Relegation TKSV schlägt TSG Giengen

EDGAR DEIBERT 13.06.2014
Ein denkwürdiges Relegationsspiel sahen am Freitagabend etwa 500 Zuschauer auf dem Herbrechtinger Sportplatz. Mit 3:0 besiegte der TKSV Giengen seinen Stadtrivalen TSG und steigt als Vizemeister der Staffel B 6 doch noch in die Kreisliga A 3 auf. Die TSG Giengen muss dagegen den bitteren Weg in die unterste Spielklasse antreten.
Das Spiel in der Video-Zusammenfassung:





Szenen nach dem Spiel:



Dieses Relegationsspiel war ohne Frage etwas besonderes. Mit dem TKSV und der TSG aus Giengen trafen nicht nur zwei Mannschaften in einem K.-o.-Spiel aufeinander. Beide kommen auch aus derselben Stadt. Während die TSG Giengen den Abstieg aus der Kreisliga A 3 doch noch verhindern wollte, strebte der TKSV (Vizemeister der Staffel B 6) mit aller Macht den Aufstieg in eben jene Klasse an.

Und die „jungen Wilden“ machten von Beginn an mehr fürs Spiel, die TSG blieb zwar über Konter gefährlich, verpasste es aber sich selbst gute Tormöglichkeiten herauszuspielen. So gab es den ersten Aufreger der Partie vor dem TSG-Tor: Nach einem langen Ball auf Michael Vetter bediente dieser Osman Kubilay Demircioglu, dessen Schuss aber Robert Tkalec mit dem Fuß abwehrte. Auch den Nachschuss von Vetter parierte der TSG-Torwart glänzend (28. Minute). In der Folge drückte der TKSV weiter, doch wiederum Vetter legte den Ball sowohl am TSG-Keeper als auch am Tor vorbei (40.).

Das Anrennen des TKSV sollte jedoch belohnt werden. Kurz vor dem Halbzeitpfiff wurde TKSV-Angreifer Ahmet Dereli von Jan Napieralsi im Strafraum unfair von den Beinen geholt. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter und zugleich Notbremse, was eine rote Karte für Napieralski nach sich zog. Den fälligen Strafstoß verwandelte Vetter zur 1:0-Pausenführung.

„Der Elfmeter war berechtigt, da gibt es nichts daran zu rütteln“, räumte TSG-Trainer Michael Fedchenheuer ein, zweifelte jedoch daran, dass Napieralski tatsächlich letzter Mann gewesen sei und der Feldverweis somit zwingend notwendig war. Der Elfmeter habe dem Spiel eine andere Richtung gegeben. „Meine Mannschaft befindet sich insgesamt in einer mental schwierigen Situation. Dadurch wurde es für uns sehr schwer“, so Fedchenheuer.

Der Gefoulte selbst sah es anders: „Meiner Meinung war es eine Notbremse“, erklärte Ahmet Dereli, der jedoch nicht selbst zum Strafstoß antreten wollte. „Ich hatte Bedenken, da ich zuletzt auch einen Elfmeter verschossen hatte“, so der 25-Jährige.

Die Verantwortung übernahm Michael Vetter, der aufgrund einer Verletzung mit einem Kopfverband auflief. „Ich wollte mir die Partie nicht entgehen lassen und unbedingt spielen“, erklärte der 22-Jährige, bei dem am vergangenen Mittwoch eine Platzwunde am Backenknochen mit drei Stichen genäht werden musste.

Nach dem Seitenwechsel stellte TSG-Trainer Fedchenheuer um und ließ nur noch mit einem Stürmer weiterspielen. In den ersten Minuten der zweiten Halbzeit merkte man der TSG nicht an, dass sie in Unterzahl agierte. Dennoch verpasste sie es weiterhin Torchancen zu kreieren. Lediglich zwei Schüsse von Tolga Yasar brachten Gefahr fürs TKSV-Tor (50., 52.). Auf der Gegenseite traf Vetter nur den Außenpfosten.

In der 64. Minute musste ein weiterer TSG-Spieler den Platz verlassen. Konstantinos Tagalidis sah für ein Foul an Dereli die gelb-rote Karte. Erst sieben Minuten zuvor hatte der TSG-Kapitän wiederum Dereli festgehalten und wurde dafür mit der gelben Karte verwarnt. Auch in der 70. Minute stand Dereli im Mittelpunkt. Nach einem Foul an ihm kam der Ball nach dem fälligen Freistoß in den TSG-Sechzehner zu Muhamet Kadriya, der auf 2:0 erhöhte.

Mit zwei Mann weniger auf dem Platz gab die TSG Giengen zwar nicht auf, tat sich aber natürlich sehr schwer im Spiel nach vorne. Der TKSV dagegen nutzte den sich ihm bietenden Platz und ließ den Ball in den eigenen Reihen laufen. Kurz vor Schluss krönte Ahmet Dereli seinen Auftritt mit dem Treffer zum 3:0-Endstand. „Sie war ganz okay“, sagte der Matchwinner zu seiner Leistung. „Ich denke, dass ich in den wichtigen Momenten da war. Insgesamt bin ich aber zu wenig gelaufen“, äußerte sich Dereli auch selbstkritisch.

„Letztlich hat der unbedingte Siegeswille den Ausschlag zu unseren Gunsten gegeben“, erklärte Ibrahim Pirincci. „Die TSG war bisher fußballerisch immer die Nummer eins. Nun hoffe ich, dass wir es für lange Zeit sein werden. Wir Jungs vom TKSV haben schon zusammen auf dem Bolzplatz gekickt“, fügte der TKSV-Kapitän, der selbst einst in der TSG-Jugend groß geworden ist, an.

Auch Adem Acikgöz räumte ein, dass „der TKSV den größeren Willen zum Sieg gehabt hat“, so der Leiter der TSG-Fußballabteilung. Ob es aber eine Wachablösung im Giengener Fußball ist, müsse die Zukunft zeigen, fügte der 45-Jährige an.

TKSV: Kocar; A. Kadriya, M. Kadriya, Caliskan, Pirincci, Alay (79. Cancardas), Tosun (56. Appel), Sakacilar, Demircioglu (86. Leoff), Vetter, Dereli

TSG: Tkalec; Frey, Sert, Tagalidas, Gashi, Ertürk, Napieralski, Kum, Jäger (46. Kirsch), Yasar, Greiner

Tore: 1:0 Vetter (45./Foulelfmeter), 2:0 M. Kadriya (70.), 3:0 Dereli (87.)