Fußball Ohne Schiedsrichter geht es nicht

Die Schiedsrichtergruppe Crailsheim will jetzt neue Wege gehen, um Leute für die Tätigkeit an der Pfeife zu interessieren und zu motivieren.
Die Schiedsrichtergruppe Crailsheim will jetzt neue Wege gehen, um Leute für die Tätigkeit an der Pfeife zu interessieren und zu motivieren. © Foto: Hans-Otto Hettler
Crailsheim / da 20.11.2018

Zum Fußballspiel bedarf es nicht nur elf Spieler pro Mannschaft und einen Ball, sondern auch einen neutralen Schiedsrichter, der die Partie leitet. Für manche Vereine ist es selbstverständlich, dass der für die Begegnungen bereitsteht. Doch was ist, wenn es plötzlich nicht mehr genügend Unparteiische gibt?

„Wir kämpfen aktuell jedes Wochenende darum, alle Spiele besetzen zu können“, klagen Dennis Arendt und Andreas Walk, Obmann und Stellvertreter der Schirigruppe Crailsheim. „Die Situation verschlechtert sich von Jahr zu Jahr. Aber niemand unternimmt wirklich etwas.“

Im Bezirk Hohenlohe gehören 30 Vereine zur SRG Crailsheim. Den Berechnungen zufolge, dass ein Verein ab der C-Jugend aufwärts für jede Mannschaft einen Schiedsrichter stellen muss, müssten 113 Unparteiische zur Verfügung stehen. Doch die bittere Realität sieht anders aus: In der Saison 2016/2017 gab es gerade einmal 75 Schiedsrichter – ein sattes Minus von 38 Unparteiischen.

Um den Spielbetrieb zu sichern, müssten auch im Bereich der Gruppe Crailsheim häufiger Jugend- und Reservespiele ohne einen geprüften Schiedsrichter stattfinden. Denn die werden oftmals zeitgleich bei den Aktiven – oder aktuell bei Futsalturnieren – eingesetzt. Damit keine Partie ausfallen muss, versucht man die Spiele im Bezirk zu besetzen und erst dann, wenn sich in ganz Hohenlohe kein Schiedsrichter finden lässt, folgt die Vereinsansetzung. „Dann muss sich jeweils der Heimverein darum kümmern, dass jemand die Partie pfeift. Besonders ärgerlich ist es, wenn plötzlich ein vorher nicht einteilbarer, aber neutraler Schiedsrichter auf diesem Sportplatz aufschlägt“, so Einteiler Walk.

Fünf Vereine im Plus

Lediglich fünf der 30 Vereine, die die SRG Crailsheim betreffen, haben in der Saison 2016/2017 mehr Schiedsrichter gestellt als vorgeschrieben: Der SC Wiesenbach, SSV Stimpfach, FC Matzenbach, der TSV Gerabronn sowie TSV Blaufelden. 20 von 30 Vereinen erfüllten ihr Soll nicht. „Die Vereine bezahlen lieber seit Jahren Strafen, als Schiedsrichter zu stellen“, sagt Walk. Die Strafgebühren für die Vereine beliefen sich in der angesprochenen Spielzeit auf insgesamt 6595 Euro – das macht 36 Prozent der Strafen im Bezirk Hohenlohe aus. „Die Strafen, die mit Geld zu begleichen sind, scheinen die Vereine nicht zu interessieren“, vermutet Arendt. Vorschläge, wie Punktabzug oder ein Aufstiegsverbot für die erste Mannschaft – wie dies auch in anderen Landesverbänden praktiziert wird – sind vonseiten des Württembergischen Fußballverbandes allerdings bisher abgelehnt worden.

Die Gründe für den Mangel sehen beide auch in den Beschimpfungen, Bedrohungen und Übergriffen auf die Schiedsrichter. Der Fair-Play-Gedanke wird nicht nur bei manchen Trainern und Betreuern, sondern insbesondere öfter bei Zuschauern einfach ausgeblendet, sobald das Spiel läuft. Damit es in Zukunft nicht vermehrt zu Spielabsagen kommt, fordern Arendt und Walk vor allem in diesem Punkt ein Umdenken in den Vereinen. „Auch wenn sich manches im Rahmen hält: Die Vereine sind dafür zuständig, Spieler, Zuschauer und Vereinsangehörige unter Kontrolle zu halten“, meint Arendt. Bei Jugendspielen seien es auch immer häufiger Eltern, die die meist noch jungen Schiedsrichter verbal attackieren. „Viele hören dann nach zwei oder drei Spielen wieder auf, weil sie die Lust verlieren“, fügt Walk hinzu.

„Mittelbau“ fehlt

Doch nicht nur der junge Nachwuchs wird vermisst: „Zwischen 25 und 40 Jahren hat man eigentlich das perfekte Alter für diesen Job. Doch genau diese Leute fehlen uns“, sagt der Obmann. Walk ergänzt, dass der WFV „den Frauen auch viele Chancen zur Förderung und einem schnellen Aufstieg bietet. Aber auch hier sind wir mau aufgestellt und es scheint die Frauenmannschaften leider nicht zu stören.“ Darüber hinaus würden Werbeaktionen, die die SRG initiiert, häufig auf wenig Resonanz stoßen. Mit sogenannten Neulingskursen möchte die Gruppe Interessierten das Schiedsrichterwesen näherbringen.

Blick in die Zukunft

Ganz aktuell plant die Schiedsrichtergruppe erstmals auch eine Zukunftswerkstatt, in der besprochen werden kann, wie Vereine und Gruppe zusammenarbeiten und das Werben verbessern können. „Wir haben alle Vereine angeschrieben, sich aktiv in unseren Überlegungsprozess einzuschalten“, sagt Arendt. Für die Zukunftswerkstatt erhielten die Organisatoren bislang immerhin 13 Rückmeldungen, wobei sie sich sicherlich freuen würden, wenn sich die eine oder andere weitere noch dazugesellen würde.

Miteinander ins Gespräch heißt das Motto

Bei der Zukunftswerkstatt möchte die Gruppe mit verschiedenen Vereinsvertretern ins Gespräch kommen – ein Schiedsrichterbezug muss nicht gegeben sein. Hier sollen sich die Vereine untereinander austauschen können, wie sie in der Suche aktiv sind und welche weitere Unterstützung durch die Gruppe nötig ist. Die Veranstaltung am Sonntag um 10.30 Uhr im Vereinsheim des TSV Crailsheim ist für alle Interessierten geöffnet. ad

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