Vorschau Stoppt der Pokalsieger „König“ Joe?

Immer den Ball im Blick: Ebnats Top-Stürmer Gioacchino "Joe" Colletti (rechts, hier beim Gastspiel in Hermaringen) wird aller Voraussicht nach erneut Torschützenkönig der Bezirksliga.
Immer den Ball im Blick: Ebnats Top-Stürmer Gioacchino "Joe" Colletti (rechts, hier beim Gastspiel in Hermaringen) wird aller Voraussicht nach erneut Torschützenkönig der Bezirksliga. © Foto: Edgar Deibert
Kreis Heidenheim / EDGAR DEIBERT 08.06.2015
Wo soll man da bloß zuerst hinschauen? Am letzten Spieltag buhlen in der Bezirksliga noch immer vier Teams um den Aufstieg. Die beste Ausgangslage hat dabei Tabellenführer Ebnat um Top-Torjäger Gioacchino "Joe" Colletti. Doch auch Hofherrnweiler, Sontheim und Neresheim haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Alle Spiele werden um 15 Uhr angepfiffen.

Der Mann ist in der Fußball-Bezirksliga ein Ausnahmespieler, ohne Frage. Gioacchino Colletti, von allen einfach nur Joe genannt, steht sinnbildlich für den Erfolg des Spitzenreiters SV Ebnat. Bereits in der vergangenen Saison war der 30-Jährige Torschützenkönig der Liga (43 Treffer laut Fussball.de, 45 sind es laut Fupa), allerdings scheiterte Ebnat damals als Tabellenzweiter (hinter Meister SG Bettringen) in der Aufstiegs-Relegation.

Davon hat sich das Team des scheidenden Trainers Jens Rohsgoderer (in der kommenden Saison übernimmt Sven Trouerbach, zurzeit noch bei der TSG Nattheim) allerdings nicht beirren lassen. Vor dem letzten Spieltag der laufenden Saison belegen die Ebnater – mit zwei Punkten Vorsprung auf die Verfolger – Rang eins.

Auch dank der Treffsicherheit von Stürmer Colletti, der mit zurzeit 42 Treffern sicher erneut Torschützenkönig wird. „Wir stehen mit einem Bein in der Landesliga“, weiß der Angreifer. Was zur Meisterschaft noch fehlt? Eigentlich nur ein einziger Punkt im Heimspiel gegen die TSG Schnaitheim. Dank der ausgezeichneten Tordifferenz (+ 50) wäre Ebnat dann wohl endgültig „durch“.

Die Voraussetzungen für mindestens einen Punktgewinn sind dabei hervorragend. Zum einen hat die TSG am vergangenen Donnerstag – trotz des 2:0-Sieges – im Pokalfinale gegen den SV Neresheim Kraft gelassen. Zum anderen ist der SV Ebnat extrem heimstark und musste in dieser Spielzeit vor eigenem Publikum lediglich eine Niederlage hinnehmen (1:2 gegen Neuler). „Wir werden gegen Schnaitheim unser Spiel machen“, ist Colletti überzeugt und fügt an: „Es wäre natürlich die Krönung, zu Hause zu gewinnen, um anschließend mit unseren Fans zu feiern.“

Doch der Ausnahmestürmer, der für weitere zwei Jahre dem SV Ebnat zugesagt hat, findet auch warnende Worte: „Schnaitheim hat eine sehr starke Mannschaft, die uns das Leben sicher schwer machen wird.“ Colletti meint damit zum einen die Offensive mit dem zweifachen Torschützen im Bezirkspokalfinale, Matthias Kolb („Auf ihn müssen wir aufpassen“), aber auch die Defensive der TSG: „Nowacki und Gentner sind sehr gute Abwehrspieler“, weiß er aus Erfahrung.

Der TSG Schnaitheim, für die es in der Liga um nichts mehr geht, ist dabei bewusst, was für die Spitzenteams auf dem Spiel steht. „Wir werden alles geben“, betont etwa Rainer Kosian. „Schließlich wollen wir uns nichts vorwerfen lassen“, fügt der Schnaitheimer Trainer an. Zudem haben die Schnaitheimer durch den Pokalerfolg sicher neuen Schwung bekommen.

