GLOSSE: Die weiße Bestie

THOMAS FRIEDRICH 03.05.2014

Die Bayern sind raus. Wie es sich für einen Champion gehört, nicht mit einem leisen Winseln. Der Titelverteidiger ging mit einem lauten Knall: 0:4 gegen Real Madrid.

Ein traumatisches Erlebnis für den Verein, mit Auswirkungen darüber hinaus. Angefangen mit dem Übersinnlichen: Die schwarze Bestie, la bestia negra, hat die Farbe gewechselt und geht jetzt im weißen Trikot von Real Madrid als bestia blanca umher. Als Schreckgespenst für Groß und Klein. Bayern-Fans mahnen ihre Kinder in der Nacht: Wenn du nicht gleich schläfst, kommt die weiße Bestie und holt dich. Eine schauderhafte Vorstellung, und noch dazu kontraproduktiv: Allein der Gedanke an die bestia blanca raubt Bayern den Schlaf.

Folgen hat das Ergebnis auch für Ligakonkurrent Leverkusen. Nach dem Vize-Triple der Bayern 2012 hat sich der Verein schnell die Marke "Vizekusen" sichern lassen, um sich gegen Münchener Gewohnheitsrechte abzusichern. Nach dem 0:4 der Bayern vom Dienstag rennen die Rheinländer schon wieder zum Patentamt. Diesmal wollen sie ihren Vereinsnamen Bayer 04 Leverkusen schützen lassen, um jegliche Verwechslung mit Bayern Nullvier von vornherein auszuschließen.

Nicht zuletzt, wer hat an den armen Herrn Hoeneß gedacht? Der hat sich vor dem schweren Gang in die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech noch auf das Finale der Champions League in Lissabon gefreut. Die Reise fällt aus und auch in seiner Villa am Starnberger See verspürt der Ex-Präsident und Ex-Manager des FC Bayern wenig Lust, ein Madrider Stadtduell zu gucken. Um den Abend irgendwie rumzukriegen, muss er am 24. Mai notfalls ein gutes Buch zur Hand nehmen. Von Literaturabenden im Hause Hoeneß ist der Öffentlichkeit nichts überliefert. Das einzige Buch, mit dem Uli H. bislang in Zusammenhang gebracht wird, ist das Strafgesetzbuch.

Ob Ribérys Ohrfeige gegen Madrids Außenverteidiger Daniel Carvajal ein Nachspiel hat, ist zurzeit noch offen. Es obliegt der UEFA, ob sie ein Disziplinarverfahren gegen den Franzosen einleitet. Sein ehemaliger Präsident hat ihm zu einer Selbstanzeige geraten, wegen ihrer strafmildernden Wirkung. Die rettet einen aber nur - gell, Herr Hoeneß - wenn sie vor Beginn der Ermittlungen eingeht und zudem vollständig ist. Franck Ribéry weiß ohnedies, dass er für das Finale irgendwie gesperrt ist.

Seine Mannschaftskameraden haben ihn schnell getröstet: Mach dir nichts draus, Franck, wir dürfen in Lissabon auch nicht spielen.