Sontheim Sontheim fiebert dem Duell mit den Stuttgarter Kickers entgegen

Ran an die Taktiktafel: Die Brüder Matthias und Marcus Mattick bilden das neue Trainergespann beim FV Sontheim. Morgen geht's im WFV-Pokal gegen die Stuttgarter Kickers.
Ran an die Taktiktafel: Die Brüder Matthias und Marcus Mattick bilden das neue Trainergespann beim FV Sontheim. Morgen geht's im WFV-Pokal gegen die Stuttgarter Kickers. © Foto: Christian Thumm
Sontheim / Edgar Deibert 03.08.2018
Außenseiter FV Sontheim möchte am Samstag, 4. August (15.30 Uhr) WFV-Pokal seine „einprozentige Chance“ gegen den haushohen Favoriten Stuttgarter Kickers nutzen.

Guido Buchwald. Jürgen Klinsmann. Zwei deutsche Fußballgrößen, die einst der SV Stuttgarter Kickers hervorgebracht hat. Beide spielten einst in der 2. Bundesliga für die Kickers, zusammen wurden sie Weltmeister 1990. Zwischenzeitlich schnupperten die „Blauen“, wie der Verein aus dem Stuttgarter Stadtteil Degerloch auch genannt wird, Bundesligaluft – in den Spielzeiten 1988/89 und 1991/92.

Lange Zeit duellierten sich die Kickers auch mit dem 1. FC Heidenheim in der 3. Liga. Doch in den vergangenen Jahren stiegen sie bis in die Oberliga ab. Bevor hier die Saison gastiert der traditionsreiche Verein in der ersten Runde des WFV-Pokals am Samstag, 4. August, beim FV Sontheim (15.30 Uhr).

Ein Außergewöhnliches Spiel für Sontheim

Für die Gastgeber, die sich durch den Aufstieg in die Landesliga und den Gewinn des Bezirkspokals für diesen Wettbewerb auf Verbandsebene quasi doppelt qualifiziert haben, ist dieses Spiel etwas außergewöhnliches.

„Das ist der Höhepunkt der Saison. In naher Zukunft wird keiner unserer Spieler gegen so eine Mannschaft antreten dürfen“, ist sich Marcus Mattick sicher. Der 28-Jährige ist neuer Spielertrainer beim FVS, Unterstützung erhält er von seinem vier Jahre älteren Bruder Matthias, der als Co-Trainer fungiert.

Alle freuen sich auf das Spiel

Vom „Traumlos“ Kickers erfuhr Marcus Mattick bei der Arbeit. „Erst dachte ich: Hä? Und dann ging's viral, alle waren begeistert.“ Und sein Bruder Matthias ergänzt: „Es war ein Wow-Effekt, auch wenn die Kickers in den letzten Jahren sportlich nicht gerade positiv aufgefallen sind. Aber wann hat man schließlich diese Möglichkeit, gegen Spieler mit Zweit- und Drittligaerfahrung zu spielen?“

Bei der Arbeit hätten sich zwei Kollegen als Kickers-Fans geoutet und scherzhaft gesagt: Bitte weiterkommen lassen, erzählt Marcus Mattick. Doch allen sei natürlich bewusst, dass die Stuttgarter Kickers eine „ganz andere Welt“ seien. „Es ist ein Traditionsverein, der unter Profibedingungen arbeitet“, sagt Matthias Mattick.

Sontheim will „gallig“ sein

„Ich bin schon realistisch: Wenn wir 100 mal gegen die Kickers spielen, verlieren wir 99 mal“, sagt Marcus Mattick und Bruder Matthias ergänzt: „Am Samstag kann ja das eine Mal sein.“ Und genau das wollen die beiden der Mannschaft mitgeben. „Wenn es eine einprozentige Chance gibt, ist es das Ziel, diese zu nutzen“, so Marcus Mattick. Er sei zudem noch nie in ein Spiel gegangen mit dem Ziel, so niedrig wie möglich zu verlieren.

„Je länger wir es schaffen das Spiel neutral zu halten, desto nervöser werden die Kickers“, ist sich Spielertrainer Marcus Mattick bewusst. Dafür sei allerdings eines nötig: Leidenschaft. „Und das kann man von uns erwarten. Marcus sagt dazu gallig sein. Und wenn es darauf ankommt, sind alle da“, so Matthias Mattick. „Wir haben schließlich auch nichts zu verlieren“, fügt Bruder Marcus an.

