Fußball Erdal Kalin: „Ich wollte es allen beweisen“

Stets am Ball: Erdal Kalin übernimmt den TSV Essingen.
Stets am Ball: Erdal Kalin übernimmt den TSV Essingen. © Foto: Christian Thumm
Sontheim/Essingen / Edgar Deibert 27.06.2018
Vor Ostern gab es für Erdal Kalin zwei Absagen, am Ende mit Sontheim aber das Double. Nun wird er Trainer des Verbandsligisten TSV Essingen.

Freud und Leid im Fußball liegen nah beieinander. Das trifft nicht nur auf die Ereignisse auf dem Rasen zu. „Ich wollte es allen beweisen, dass wir ganz weit oben stehen können. Denn ich habe immer an das Potenzial meiner Mannschaft geglaubt“, sagt Erdal Kalin zur vergangenen Saison.

Diese hätte sportlich nicht erfolgreicher verlaufen können. Mit dem FV Sontheim gewann der Trainer nach einer fulminanten Aufholjagd die Meisterschaft in der Bezirksliga und den Bezirkspokal.

Bier- oder Sektdusche? Interview am Tischkicker mit Erdal Kalin:

In der kommenden Saison wird Kalin nun den Verbandsligisten TSV Essingen betreuen. Anfang Februar kam die erste Anfrage, wie lange sein Vertrag beim FV Sontheim noch läuft, berichtet er, Ende Mai erfolgte dann die Zusage.

Der Double-Gewinn und der Sprung in die Verbandsliga wurde bei Facebook mit dem Hashtag „kalinforpresident“ gewürdigt. Kalin selbst sind die Verfasser bekannt. „Der Hashtag kommt von einer Clique, die aus Freunden, ehemaligen Spielern von mir, die ich noch bei der TSG Giengen trainiert habe, und anderen Trainern besteht“, erzählt der 46-Jährige.

Dabei sah es Ende März so gar nicht nach einer erfolgreichen Saison aus. Vor dem Doppelspieltag am Oster-Wochenende wurde Kalin mitgeteilt, dass es für ihn beim FV Sontheim keine weitere Saison geben wird. Zudem zerschlug sich ein Angebot des TSV Langenau (Bezirksliga Donau/Iller). Bevor Kalin gewusst hat, dass es für ihn beim FV Sontheim nicht weitergehen würde, führte er nämlich auch Gespräche mit Langenau. Dies sei völlig legitim, betont Kalin. „Das machen Spieler ja auch.“

FV Sontheim hatte oberste Priorität

Nach Langenau wäre er aber nur gegangen, wenn es mit Sontheim nicht mehr weitergegangen wäre, betont Kalin. Das hätten auch die Verantwortlichen des TSV Langenau gewusst. „Oberste Priorität hatte bei mir immer der FV Sontheim“, sagt Kalin.

Allerdings habe die Langenauer Mannschaft nichts davon gewusst, dass für die kommende Saison ein Trainer von auswärts kommen soll und wollte lieber mit dem aktuellen Coach weitermachen, ohne den Namen des neuen Trainers zu kennen, erzählt Kalin. „Kurz vor Ostern war ebenfalls klar, dass ich nicht nach Langenau gehe.“

In Sontheim wiederum habe sich schon Anfang März ein Teil des Mannschaftsrats gegen eine weitere Zusammenarbeit mit ihm ausgesprochen, sagt Kalin und betont, dass nicht das komplette Team in die Entscheidungsfindung involviert gewesen sei. Natürlich weiß er, welche Spieler gegen ihn waren und auch wer der Rädelsführer war. Und er spricht von „seinen“ Spielern, also den jungen und unbekümmerten, die er gefördert und rausgebracht hat, die ihm stets den Rücken gestärkt hätten.

„Danke-Erdal“-Plakat hatte einen Beigeschmack

Daher habe er auch das „Danke-Erdal“-Plakat, das nach dem Heimsieg am letzten Spieltag gegen Neresheim hochgehalten wurde, auch einzuordnen gewusst. Es habe einen Beigeschmack gehabt. „Ich weiß, dass es von meinen Jungs zu einhundert Prozent von Herzen kommt. Ich weiß aber auch, dass dieses ,Danke Erdal‘ nicht hundertprozentig so von den Jungs kam, die gegen mich geschossen haben. Ich kann das einschätzen. Aber das gehört dazu.“ Allerdings, und das rechne er allen Beteiligten hoch an: „Insgesamt betrachtet haben wir eine tolle Arbeit geleistet. Auch die, die letztlich gegen mich waren.“

Von einer Genugtuung will Kalin nichts wissen, offiziell zumindest nicht. „Eine gewisse Freude“, spüre er aber schon. Ich freue mich einfach, dass ich jetzt die Chance bekomme, einen höherklassigen Verein zu trainieren.“

Ans Aufhören habe er dabei nicht gedacht. „Für mich war klar, dass ich es durchziehen will. Ich war sicherlich angefressen und habe mich schon hinterfragt. Ganz klar. Aber ich war weiterhin mutig. Ich wusste, was beim FV Sontheim noch in den letzten Monaten gehen könnte und war davon überzeugt, dass wir spielerisch vielleicht sogar das Top-Team der Liga waren.“

Kalin widerspricht Benz

Hätte es denn mit dem Double nicht geklappt, wenn die Entscheidung, dass der FVS und der Trainer am Saisonende getrennte Wege gehen, nicht gegeben hätte? „Da widerspreche ich Role Benz (Abteilungsleiter), dass alle nach der Entscheidung einer Trennung zum Saisonende quasi befreit aufgeatmet haben“, sagt Kalin und erklärt: „Das kann ich so nicht stehen lassen. Das Training habe weiterhin ich geleitet und die Aufstellung habe ich vorgenommen. Wir hatten uns vor der Saison intern Ziele gesteckt und wir wollten die Ziele als Team erreichen“, sagt Kalin, betont aber, dass das Team nicht unter Druck gestanden habe. „In der vergangenen Saison haben wir über Ostern keinen Punkt geholt und da schon fast alles verspielt. Nach einer Serie von sieben Siegen sind wir am Ende Zweiter geworden und in die dritte Runde der Relegation gekommen“, erinnert er zugleich an Parallelen zur Vorsaison.

Rückker nach Sontheim ausgeschlossen

Eine Rückkehr zum FV Sontheim schließt Kalin zwar aus. Dafür sei dann doch zu viel kaputtgegangen. Dennoch seien es sportlich betrachtet „zwei tolle und erfolgreiche Jahre“ gewesen. Und natürlich wünsche er seinem Ex-Klub viel Erfolg in der Landesliga.

Kalins Blick ist aber schon länger auf seinen neuen Verein gerichtet. Sein Engagement beim TSV Essingen sei eine große Herausforderung, sagt er. Für Herausforderungen sind Trainer aber schließlich gemacht.

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