Aufhausen Der Sieg kaschiert kleine Wehwehchen

Trainer Fatih Ada gibt den Kindern klare Anweisungen, wie er sich die folgende Übung vorstellt.
Trainer Fatih Ada gibt den Kindern klare Anweisungen, wie er sich die folgende Übung vorstellt. © Foto: Thomas Madel
Aufhausen / Von Thomas Friedrich 28.08.2018
49 Kinder erleben beim zweiten VfB-Trainingscamp in Aufhausen drei ereignisreiche Tage.

Kinder zwischen 7 und 14 Jahren brauchen klare Ansagen. „Team Blau stellt sich hier an“, sagt Trainer Fatih Ada und zeigt auf die Grundlinie. Auch die Gegenmannschaft soll die Ohren spitzen. „Gelb hört auch zu, ich erklär’s nur einmal.“ Die Übung ist nicht ganz einfach, es geht um so etwas wie eine Mischung aus Baseball und Völkerball.

Ein Spieler der Mannschaft an der Grundlinie kickt den Ball weg und läuft an. Er muss diverse Übungen absolvieren, dazwischen gibt es immer wieder einen Kreis, in dem er save ist. Die Gelben versuchen den Ball so schnell wie möglich zu kontrollieren und in ein kleines Tor zu bugsieren. Sobald der Ball im Tor liegt,  unterbricht Ada den Betrieb. Nur die Spieler von Team Blau, die im sicheren Kreis stehen, dürfen weiter machen. Alle anderen sind „ab“ und müssen zur Grundlinie zurück. Für jeden Spieler, den sie sicher ins Ziel bringt, bekommt die Mannschaft einen Punkt. Nach vorgegebener Zeit tauschen beide Teams ihre Plätze.

Der Trainer geht den Kleinen mit Tipps zur Hand. „Schieß den Ball so weit weg wie du kannst, damit deine Mitspieler Zeit haben, bis zum nächsten sicheren Platz zu laufen.“ Felix läuft ins Ziel und reißt die Arme hoch. Er hat den ersten Punkt für die Blauen geholt. Ada tut sich schwer, das gesamte Treiben auf dem Viereck zu verfolgen. Der Nebel erschwert die Sicht, „man sieht ja gar nichts mehr“, stellt der Trainer fest. Von den Kleinen sei jetzt „Koordination extreme“ gefordert. Und Bewegung. Bei 13 Grad und Nieselregen wird’s sonst ungemütlich. Einige Väter stehen in dicken Winterjacken am Spielfeldrand und beobachten fröstelnd das Treiben ihrer Kinder. „Das ist halt Aufhausen“, sagt Leonie Rucht mit einem Schuss Fatalismus.

Die Jugendleiterin des SV Aufhausen hat entgegen ursprünglichen Planungen das VfB-Camp schon dieses Jahr wieder in den Ort geholt. Ursprünglich stand das Projekt nur im Zweijahres-Rhythmus auf der Agenda, da im Vorjahr 15 Kinder auf der Warteliste standen, gab es die zweite Auflage eben ein Jahr früher. Auf dem Platz wird jetzt gewechselt.

Team Blau hat sieben Akteure ins Ziel gebracht und führt damit 7:0. Bei den Gelben läuft’s besser. Sie nehmen den Tipp des Trainers ernst, den Ball möglichst weit wegzuschießen. Diego aus Laichingen fliegt im Grätsch-Schritt über die Ziellinie und zeigt seinem Papa mit einer Mischung aus Schmerz und Stolz einen leicht lädierten Oberschenkel. Fatih Adas Mitleid hält sich in Grenzen. „Wie lautete die Übung: Ins Ziel laufen oder grätschen?“, fragt er den Kleinen.

Die Information über den Zwischenstand lässt Diegos Schmerz schnell abklingen. „Es steht 8:7 für uns? Dann haben wir ja schon gewonnen“, stellt er mit einem breiten Grinsen fest. Stimmt. Das dreitägige Camp mit drei Jugendtrainern des VfB Stuttgart hat auch einen gewissen Wettkampfcharakter. Den wollen Kinder nicht missen. Sie sehen sich besonders gerne als Sieger. Die Unterlegenen brauchen Trost. „Ihr habt es trotzdem sehr gut gemacht“, lobt Ada das blaue Team.

Nach einer kurzen Pause, die Ada und Kollegen mit einem WM-Quiz füllen, geht’s schon wieder weiter. Diesmal schart der Coach die Kinder im Kreis um sich. Jedes von ihnen soll fünf Sprünge am Stück auf demselben Bein absolvieren. Wer es geschafft hat, darf sich einen Ball holen. Ein Kind klagt nach absolvierter Übung, keinen Ball zu haben. „Vorhin hattest du noch einen“, sagt der Trainer und fragt was passiert sei. „Hast du ihn etwa gegessen?“ Humor hat der Mann, zur Nahrungsaufnahme brauchten die Kinder in Aufhausen kein Leder. Eine gesunde Verpflegung war im Preis inbegriffen.

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