Kuchen Der Underdog bleibt sich treu

Jubel über den Klassenerhalt: Kuchen feiert mit den Fans.
Jubel über den Klassenerhalt: Kuchen feiert mit den Fans. © Foto: Cornelius Nickisch
Kuchen / Jochen Weis 26.06.2018
Fußball-Bezirksligist Kuchen hat den Klassenerhalt geschafft. In der kommenden Runde werden die Aufgaben nicht einfacher.

Es gibt Tage, da weiß man; Heute pfunzt es. Einer dieser Tage war für Martin Braunmiller, Coach des Fußball-Bezirksligisten FTSV Kuchen, der vergangene Sonntag. Da musste seine Elf in Nürtingen gegen den VfB Oberesslingen/Zell antreten, in einer Partie, die nicht bei jedem für ein Wohlgefühl sorgt: das alles entscheidende Relegationsspiel um den Klassenerhalt. Hopp oder top, siegen oder fliegen. Doch schon beim Warmmachen war Braunmiller klar: Das wird was. „Ich habe da gleich ein gutes Gefühl gehabt. Die Jungs waren gut drauf, hatten eine gute Ausstrahlung, eine gute Körpersprache“, erzählt er, „das ist eine klare Ansage an den Gegner, dass man gewinnen möchte“.

Genau diese Siegermentalität brachte der letztjährige Aufsteiger hernach auch auf den Platz, ließ dem aktuellen A1-Vizemeister letztlich nicht den Hauch einer Chance und machte mit einem souveränen 4:1 (2:0) deutlich, wer hier die Bezirksliga-Hosen an hat. Für Braunmiller auch ein Stück weit Genugtuung nach einer Saison, „in der wir für viele schon von vornherein als Absteiger gegolten haben“.

Dabei liegt es dem Coach fern, irgendetwas schönreden zu wollen, „das war in dieser Runde wirklich Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Sekunde“, sagt Braunmiller. Doch gerade diese stete Wanderung am Grat zum Abstieg habe der Mannschaft letztlich die mentale Stärke gegeben, die es braucht, um mit dem Druck vor einer alles entscheidenden Partie umzugehen.

„Im Prinzip war nach dem sechsten, siebten Spieltag jedes Spiel für uns ein Endspiel. Die Mannschaft hat gelernt, Rückschläge zu verkraften und nach Niederlagen wieder aufzustehen“, sagt der Trainer, der allerdings schon jetzt weiß: In der kommenden Saison wird es für Kuchen keinen Deut leichter, im Gegenteil: „Da kommen drei Landesligisten runter, ein Aufsteiger war auch schon in der Bezirksliga“, erläutert Braunmiller, „und wenn man sich da so umschaut, wer schon höherklassig gespielt hat, weiß man: Da ist es kaum möglich, dagegenzuhalten. Diese Clubs haben ganz andere Strukturen und Möglichkeiten. Was da schon wieder an Transfers abläuft, ist der Wahnsinn.“

Diesen Weg wolle und könne Kuchen nicht mitgehen. Nicht in der kommenden Runde, nicht in der Zukunft. „Wir werden vielmehr weiterhin auf eigene Spieler, die eigene Jugend setzen. Das ist unser Plan – und den setzen wir entschlossen um“, betont Braunmiller, „ich kenne kein anderes Team in der Bezirksliga, das so konsequent auf eigene Spieler setzt. Und wir haben das Glück, dass wir im Moment viele A-Junioren haben“.

Damit ist aber auch klar, dass Kuchen der Fluch eines jeden Ausbildungsvereins ereilt, der immer wieder seine besten Spieler abgeben muss. Aktuell muss der FTSV Top-Torjäger Yannick Ruther sowie Talent Melih Karahan in Richtung des Landesliga-Aufsteigers SC Geislingen ziehen lassen. „Als Fußballer ist das auch nachvollziehbar: Jeder Spieler muss das Maximale aus seiner Karriere machen.“

Für die neue Runde prognostiziert Braunmiller eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, „da werden fünf, sechs Vereine um den Aufstieg spielen, der Rest gegen den Abstieg“, sagt er, „Platz elf, zwölf oder 13, das könnte für uns realistisch sein“. Oder kurz formuliert: der neuerliche Klassenerhalt, am besten ohne Relegation, „wir haben den Ehrgeiz, es zu packen“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel