Geislingen Siege seines Teams bringen SC-Coach in Erklärungsnot

Jasko Suvalic (rechts) und Assistent Daniele Mennitti (sitzend) reden über viele Dinge, nur nicht über neue Ziele.
Jasko Suvalic (rechts) und Assistent Daniele Mennitti (sitzend) reden über viele Dinge, nur nicht über neue Ziele. © Foto: Thomas Madel
Geislingen / Von Thomas Friedrich 05.10.2018
Der SC-Trainer lässt sich vom zweiten Auswärts-Kantersieg in Folge nicht locken: Jasko Suvalic verweigert neue Zielsetzung.

Erst nach dem siebten Spieltag besitzt eine Tabelle Aussagekraft, mit dieser Diktion schob Jasko Suvalic lange die Antwort hinaus, ob sein SC Geislingen tatsächlich eine Spitzenmannschaft ist. Er hatte einkalkuliert, sein Team ließe in den vergangenen Spielen Federn, womit sich „diese  Frage ohnehin erledigt hätte“. Er hat die Rechnung ohne seine Schützlinge gemacht. Die gewannen die letzten drei Spiele und sind vor dem morgigen Heimauftritt gegen den TSV Weilheim immer noch Tabellenführer.

Wenn die wüssten, was sie ihrem Trainer damit angetan haben. Der muss sich jetzt den lästigen Fragen der Presse stellen, ob denn für den SC Geislingen nicht vielleicht mehr drin ist als nur der ursprünglich geplante „komfortable Klassenverbleib“. Suvalic scheut das Postulieren hoher Ambitionen noch mehr als Graf Dracula den Tagesanbruch. Für die Korrektur der Ziele sei es noch immer viel zu früh, schließlich haben die Seinen bislang gegen viele Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen gespielt. Zudem feierten sie viele knappe Siege, und „wer weiß, ob das so bleibt“, weicht Suvalic allen Fragen nach Titelambitionen aus. Er schaut mit seiner Mannschaft lieber von Spiel zu Spiel, mit dieser Strategie seien die Geislinger „bislang immer ganz gut gefahren.“

Suvalic würde sich schon ganz gerne mit seinen Zöglingen dort oben einnisten, derzeit bevorzugen es die Geislinger aber, „erst mal den Moment zu genießen“. Der Moment sagt aus: Geislingen ist Tabellenführer, hat sechs seiner sieben Spiele gewonnen, die zweitmeisten Tore geschossen und mit Abstand die wenigsten kassiert.

Das sind Statistiken eines Titelkandidaten, der Coach will mit den Seinen aber erst die magischen 40 Punkte holen, und zwar „mindestens fünf Spieltage vor Schluss“. Erst dann ließe er über andere Ziele mit sich reden. Immerhin kann selbst er sich keinen totalen Absturz des SC vorstellen. Damit der eintritt, „müsste schon viel passieren“.

Am großen Ziel ändert sich vorläufig nichts, verschiedene kleinere kommen ständig hinzu. Morgen gegen Weilheim will Suvalic mit dem SC auch das 20. Heimspiel in Folge ungeschlagen bleiben. Von den vergangenen 19 hat sein Team 17 gewonnen und nur zweimal Unentschieden gespielt. Gegen den Drittletzten TSV Weilheim sollte da nicht allzuviel schiefgehen, oder?

Diese Frage beantworten alle Trainer gleich: Es kann immer was passieren. Seine Spieler dürfen sich von den bisherigen Ergebnissen „nicht einlullen lassen“, warnt Suvalic. Sein Job ist es, das zu verhindern. Es fällt ihm leicht, weil die Geislinger selten mit gebremstem Schaum auftreten. Einige Male, erinnert er, haben sie es versucht, aber „schnell gemerkt, dass es mit Halbgas nicht geht.“

Beim 6:0 in Waldstetten und dem folgenden 5:1 in Bargau haben alle Spieler überzeugt, dennoch könnte es wieder die üblichen taktischen Umbesetzungen geben. Oder auch nicht. „Vielleicht schaffe ich es ja mal, zweimal hintereinander dieselbe Elf aufzustellen“, sinniert Suvalic. Das hängt auch von der körperlichen Verfassung der Spieler ab. Die waren am Dienstag auf dem Wasen, gestern fehlte dem Coach noch die Rückmeldung, ob den Volksfest-Besuch „alle überlebt haben“.

Suvalic verweigert nicht nur die Verkündung höherer Ziele, er hält sich dafür auch für nicht zuständig. Zumindest nicht alleine, Saisonziele werden gemeinsam beschlossen. „Soll ich etwa eine Sondersitzung einberufen“ und über Aufstiegsambitionen diskutieren, „nur weil wir so gut gestartet sind?“, fragt Suvalic. Zu einer solchen Konferenz „würde auch keiner kommen“, vermutet der Trainer. Er selbst „am allerwenigsten“.

Also sollen seine Zöglinge einfach weiter gewinnen statt anzufangen, sich über irgendwelche hochtrabenden Ziele den Kopf zu zerbrechen. Diese Gehirnakrobatik kommt im Erfolgsfall immer noch früh genug.

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