Eine turbulente Saison beim thailändischen Erstligisten Ratchaburi Mitr Phol FC liegt hinter Fußballer Philip Roller. Vier Trainer benötigte der Verein, um am Ende gerade noch so den Klassenerhalt zu schaffen. „Dabei war das obere Drittel eigentlich das ausgegebene Saisonziel, doch wir hatten viele verletzungsbedingte Ausfälle, die wir nicht kompensieren konnten“, berichtet der 24-Jährige, der aus Bad Boll stammt und seit anderthalb Jahren in Thailand professionell Fußball spielt.

Zu Saisonbeginn war mit Christian Ziege ein prominenter Name als neuer Trainer vorgestellt worden, doch der Europameister von 1996 kehrte – aus familiären Gründen, wie der Mannschaft mitgeteilt wurde – schon nach sechs Wochen dem Ratchaburi FC wieder den Rücken. Sein Nachfolger aus Belgien kam mit dem Präsidenten nicht klar und blieb ebenfalls nicht lange. Einige Zeit führte der Co-Trainer die Mannschaft durch die Saison, bis Mannschaftskapitän Philip Roller die Initiative ergriff und dem Präsidenten seinen früheren Coach bei Austria Lustenau, Lassaad Chabbi, vorschlug. Der 57-jährige Österreicher tunesischer Herkunft führte die „Dragons“ auf den 14. Platz in der 18 Mannschaften umfassenden Thai League und bewahrte den Klub vor dem Abstieg.

Zur neuen Saison, die im Februar beginnt, wurde ein Trainer aus Spanien verpflichtet. „Es wird ein Umbruch stattfinden und ein neuer Anlauf, um unter die Top Fünf zu kommen, genommen“, erklärt Roller, der als thailändischer Nationalspieler erst Mitte Januar in die bereits laufende Vorbereitung einzusteigen braucht. Weil seine Mutter aus Thailand stammt, hatte der Verband schon kurz nach seiner Ankunft in Südostasien die Fühler nach Roller ausgestreckt. Bei der Asienmeisterschaft wird der Rechtsverteidiger aber wegen Leistenproblemen nicht mit dabei sein: „Das ist sehr schade, denn das ist ein bedeutendes Turnier, aber in Absprache mit dem Nationaltrainer und dem Verein werde ich mich voll auskurieren und erst dann in die Saisonvorbereitung einsteigen.“ Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: Philip Rollers Vertrag beim Ratchaburi Mitr Phol FC wurde vorzeitig um ein weiteres Jahr bis 2023 verlängert. Der Präsident schlug Angebote für Roller aus Japan und China mit Ablösesummen bis zu 2 Millionen US-Dollar aus und plant langfristig mit ihm. „Es ist ein junger Verein, der erst fünf Jahre in der ersten Liga spielt, aber ein ganz neues Stadion und ein modernes Trainingsgelände aufweist“, erklärt Roller.

Auch privat fühlt er sich wohl und wohnt inzwischen mit seiner Familie in einem Haus in der Hauptstadt Bangkok. Dort wird Roller regelmäßig auf der Straße erkannt und erfüllt gerne Autogramm- oder Selfie-Wünsche. Deshalb portraitierte der TV-Sender Pro7 ihn für die Sendereihe „Taff“ zum Thema Leben und Arbeiten in Thailand.

Bad Boll und Eislingen die ersten Stationen


Philip Roller begann mit dem Fußballspielen bei seinem Heimatverein TSV Bad Boll. Weitere Stationen bis zur Junioren-Bundesliga waren FC Eislingen, VfL Kirchheim und SSV Ulm 1846. Als Aktiver stand Roller unter anderem bei Grasshoppers Zürich, Stuttgarter Kickers, SC Pfullendorf und SC Austria Lustenau unter Vertrag. Im Juni 2017 ging er nach ­Thailand.