Wie das Spiel auch ausgeht. „Joe“ Colletti wird sich auf jeden Fall erneut die Torjägerkanone schnappen. „Ich bin zufrieden. Mein Ziel von 40 Toren habe ich erreicht“, erzählt der Ebnater Angreifer.

Ob er den Rekord aus der vergangenen Saison knacken wird? „Das wird sehr schwer“, fügt Colletti, der in Schwäbisch Gmünd lebt, an. Darauf komme es aber nicht an. „Wir wollen den Titel. Damit sich unser Trainer als Meister verabschieden kann“, so der Angreifer.

Rang zwei – und damit den Relegationsplatz – belegt momentan die TSG Hofherrnweiler. Am vergangenen Spieltag stürzte die Mannschaft von Trainer Stefan Schill den Tabellenführer Neresheim und siegte 2:0. Ein schlechtes Gewissen, dass Neresheim auf Platz vier durchgereicht wurde? Nein, das hat TSG-Coach Schill nicht. „Auch wenn ich es so nicht kenne. Es ist doch schön, dass es bis zum Schluss eng ist. Das zeichnet doch den Fußball aus“, gewinnt der 29-Jährige dieser Konstellation positive Seiten ab.

Auch am letzten Spieltag könne noch alles passieren. „Auch wir könnten noch auf Platz vier zurückfallen“, erklärt Schill. Vor heimischem Publikum empfängt Hofherrnweiler die TSG Nattheim. „Wir werden Nattheim sicher nicht unterschätzen und alles in die Waagschale werfen“, betont Schill.

Doch dies wird sicher auch die TSG Nattheim beim Abschiedsspiel von Trainer Sven Trouerbach tun. „Ich an seiner Stelle würde meinem zukünftigen Verein (SV Ebnat/Anm. der Red.) einen Gefallen machen wollen und in Hofherrnweiler gewinnen“, erklärt dazu Vladimir Manislavic.

Der Trainer des FV Sontheim glaubt ohnehin, dass Ebnat sich die Meisterschaft nicht mehr nehmen lassen wird. Daher gehe es im Grunde genommen nur noch um den zweiten Platz. Besonders prickelnd: Allein die Tordifferenz könnte am Ende über die Qualifikation zur Aufstiegs-Relegation entscheiden. Hofherrnweiler hat zurzeit + 39, der FV Sontheim als Tabellendritter + 35 und Neresheim + 34. Dennoch zeigt sich Manislavic „total“ entspannt. „Natürlich wollen wir gewinnen“, erklärt der 41-Jährige vor dem abschließenden Heimspiel gegen den AC Milan Heidenheim, der als Tabellenvorletzter bereits seit einigen Wochen als Absteiger feststeht. „Aber wir müssen eben auch auf Hofherrnweiler schauen und haben es nicht selbst in der Hand.“

So manch einer spekuliert sicher auf einen hohen Sontheimer Sieg, das weiß auch Thomas Hitzler. „Bei uns ist die Luft ein wenig raus. Aber wir wollen auch keine Wettbewerbsverzerrung“, erklärt der Milan-Trainer.

Für seine Mannschaft werde es aber wohl nicht mehr als um „Schadensbegrenzung“ gehen. Dabei ist es auch das letzte Spiel für Hitzler, der ab der kommenden Saison den bayerischen Verein FC Eintracht Landshausen (A-Klasse/West 3, vergleichbar mit der Kreisliga A 3) übernehmen wird.

Bliebe da noch der SV Neresheim, der sich allerdings im Finale des Bezirkspokals der TSG Schnaitheim geschlagen geben musste. Morgen ist das Team von Peter Krusche bei den SF Lorch zu Gast. „Ein Sieg dort ist die Voraussetzung“, weiß der Neresheimer Trainer. Doch auch ihm ist bewusst: „Alles andere liegt nicht in unserer Hand.“

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