FC Heidenheim Neun FCH-Verträge laufen aus: Wer kommt? Wer geht?

Heidenheim / Thomas Grüninger 30.12.2017
Neun FCH-Verträge laufen aus: Wer kommt? Wer geht?

Wer kommt, wer geht? Die alljährlich wiederkehrende Frage zum Jahreswechsel beschäftigt den „Macher“ des FCH auch in diesem Jahr. Antworten darauf gibt es allerdings noch keine.

Sanwald sieht „keinen Handlungsdruck“, spricht vom „Vertrauen in den bestehenden Kader“, weiß zugleich aber auch, wie wichtig es ist, in dieser Zeit „den Transfermarkt intensiv zu beobachten“. Noch bis 31. Januar läuft die Wechselfrist. Bisher gab es auch beim 1. FC Heidenheim in der Winter-Transferperiode jedes Jahr punktuelle Kader-Veränderungen.

Defensiv besser machen

Am ehesten wären sie wohl im Augenblick in der Defensiv-Abteilung zu erwarten. „Das ist der Bereich, wo wir es auf jeden Fall im neuen Jahr besser machen sollten“, sagt Sanwald diplomatisch angesichts der stattlichen 33 Gegentore, die der FCH bisher kassierte und die den Liga-Höchstwert markieren. Die Aussage lässt auch die Option zu, dass personell alles beim Alten bleibt. „Im Augenblick lässt sich gar nichts sagen. Es muss alles sehr gut überlegt sein“, betont Sanwald.

Dass die Heidenheimer ihre Fühler ausgestreckt haben, streitet der Vorstandsvorsitzende nicht ab. Wenn es zu Verstärkungen kommt, dann werde der FCH aber seiner bisherigen Linie treu bleiben und auf junge, ehrgeizige Spieler setzen, die in der 3. Liga oder Regionalliga auf sich aufmerksam machen konnten.

Fertige Spieler sind finanziell nicht machbar

„Das wird weiter unser Weg sein. Für solche Leute bieten wir hier eine optimale Plattform. Die Verpflichtung von fertigen Spielern ist für uns finanziell nicht machbar“, sagt Sanwald. Die Schere zwischen Arm und Reich gehe auch innerhalb der 2. Liga immer weiter auseinander. „Jedes Jahr, das wir länger in dieser Spielklasse bleiben, macht es uns wirtschaftlich einfacher“, erläutert der FCH- Vorstandsvorsitzende.

Nach dem dritten Jahr Zugehörigkeit zur 2. Liga erhält der FCH 8,5 Millionen Euro an Fernsehgeldern. Je nach Platzierung am Ende der Saison könnten es im kommenden Jahr bis zu zehn Millionen sein. Die Liga-Spitze bekommt hingegen in dieser Saison rund 17 Millionen überwiesen – und damit das doppelte dessen, was den Heidenheimern zufließt.

1,2 Millionen Euro knapp verpasst

Auch die 1,2 Millionen Euro, die der FCH im Falle des Erreichens des DFB-Pokal-Viertelfinals sicher gehabt hätte, wären dem Klub gut zu Gesicht gestanden. Dass man so dicht davor stand, der Schiedsrichter „nicht seinen besten Tag hatte“ und einige möglicherweise spielentscheidende Szenen zu Ungunsten des FCH bewertete, hat Sanwald geärgert. „Aber das ist jetzt abgehakt. Mein Anspruch an die Mannschaft ist, dass sie an diese Leistung 2018 anknüpft – und zwar konstant“, sagt er.

Der Neustart im Januar soll auf jeden Fall erfolgreicher verlaufen als der Saisonstart im vergangenen Sommer. Die ersten beiden Punktspiele gegen Braunschweig (Mittwoch, 24. Januar) und in Duisburg (Samstag, 27. Januar) steigen bereits vor Schließung der Wechselfrist. Könnte bedeuten: Je nach Erfolg oder Misserfolg würde die Frage, ob es zu kurzfristigen Verstärkungen kommt, an Dringlichkeit gewinnen oder verlieren.

Im Idealfall, so Sanwald, könnte der FCH mit sechs Punkten starten und hätte dann sicher weit weniger Veranlassung, noch auf dem Transfermarkt aktiv zu werden, als bei einem Start mit zwei Niederlagen. Im Augenblick zumindest halte sich der Handlungsdruck noch in Grenzen.

