Interview U20-Trainer Frank Wormuth über Talente, Trophäen und Frank Schmidt

Mit dem bisherigen Abschneiden seines Teams zufrieden: U-20-Nationaltrainer Frank Wormuth.
Mit dem bisherigen Abschneiden seines Teams zufrieden: U-20-Nationaltrainer Frank Wormuth. © Foto: Eibner
Heidenheim / THOMAS GRÜNINGER 12.10.2015
Länderspiel in Heidenheim: Die deutsche U-20-Nationalmannschaft trifft am Dienstagabend in der Voith-Arena im Rahmen des „Mercedes-Benz-Elite-Cup“ auf England (18 Uhr). Trainer Frank Wormuth erzählt über Ziele und Erwartungen – und über seine Erfahrungen als Ausbildungsleiter für Fußball-Lehrer.
Frank Wormuth, die deutsche A-Nationalmannschaft hat das WM-Qualifikationsspiel gegen Georgien am Sonntag mit Mühe 2:1 gewonnen. Was sagt der U-20-Nationaltrainer dazu?

Ich kann dazu nicht viel sagen, weil ich das Spiel gar nicht gesehen habe. Wir waren am Sonntagabend mit der U-20-Mannschaft im Rahmen von Teambildungsmaßnahmen unterwegs. Das war schon vorher geplant, und wir hatten ehrlich gesagt auch nicht gedacht, dass dieses Spiel noch für die Qualifikation von Bedeutung sein könnte.

Wie intensiv ist eigentlich die Zusammenarbeit der DFB-Nachwuchstrainer mit Bundestrainer Jogi Löw? Wie oft treffen Sie sich?

Zwar treffen wir uns nicht so häufig persönlich, tauschen uns aber regelmäßig aus. Der Kontakt geschieht vor allem intensiv über Co-Trainer Hansi Flick.

In Heidenheim treffen am Dienstagabend im Rahmen des „Mercedes-Benz-Elite-Cup“ die U-20-Teams von Deutschland und England aufeinander. Das ist eine Art Finale um den Turniersieg. War es zu erwarten, dass sich diese beiden Mannschaften durchsetzen oder lässt sich so etwas auf dieser Ebene nicht voraussagen?

In diesem Bereich lassen sich da wirklich keine Voraussagen machen. Das hat man in diesem Jahr auch bei der WM in Neuseeland gesehen. Da trifft man auf eine Mannschaft wie Honduras und muss sich gewaltig ins Zeug legen. Im Nachwuchsbereich geht es prinzipiell eng zu. Wenn man mit Leuten zu tun hat, die zehn Jahre älter sind, dann sieht man allerdings, dass da eine ganz andere Erfahrung und Cleverness vorhanden ist, um den Spielrhythmus zu finden. In jungen Jahren ist das noch nicht so.

Wie waren Sie denn bisher beim "Mercedes-Benz-Elite-Cup" mit dem bisherigen Auftreten Ihrer Mannschaft zufrieden?

Der aktuelle Kader besteht aus sieben Regionalliga-Spielern und weiteren sieben Drittliga-Spielern. Da kann man sich ausrechnen, wie groß die Zahl derer ist, die man als gestandene Bundesliga-Spieler bezeichnen kann. Im vergangenen Jahr war das noch anders. Deswegen hatte ich diesmal zunächst bescheidene Erwartungen. Um so schöner ist es, nun zu sehen, wie schnell sich die Jungs gefunden und unsere Spielidee umgesetzt haben.

Warum ist das so, dass in diesem Jahr so wenige Spieler aus Bundesliga-Teams der U-20-Nationalmannschaft angehören?

Es wird immer schwieriger, aus dem Nachwuchs-Leistungszentrum heraus direkt den Sprung in ein Bundesliga-Team zu schaffen. Da sind viele Positionen einfach schon mit jungen Leuten besetzt.

Ist die Dichte an guten Nachwuchsspielern die Frucht für die intensive Förderung des Nachwuchses, die vom DFB vor einigen Jahren gezielt angegangen wurde?

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen DFB und den Ligen gibt es in der Tat inzwischen eine hohe Anzahl an Talenten. Aber dafür sollten wir uns nicht selbst beweihräuchern. Ich bin durch meine Trainer- und Ausbildertätigkeit auch viel im Ausland unterwegs, und ich muss klar sagen: Die anderen Nationen schlafen da ebenfalls nicht. Denken Sie nur mal, was die Schweiz an Talenten hervorgebracht hat. Allein vier Schweizer Torhüter spielen in der Bundesliga. Die Niederlande bringt seit Jahren hervorragende Spieler heraus. Wir müssen an unseren Nachwuchs-Schulen dasselbe erreichen, was man auch im Ausland schon hinbekommt.

Wie wichtig wäre der Turniersieg für Sie und die Mannschaft?

