Heidenheim Trainer Jens Bauer hat ehrgeizige Ziele – mit dem FCH und auch ganz persönlich

Brachte den A-Junioren des FCH in der Bundesliga das Siegen bei: Jens Bauer.
Brachte den A-Junioren des FCH in der Bundesliga das Siegen bei: Jens Bauer. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Thomas Grüninger 17.02.2018
Er startete mit zwei Niederlagen, aber dann ging es mit 21 Punkten aus elf Spielen steil aufwärts. Trainer Jens Bauer hat ehrgeizige Ziele – mit dem FCH und auch ganz persönlich.

Als Jens Bauer Anfang September 2017 die A-Juniorenfußballer des 1. FC Heidenheim übernahm, hatte der Bundesliga-Aufsteiger aus den ersten vier Spielen gerade mal ein Pünktchen ergattert. An dieser mageren Ausbeute änderte sich zunächst auch in den beiden folgenden Spielen nichts: Sowohl beim SC Freiburg (1:2) als auch gegen den Karlsruher SC (0:2) mussten sich die Heidenheimer geschlagen geben und fielen auf den letzten Tabellenplatz zurück. Das Unternehmen Trainerwechsel (Jens Bauer löste Benjamin Götz ab) schien nicht zu fruchten.

Dann aber legten die Junioren richtig los. Der folgende 2:0-Sieg bei der SpVgg Greuther Fürth sollte sich als „Wendepunkt“ erweisen, wie Bauer in der Nachbetrachtung feststellen durfte. Aus den letzten elf Spielen holten die FCH-A-Junioren 21 Punkte und kletterten von Rang 14 auf Position 7 hoch.

Höhepunkt: Sieg gegen Bayern

Geschlagen wurde dabei alles, was Rang und Namen hat: vom VfB Stuttgart über Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg bis hin zur nobelsten deutschen Fußball-Adresse, dem obersten Nachwuchs des Rekordmeisters Bayern München. Verloren wurde lediglich noch gegen Spitzenreiter TSG Hoffenheim (0:5) und vorige Woche beim FC Augsburg (0:3).

Wie ist der Aufschwung zu erklären? „Wir haben uns im Trainerteam darauf besonnen, die Tugenden des Vereins neu herauszustellen: Dass wir ans Limit gehen, dass jeder einzelne zählt und nicht nur die ersten Elf. Und natürlich ist nach dem etwas ernüchternden Saisonstart mit den ersten Erfolgen auch das Selbstvertrauen gewachsen“, sagt Bauer. Der 25-Jährige betont aber auch: „Saisonziel bleibt der Klassenerhalt.“

Der aus Jettenburg bei Reutlingen stammende A-Lizenz-Inhaber übernahm beim FCH eine ehrgeizige A-Juniorentruppe mit insgesamt 23 Spielern, die alle ein Ziel haben: Profifußballer zu werden. Wenn man so einen Aufwand betreibt, könne es keine andere Perspektive geben, sagt Bauer. Sechs Mal in der Woche bittet er seine Schützlinge zum Training, zweimal vormittags. Wird am Samstag gespielt, steht am Sonntag noch ein Regenerationstraining an.

Der Ehrgeiz der Spieler deckt sich mit dem Ehrgeiz des Trainers. Bauer will in den nächsten drei bis vier Jahren die Fußballlehrer-Lizenz erwerben, um eines Tages auch im Erwachsenenbereich einen Profiklub trainieren zu können. „Von den Spielern verlangt man, dass sie sich weiterentwickeln. Das sollte man dann auch von sich selbst erwarten“, sagt er. Immer schon habe er angestrebt, eines Tages im Profibereich zu landen. Als Fußballer musste er diese Pläne verletzungsbedingt früh aufgeben, als Trainer hingegen hat er sie weiter im Fokus.

Bauer ist schon im zweiten Jahr beim FCH tätig. Alles begann damit, dass er im Rahmen seines Studiums der Sportwissenschaften an der Uni Stuttgart ein Praxissemester beim FCH absolvierte. Im Sommer 2016 wurde daraus eine Festanstellung. Bauer übernahm die U 15 des FCH, führte sie als Meister der Landesstaffel direkt in die Oberliga und wäre um ein Haar noch durchmarschiert in die Regionalliga (Platz drei, punktgleich mit dem Spitzenreiter).

Im September vergangenen Jahres trennte sich dann der FCH nach schwachem Saisonstart vom bisherigen A-Juniorentrainer Benjamin Götz und bot Bauer an, das Team zu übernehmen. Der Rest ist bekannt: Die Heidenheimer haben im Augenblick alle Trümpfe in der Hand, den angestrebten Ligaverbleib zu realisieren. „Ich wusste, dass wir es schaffen können. Sonst hätte ich die Aufgabe nicht übernommen“, sieht er sich in seiner Einschätzung bestätigt.

Bauer, der einst als Torhüter beim Kreisligisten TSV Eningen/Achalm auch schon Erfahrungen als Spielertrainer sammeln durfte, weiß, dass der Erfolg auch in der A-Junioren-Bundesliga kein Selbstgänger ist, wie auch die jüngste 0:3-Niederlage in Augsburg unterstreicht. „Es ist utopisch zu meinen, dass wir jedes Spiel gewinnen werden, obwohl wir grundsätzlich anstreben, jedes Spiel gewinnen zu wollen.“ Auch gegen den FC Bayern München sei man nach dieser Devise verfahren, habe versucht, den großen Namen auszublenden – am Ende stand ein 3:2-Sieg und zugleich die erste Niederlage für die von Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß) betreuten Bayern.

Als Nachwuchstrainer im Unterbau eines Zweitligisten verfolgt Bauer neben einem guten Abschneiden mit der Mannschaft aber auch das Ziel, soviele Spieler wie möglich in den Profibereich zu führen. Regelmäßig gibt's Gespräche mit Frank Schmidt, den er neben Ralf Rangnick auch als sein Trainer-Vorbild bezeichnet. Immer wieder auch dürfen Junioren als besondere Auszeichnung bei den Profis mittrainieren. Drei von ihnen reisten mit ins Wintertrainingslager nach Spanien.

Am Sonntag gegen Freiburg

Wenn der FCH-Nachwuchs nun am morgigen Sonntag den SC Freiburg empfängt (10.30 Uhr, Kunstrasenplatz West), dann schließt sich für Bauer gewissermaßen ein Kreis. Gegen Freiburg stand er bei den A-Junioren erstmals an der Seitenlinie – und so gesehen wäre es auch für ihn eine persönliche Genugtuung, könnte die 1:2-Niederlage von damals wettgemacht werden. Doch gegen den aktuellen Tabellendritten steht für Bauer allein der mannschaftliche Erfolg im Brennpunkt: „Wir sind daheim 2018 noch ungeschlagen, und so soll es auch bleiben.“

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