Auch Abgänge sind während der Winterpause nicht auszuschließen. Zumindest bei zwei Spielern gab es bereits Anfragen, wie Sanwald einräumte. Ben Halloran, der nach wie vor darauf hofft, für sein Heimatland Australien noch in den WM-Kader zu rutschen, steht offenbar bei einem japanischen Erstligisten auf dem Wunschzettel.

Halloran könnte nach Fernost wechseln

Beobachter aus Fernost hatten den Mittelfeldspieler bereits vor einigen Wochen in Heidenheim in Augenschein genommen. Wie ernsthaft das Interesse an einer Verpflichtung ist, lässt sich im Augenblick aber nur schwer abschätzen. Halloran absolvierte in dieser Saison neun Einsätze (ein Tor), kam nach dem Spiel in Ingolstadt am elften Spieltag (0:3) aber nicht mehr zum Zug, saß häufig nur noch auf der Tribüne.

Wie Halloran ist auch Stürmer Dominik Widemann noch bis zum Saisonende vertraglich an den FCH gebunden. Ex-Klub Unterhaching hat neben anderen Vereinen das größte Interesse an Widemann bekundet. Ablösefrei will ihn Sanwald allerdings nicht gehen lassen. Widemann war 2015 zum FCH gekommen, kam in den vergangenen zweieinhalb Jahren aber nur zu zwölf Punktspiel-Einsätzen. In diesem Jahr gelang ihm bei der 1:3-Niederlage gegen Regensburg der erste Zweitliga-Treffer.

Insgesamt neun Verträge laufen beim FCH zum Saisonende aus. Gespräche mit den betroffenen Spielern werden während der Winterpause geführt. Rechtzeitig sollen die personellen Weichen für die neue Saison gestellt werden, auch wenn möglicherweise erst spät die sportliche Entscheidung fällt, ob der FCH der 2. Liga erhalten bleibt. Die allermeisten Spieler hätten Verträge, die unabhängig von der Spielklasse Gültigkeit haben, sagte Sanwald.

Mit Szenario des Abstiegs beschäftigen

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass es uns erneut gelingt, möglichst bald die erforderlichen 40 Punkte zu sichern“, betonte der 50-Jährige. „Aber natürlich müssen wir uns auch mit dem Szenario eines Abstiegs beschäftigen. Es wäre fahrlässig, das nicht zu tun.“

Ziel müsse es dann sein, mit einer schlagkräftigen Mannschaft den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen. Einen Abstieg gelte es mit aller Macht und vereinten Kräften zu vermeiden. Gelänge dies aber nicht, wäre das „kein Weltuntergangs-Szenario“. Man wäre auf die Situation vorbereitet, versichert der Vorstandsvorsitzende.

Sanwald betont, dass es wichtig sei, alle Kräfte zu bündeln. Dann sei er auch überzeugt, dass die Klasse gehalten wird: „Dass alle an einem Strang ziehen, das macht am Ende den entscheidenden Unterschied aus.“ In diesem Zusammenhang freut es ihn auch besonders, dass es gelungen sei, sich mit den Fans wieder über eine gemeinsame Linie zu verständigen und Probleme auszuräumen.

Keinen Tag Pause machen

Ein Blick auf die Tabelle offenbart, dass dem FCH für die zweite Saisonhälfte Perspektiven in beide Richtungen offenstehen. Zwar sind es nur drei Punkte Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz – es fehlen aber auch nur vier Zähler auf Platz sechs. Selten lagen die Mannschaften so dicht zusammen wie in dieser Saison – und damit sind auch Chancen und Gefahren extrem eng beieinander.

Es werde eine Riesen-Herausforderung, ist der oberste FCH-Funktionär überzeugt, die eine absolute Fokussierung aller Beteiligten auf diese sportliche Aufgabe verlange. Sanwald selbst geht dabei mit bestem Beispiel voran, gönnt sich keinen Tag Pause und ist noch näher an die Mannschaft herangerückt.

Sein Credo, „Ruhe bewahren, optimistisch bleiben, nicht in Aktionismus verfallen, die Reihen geschlossen halten“, hat im Herbst den Weg aus der Krise gewiesen – und soll nun so bald wie möglich auch wieder ans rettende Ufer führen.

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