Steffen Jäger ist Medienprofi. Der Vizepräsident des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) war jahrelang Bürgermeister. Er kann viel reden, ohne wirklich etwas zu sagen. Rhetorische Klippen umschifft er mit komplizierten Satzkonstruktionen. Er sagt nicht: Wir sind enttäuscht, dass sich so wenige Vereine an der digitalen Zukunftsdiskussion des WFV beteiligt haben. Er sagt: „Wir hätten uns die Beteiligungsplattform intensiver genutzt vorgestellt.“

Wenn Jäger deutlich wird, hat das einen Grund. So wie am Mittwoch, als es um das Spielsystem der Herren ging – also wie die Ligen innerhalb es Verbands gegliedert sind. „Das Spielsystem braucht eine Weiterentwicklung“, sagte Jäger. Natürlich nicht einfach so. Der Vizepräsident hatte eine Präsentation vorbereitet. Statistiken, Graphen, Erklärungen, die seine Aussage stützen.
Die Präsentation deckt sich mit dem Abschlussbericht der internen Kommission „Verbandsstruktur“ des WFV. 26 Funktionäre hatten sich damit befasst, wie der Verband in Zukunft aussehen soll. Sie erarbeiteten Pläne, sprachen auf acht Regionalkonferenzen mit Vereinen. Der Prozess dauerte zwei Jahre.  Jäger war einer der Vorsitzenden der Arbeitsgruppe. „Wir können den Bericht heute mit gutem Gewissen und etwas Stolz vorstellen“, sagt er.

Probleme des WFV: Weniger Vereine, verzerrter Wettbewerb

Das Werk hat 26 Seiten, sechs Gliederungspunkte. Unter Punkt zwei, „Ausgangssituation“ sind so ziemlich alle Probleme zusammengefasst, die der Fußball in Württemberg hat. Eine Kurve veranschaulicht den Rückgang der Amateurvereine. Eine Statistik offenbart den zunehmenden Mangel an Jugendteams. Ein Liniendiagramm zeigt, dass in manchen Bezirken über 200 kompetitive Herren-Mannschaften beheimatetet sind, während andere Bezirke nicht einmal auf 100 kommen. Vereinssterben, verzerrter Wettbewerb – Probleme, die der WFV schleunigst lösen will. Die er auch lösen muss, meint Jäger. „Wir werden von den Vereinen wahrgenommen, als die Institution, die die Aufgabe hat, einen guten, funktionierenden und zukunftsfähigen Spielbetrieb zu gewährleisten.“

Kreis Göppingen

Ligensystem des WFV: Das ändert sich im Bezirk Donau/Iller

Nur wie sieht ein guter, funktionierender und zukunftsfähiger Spielbetrieb aus? Die Kommission hat einen Vorschlag. Das Ligensystem soll geändert werden. Statt 1-4-16 – einer Verbandsliga, vier Landesligen, 16 Bezirksligen – würde nach einem 1-4-12-System gespielt. Also mit vier Bezirksligen weniger. Folge: Einige Spielbezirke wachsen, einige werden umstrukturiert, einige verschwinden komplett.
Das Modell basiert auf den Schiedsrichtern, die sich im Verband in 39 Gruppen aufgeteilt haben. Im Bezirk Donau/Iller gibt es drei: Ulm/Neu-Ulm, Blautal/Lonetal, Illertal. Vereine, die im Gebiet einer Schiedsrichtergruppe liegen, betrachtete die Kommission als Einheit. Dann teilte sie die 39 Einheiten in 12 Bezirke auf. Das Ergebnis: Der Bezirk Donau/Iller bekäme die Vereine der Schiedsrichtergruppe Ehingen hinzu, die momentan im Bezirk Donau spielen. Damit würden 32 zusätzliche Teams der Donau/Iller-Gruppe angehören.
Was bedeutet die potenzielle Neugliederung für die Teams? In erster Linie: längere Fahrten. Die Vereine liegen tendenziell weiter auseinander. Allerdings würde der Vorschlag die Anzahl der Mannschaften in den verschiedenen Bezirken angleichen. Der Wettbewerb wäre damit fairer. Theoretisch. Wie die Praxis aussieht, muss sich noch zeigen. Die Kommission schlägt vor, sich mit der Umstrukturierung Zeit zu lassen. Mindestens zwei bis drei Jahre.
Kommentar zum Fußball-Saisonabbruch Endlich! Ein Vorschlag, der Sinn macht und fair ist

Ulm

Regionalkonferenzen des WFV: 1-4-12-Modell stößt auf Zustimmung

Wenn es überhaupt umgesetzt wird. Die Kommission kann nur vorschlagen, nicht entscheiden. Das passiert erst am Verbandstag. Termin: 8. Mai 2021. Die Umfragen bei den Regionalkonferenzen deuten aber darauf hin, dass die Mehrheit der Vereine den Vorschlag der Arbeitsgruppe befürwortet. Insgesamt stimmten 71 Prozent der Teilnehmer für das neue Modell.

Auch die zweite Idee der Arbeitsgruppe wurde überwiegend angenommen: Die gesamte Verbandsstruktur dann an das neue Spielsystem anzupassen. Vizepräsident Jäger ist zufrieden: Er sei überzeugt, dass der Komissionsbericht es ermögliche, eine objektive Diskussion  über Spielsystem und Strukturen zu führen. Klar sei: Ein „Weiter so“ im WFV dürfe es nicht geben.

Änderung des Spielsystems der Jugend bereits in der kommenden Saison


Jugend Bei den Nachwuchsfußballern wird das Spielsystem bereits zur Saison 2020/21 umgestellt. Bei den A- und B-Junioren wird, trotz der Corona-Krise, wie geplant das Spielsystem auf ein „1-3-9“ verändert und in Folge dessen eine eingleisige Verbandsstaffel und drei Landesstaffeln gebildete. Bei den C-Junioren verbleibt es für ein weiteres Jahr bei vier Landesstaffeln unterhalb der neu einzuführenden eingleisigen Verbandsstaffel. Aufgrund des Saisonabbruchs durch die Corona-Krise wird es aus der zur Hälfte gespielten Runde 2019/20 keine Absteiger geben. In Sachen Aufstieg gilt für die Jugendmannschaften wie bei den Aktiven Herren und Frauen ebenfalls die Quotientenregelung. Allerdings mit der Maßgabe, dass bei Quotientengleichheit – anders als bei den Aktiven – weder Tordifferenz noch die Anzahl der geschossenen Tore Beachtung findet, sondern allen Teams mit demselben Quotienten der Aufstieg ermöglicht wird. dine