Fußball Ein Bad Boller kickt für Thailand

Von Bad Boll in die weite Welt des Fußballs: Philip Roller.
Von Bad Boll in die weite Welt des Fußballs: Philip Roller. © Foto: Privat
Bad Boll / MARKUS MUNZ 29.07.2017
Philip Roller wurde in die Nationalmannschaft berufen. Einige Länderspiele hat der 23-Jährige, dessen Mutter aus dem südostasiatischen Land stammt, bereits hinter sich.

Philip Roller aus Bad Boll feierte vor kurzem seine Länderspielpremiere: Mit der thailändischen Fußball-Nationalmannschaft nahm der 23-Jährige am King’s Cup, einem Freundschafts-Viererturnier in Bangkok, teil. Roller war erst wenige Wochen zuvor zum dortigen Erstligisten FC Ratchaburi Mitr Phol gewechselt.

„Schon vor einigen Monaten hatte man erstmals mit mir Kontakt aufgenommen und seither nicht locker gelassen“, berichtet der 23-Jährige, der schließlich den Anwerbungsversuchen nachgab, die thailändische Staatsangehörigkeit annahm und einen lukrativen Vier-Jahres-Vertrag unterschrieb. „Diese Entscheidung war nicht einfach“, gibt er zu. Weil seine Frau derzeit das zweite Kind erwartet, wird die Familie bis zum Winter in Bad Boll ­bleiben.

Die Saison in Thailand dauert von Februar bis November. Das Niveau vergleicht Roller mit der Dritten Liga in Deutschland: „Im taktischen Bereich fehlt noch einiges, deshalb sind zuletzt mehrere ältere Profis aus Spanien und Frankreich verpflichtet worden.“ Im Juli wurde die Saison für den King’s Cup unterbrochen. „Das Turnier ist dort hoch angesehen, zumal der thailändische König im letzten Jahr verstorben ist und sich das Land immer noch offiziell in Staatstrauer befindet“, erklärt Roller. Die Berufung ins Nationalteam kam für ihn überraschend. Trainer der Thailänder ist der Serbe Milovan Rajevac, der Ghana bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika bis ins Viertelfinale führte.

Neben dem Gastgeber nahmen in diesem Jahr Weißrussland, Burkina Faso und Nordkorea am King’s Cup teil. Nach einem 3:0 gegen Nordkorea traf Roller mit Thailand auf Weißrussland. In diesem Spiel steuerte der Rechtsverteidiger im Elfmeterschießen vor 30 000 Zuschauern einen Treffer zum 5:4-Sieg bei.

Roller begann mit dem Fußballspielen bei seinem Heimatverein TSV Bad Boll, wo sein Vater heute noch tätig ist. In der Jugend wechselte er zum FC Eislingen und über den VfL Kirchheim weiter zum SSV Ulm 46, wo er in der Junioren-Bundesliga auflief. Bei Grasshoppers Zürich und den Stuttgarter Kickers versuchte er, den Sprung in den Profifußball zu schaffen.

Nach Oberliga-Stationen in ­Illertissen und Grunbach stand Roller 2014 vor einer Rückkehr in die Heimat zu Landesligist FC Heiningen, ging dann aber doch zu Regionalligist SVN Zweibrücken. In den vergangenen zwei Jahren stand er beim SC Austria Lustenau unter Vertrag und kam auf 13 Einsätze in der zweiten österreichischen Liga. „In Deutschland oder Österreich ist der Schritt brutal schwer. Hier in Thailand werde ich viel mehr wertgeschätzt“, genießt Roller seinen aktuellen Status.

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