Geislingen Geislinger Kroaten glauben an WM-Sensation

Geislingen / Jochen Weis 13.07.2018
Gelingt Kroatien der große Wurf? Karlo Petricevic vom SC Geislingen glaubt an die Sensation: „Wir werden Fußball-Weltmeister.“

Der Countdown läuft: Morgen, Sonntag, 17 Uhr, greift Kroatien im WM-Finale erstmals in seiner noch jungen Geschichte – das Land ist erst seit 1992 eine eigenständige Nation – nach der Krone des Weltfußballs. Einer, der mitfiebert wie alle vier Millionen seiner Landsleute, ist Karlo Petricevic, Mittelfeld-Akteur in Diensten des Fußball-Landesligisten SC Geislingen. Zurzeit weilt er mit seiner Familie noch auf Heimaturlaub, ist mittendrin im kollektiven Wahnsinn, lebt und atmet den großen Traum.

„Ganz Kroatien ist nur noch Fußball, in den Städten wie in den Dörfern, es gibt kein anderes Thema mehr, keine Politik, nichts, nur Fußball“, berichtet der 25-Jährige, „unser Land ist die große Überraschung. Nun haben wir die Chan­ce, etwas absolut Großartiges zu erreichen.“

Dass Kroatien, welches vor der WM nicht einmal die größten Optimisten oder wahlweise Insider auf dem Titel-Zettel hatten, bis ins Finale vorgestürmt ist, überrascht Petricevic jedoch nicht wirklich. „Unsere Nationalmannschaft wurde von allen unterschätzt“, sagt er. Bester Beleg dafür sind das 3:0 in der Vorrunde gegen Argentinien und das 2:1 im Halbfinale gegen England – beides Teams, die wie die ebenso gescheiterten Spanier, Portugiesen, Brasilianer und Deutschen zum illustren Favoritenkreis gezählt hatten. Nicht einmal Russland, das mit seiner Betonmischer-Taktik Spanien aus dem Turnier geworfen hatte, konnte den kroatischen Höhenflug im Viertelfinale stoppen. Auch wenn die Karierten beim 4:3 im Elfmeterschießen genauso das Glück auf ihrer Seite hatten wie zuvor beim Nachsitzen im Achtelfinale gegen Dänemark (3:2 i.E.). „Da gibt es keinen Respekt vor anderen Teams. Da denkt niemand, was sein könnte. Alle spielen einfach und hängen sich rein.“

Dabei, sagt Petricevic, hätte jeder gewarnt sein müssen, der sich mal die Mühe macht, auf den spielerischen Background der Elf von Nationaltrainer Zlatko Dalic zu schauen. Es ist eine goldene Generation. „Viele der Jungs spielen bei europäischen Top-Clubs“, sagt Petricevic. Allen voran der Superstar des kroatischen Teams, Luka Modric von Champions-League-Sieger Real Madrid. „Er ist das Herz unseres Spiels“, betont Petricevic. Oder Dejan Lovren von Champions-­League-Finalist FC Liverpool, der ein absoluter Weltklasse-Verteidiger sein könnte, würde er nur konstanter spielen. Oder die beiden Mittelfeld-Männer Ivan Rakitic vom FC Barcelona und Ivan Perisic von Inter Mailand. Letzterer bringt als linker Flügelspieler, der technisch beschlagen und zugleich physisch stark ist, sogar Startrainer Jose Mourinho von Manchester United zum Schwärmen. Oder aber Angreifer Mario Mandzukic vom italienischen Champion Juventus Turin, der mit seinem Treffer zum 2:1 England ins Tal der Tränen und Kroatien in Ekstase schoss. Viele Oder, die sich fortsetzen ließen.

„Und das sind alles nicht nur Top-Spieler, sie haben zudem einen unbändigen Willen, sie geben alles für ihr Land“, sagt Petricevic. Dieser Hunger, dieses Feuer habe beispielsweise den Deutschen gefehlt. Zudem würde die Mannschaft von der Euphorie in ihrem Land getragen, „jeder weiß, was gerade zu Hause abgeht, das ist ein riesengroßer Ansporn“.

Deshalb ist Petricevic überzeugt: „Wir werden Weltmeister, denn wir werden auch gegen Frankreich unsere Chance bekommen.“ Auch wenn es schwer werde, „ich tippe, dass es in die Nachspielzeit oder sogar wieder ins Elfmeterschießen geht. Warum sollen wir da nicht noch einmal Glück haben?“ Die Mannschaft müsse nur eins tun: sich selbst treu bleiben und agieren wie bisher. Das heißt, nach vorne spielen, pressen, den Gegner unter Druck setzen, aber genauso konsequent nach hinten absichern. Genial einfach, aber eben auch genial erfolgreich, die Engländer beispielsweise wussten nach Perisic’ Ausgleich zum 1:1 in der 68. Minute phasenweise gar nicht mehr wie ihnen geschieht.

Was aber, wenn es nichts werden sollte mit dem großen Erfolg gegen die Grande Nation, wenn die Karierten als Verlierer gegen die Equipe Tricolore vom Platz gehen? „Ganz ehrlich: Das wäre überhaupt kein Beinbruch, denn auch der zweite Platz ist richtig geil“, sagt Petricevic: „Das werden wir dann genauso feiern wie die Weltmeisterschaft.“

Bilder von der Halbfinal-Feier:

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