Gespielt wird auf dem Sontheimer Trainingsplatz

Dabei könnte der Platz zumindest ein kleiner Vorteil sein. Gespielt wird nämlich – aufgrund der Auflagen seitens des Verbands – auf dem Platz, auf dem der FV Sontheim normalerweise trainiert. Dementsprechend präsentiert sich das Geläuf teilweise uneben, von einem Rasenteppich kann keine Rede sein. „Wenn die Kickers ihre Klasse ausspielen, darf es für sie aber keine Ausrede sein“, ist Marcus Mattick bewusst.

Die Testpiel-Ergebnisse seien zwar eher durchwachsen gewesen, beim letzten Freundschaftsspiel gegen den Dorfmerkingen ließen die Sontheimer allerdings aufhorchen und mussten sich dem Verbandsligisten nur 1:2 geschlagen geben. Das Wetter spielte eine Rolle – und kam den Sontheimern eher entgegen. „Dorfmerkingen hatte Probleme mit der Hitze. Wir haben die letzten fünf Wochen viel an der Fitness gearbeitet“, erklärt Marcus Mattick, schränkt aber zugleich ein: „Ich denke nicht, dass wir fitter sind als die Stuttgarter Kickers. Aber wir sind zumindest in dem Fitnesszustand, dass wir die Räume eng machen und zumindest unangenehm sein können.“

Für die Kickers eine Generalprobe

Bei den Stuttgarter Kickers spielen die Temperaturen eher eine untergeordnete Rolle. „Es sind ja beide Seiten davon betroffen. Das wichtigste wird sein, dass die Spieler genügend Trinkpausen erhalten“, erklärt Trainer Tobias Flitsch. Der 38-Jährige betreute in der vergangenen Saison den SSV Ulm und führte die „Spatzen“ zum WFV-Pokalssieg.

Zum Gegner könne er nicht viel sagen, zuletzt habe er den FV Sontheim in der Landesliga gesehen, was einige Jahre her ist. Trotz der Favoritenstellung werde es das Spiel für die Kickers kein Selbstläufer, ist sich Flitsch sicher. „Es wird nicht ganz einfach“, so der Göppinger.

Generalprobe für die Oberligasaison

Das Pokalduell sehe er als Generalprobe für die Oberligasaison, die für die Kickers am Samstag, 11.  August, mit einem Heimspiel gegen den FC Nöttingen beginnt (14 Uhr). Für die Stuttgarter gelte es ganz schnell zusammenzufinden, um ganz oben mitzuspielen, wie es Flitsch vorsichtig ausdrückt.

Intern wurde aber sicherlich der sofortige Wiederaufstieg als Saisonziel ausgegeben. Dafür trainieren die Kickers auch unter Profibedingungen. So gibt es jeweils zwei Einheiten am Dienstag und Mittwoch, dazu jeweils eine am Donnerstag und Freitag. Und auch der Kader ist gespickt mit großen Namen. Der FV Sontheim darf sich auf Spieler wie Abdenour Amachaibou (einst 2. Liga für Regensburg), Kickers-Rückkehrer Patrick Auracher (3. Liga mit den Kickers) oder Lhadji Badiane (kommt auf Einsätze in den beiden höchsten französischen Ligen) freuen.

Neben 50 Helfern ist morgen auch ein Security-Team im Einsatz

Marcus Mattick ist Projektleiter bei Hartmann. Der 28-Jährige war bereits bei seinem Heimatverein VfB Bächingen Spielertrainer. In zwei Spielzeiten (2010/11 und 2011/12) lief er auch für den FC Gundelfingen in der Landesliga Bayern auf.

Matthias Mattick ist Lehrer an der Georg-Elser-Schule in Königsbronn (Deutsch und Geschichte). Der 32-Jährige hat gemeinsam mit seinem Bruder Marcus eine Saison (2015/16) bei der SG Bächingen/Medlingen gespielt.

Tobias Flitsch, Trainer der Stuttgarter Kickers, hat die A-Lizenz als Trainer. Beruflich ist der 38-Jährige selbstständig. Zum einen betreibt er mit einem Partner einen Sportfachhandel, zum anderen ist er mit einer Firma auf Marketing und Werbung spezialisiert.

Mit 500 bis 1000 Zuschauern rechnet der FV Sontheim. Der SV Stuttgarter Kickers geht davon aus, das 100 bis 150 Fans ihre Mannschaft vor Ort unterstützen werden.

Etwa 50 Helfer werden rund ums das Spiel im Einsatz sein, dazu eine externe Security (sechs bis acht Personen), was eine Auflage des württembergischen Fußballverbands ist. Zudem gibt es einen gesonderten Gästeeingang. ed

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