Für mich geht's da im Prinzip um die goldene Ananas. Da wir aber schon genug Früchte in unserem Kühlschrank haben, spielt der Titel aus meiner Sicht keine Rolle. Es geht darum, Spiele zu gewinnen und darum, dass ich mit der Art und Weise zufrieden bin, wie wir uns präsentieren und Spieler zum Einsatz bringen, die sich für die U 21 empfehlen. Kleinere Pokale haben wir schon genügend gewonnen. Im vergangenen Jahr wurden wir in diesem Wettbewerb Zweiter, das Jahr davor Erster . . .

Vor fünf Jahren spielte die U 20 schon einmal in Heidenheim, gewann gegen die Schweiz mit 2:0. Der einzige Spieler, der von damals den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffte, war Karim Bellarabi. Sollte die Quote nicht höher sein?

Man muss natürlich sehen, dass die sehr guten Spieler meistens gar nicht in der U 20 spielen, sondern direkt von der U 19 den Sprung in die U 21 schaffen. Insofern wird sich die Zahl der Nationalspieler, die mal U 20 spielten, immer in Grenzen halten. Dennoch gibt es Beispiele: Christoph Kramer etwa, Patrick Hermann, Shkodran Mustafi oder wie erwähnt Bellarabi.

Gab es beim 1. FC Heidenheim keine Spieler, die aktuell für eine Berufung ins U20-Team des DFB in Frage gekommen wären?

Wir sind die Listen durchgegangen und haben keine Spieler aus dem Jahrgang 1995/96 entdeckt, die für Heidenheim schon in der 2. Liga zum Einsatz kamen. Ich denke, es ist schon notwendig, dass man auch in der Liga gespielt hat, bevor man im Nationalteam zum Zuge kommen kann.

Noch kurz ein paar Fragen zur Ihrer Tätigkeit als Leiter der Fußballlehrer-Ausbildung in Köln. FCH-Trainer Frank Schmidt ist ja auch durch Ihre Hände gegangen. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Frank hat nie etwas vorgespielt, er war immer der, der er tatsächlich ist. Das heißt, er ist immer authentisch, hat einen klaren Plan, eine klare Struktur. In dem Film „Trainer““ konnte er ja einem breiten Publikum zeigen, was er draufhat.

In diesem Film haben Sie ja auch das Wort „Feldwebel“ in Bezug auf Frank Schmidt verwendet. Was haben Sie damit konkret gemeint?

Haben Sie gedient?

Jawoll!

Ich auch. Dann wissen Sie ja, wie es beim Militär zugeht. Da gibt es klare Ansagen, eine hohe Intensität in der Ansprache. Dinge werden punktgenau artikuliert. Ein Vorgesetzter erzählt keine langen Storys oder Märchen.

Aus Ihrer Sicht war der Begriff „Feldwebel“ also ausschließlich positiv gemeint?

Absolut! Ich würde nie etwas Negatives über einen Kollegen sagen.

Frank Schmidts Jahrgang 2010/11 gilt ja als goldener Jahrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie. Aktuell sind mit Roger Schmidt (Leverkusen), Markus Gisdol (Hoffenheim) und Markus Weinzierl (Augsburg) drei Trainer von damals als Cheftrainer in der Bundesliga beschäftigt. Gibt es eine Erklärung für diesen außergewöhnliche Entwicklung?

Wir haben das reflektiert und sind zur Erkenntnis gekommen, dass wir in 2010/11 besonders gut waren (lacht). Nein, im Ernst: es gibt eben Phasen im Leben, da trifft alles zusammen, was gut zusammenpasst. So war das damals, im Grunde ein Zufall – obwohl ich das Wort Zufall eigentlich nicht mag.



U20: Am Dienstag geht's um Platz eins

In der Voith-Arena geht mit dem Spiel zwischen Deutschland und England am Dienstag, 13. Oktober, um 18 Uhr der „Mercedes-Benz-Elite-Cup“ zu Ende. Vier U-20-Nationalmannschaften beteiligten sich an diesem Turnier, wobei die Türkei und Niederlande nach jeweils zwei Niederlagen keine Rolle mehr spielen. Deutschland gewann die beiden bisherigen Partien gegen die Türkei mit 1:0 und gegen Niederlande mit 2:1. Auch England war zweimal erfolgreich. So gesehen gibt es nun also ein echtes Finale, wobei England (5:2) gegenüber Deutschland (3:1) derzeit aufgrund des besseren Torverhältnisses bei jeweils sechs Punkten die Tabelle anführt. 

Trainiert wird die deutsche U 20 seit 2010 von Frank Wormuth. Der 55-Jährige ist seit 2008 auch Leiter der Fußballlehrer-Ausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln und trainierte früher Fenerbahce Istanbul (Co-Trainer), SC Pfullendorf, FV Ravensburg, SSV Reutlingen, Union Berlin und den VfR Aalen.
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