurde von den Delegierten mit großer Mehrheit abgelehnt ...

Damals wurden die Vereine im Vorfeld nicht ins Boot genommen, sondern erst kurz vor dem Verbandstag mit dieser Absicht des Verbandes konfrontiert. Dies soll im aktuellen Prozess anders sein, deshalb die Regionalkonferenzen. Die politischen Grenzen wären eine Möglichkeit zur Neusortierung, aber auch da müsste zusammengefasst werden, um gleich große Bezirke zu schaffen. Diese Vorgehensweise wäre auch mein persönlicher Favorit, da wir als Funktionäre uns auch kommunalpolitisch gut vernetzen müssen, das ist über diesen Weg am besten möglich. Vielleicht gibt es ja auch eine andere Idee. Es darf in dieser Phase des Prozesses einfach keine Denkverbote geben.

Steckbrief Jens-Peter Schuller

Geburtstag: 16. April 1969
Geburtsort: Aalen
Wohnort: Böbingen an der Rems
Familienstand: verheiratet, 3 Kinder
Beruf: Schulleiter
Hobbys: Fußball, Skifahren, Lesen
Bisherige Stationen: 1994 bis 2002 Fußball-Abteilungsleiter TSV Böbingen; seit 2000 im Bezirksvorstand des Fußballbezirks Ostwürttemberg; seit 2006 Fußballbezirksvorsitzender Ostwürttemberg
Größte sportliche Erfolge: „dürftig, aber viele Freundschaften gewonnen“, Zitat Jens-Peter Schuller.