Kreis Heidenheim Kreisliga-Duell kontra WM-Auftakt

Relegationsspiele sind Zuschauermagneten. Schon im vergangenen Jahr waren die Ränge in Herbrechtingen dicht besetzt, als sich der FC Härtsfeld mit einem 2:1 gegen Staufen den Kreisliga-A-Klassenerhalt sicherte. Heute ist erneut Herbrechtingen Schauplatz eines Entscheidungsspiels – und wieder kämpft der FC Härtsfeld um den Klassenerhalt, diesmal gegen den RSV Hohenmemmingen.
Relegationsspiele sind Zuschauermagneten. Schon im vergangenen Jahr waren die Ränge in Herbrechtingen dicht besetzt, als sich der FC Härtsfeld mit einem 2:1 gegen Staufen den Kreisliga-A-Klassenerhalt sicherte. Heute ist erneut Herbrechtingen Schauplatz eines Entscheidungsspiels – und wieder kämpft der FC Härtsfeld um den Klassenerhalt, diesmal gegen den RSV Hohenmemmingen. © Foto: Oliver Vogel
Kreis Heidenheim / Von Thomas Grüninger 13.06.2018
Obwohl in Russland die Weltmeisterschaft beginnt, werden heute in Herbrechtingen zum Duell Härtsfeld gegen Hohenmemmingen mehrere hundert Zuschauer erwartet.

Die Augen der Fußballfans sind heute Abend nach Moskau gerichtet, wenn Gastgeber Russland gegen Saudi Arabien das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft bestreitet. Exakt eine Stunde nach Spielbeginn in der Millionen-Metropole wird auch in Herbrechtingen ein Anpfiff erfolgen: Um 18 Uhr geht's im Duell zwischen dem FC Härtsfeld und dem RSV Hohenmemmingen um die Frage, wer kommende Saison einen Startplatz in der Kreisliga A bekommt.

Trotz starker Konkurrenz durch die Liveübertragung im Fernsehen müssen die beiden Kontrahenten aber nicht fürchten, dass ihr sportliches Schicksal unter Ausschluss der Öffentlichkeit besiegelt wird. Im Gegenteil: „Ich könnte mir vorstellen, dass 500 Zuschauer kommen – trotz WM und obwohl das Spiel an einem Wochentag stattfindet“, zeigt sich Härtsfelds Trainer Markus Jäger in puncto Kulisse zuversichtlich.

Erinnerungen ans Vorjahr

Die Härtsfelder zehren dabei aus der Erfahrung vom Vorjahr: Auch 2017 mussten sie ihren Platz in der Kreisliga A in einer Sonderschicht in Herbrechtingen verteidigen. Das 2:1 nach Verlängerung gegen Eintracht Staufen firmierte unter der Bezeichnung „Herzschlagfinale“ und war durchaus eine Reklame für Relegationsspiele.

Unabhängig vom öffentlichen Interesse, ist ein Favorit für heute nur schwer auszumachen. Der FC Härtsfeld ist zwar der klassenhöhere Klub, doch hat das Team zuletzt sehr geschwächelt, verlor fünf Mal in Serie und kam zuletzt am 15. April (3:2 bei Türkspor) in den Genuss eines Sieges.

Hohenmemmingen wiederum verlor 2018 nur ein Punktspiel (0:2 gegen Meister und Aufsteiger Niederstotzingen), ballerte sich aber zuletzt mit zehn Toren in zwei Spielen auf Platz zwei. Der jüngste Trend spricht also eher für den B-Ligisten, doch beim FC Härtsfeld lässt man sich nicht bangemachen.

„Relegationsspiele haben immer schon ihre eigenen Gesetze. Wir werden alles in die Waagschale werfen und sind zuversichtlich, dass diesmal der Knoten platzt“, sagt Trainer Markus Jäger.

Auch zuletzt beim 2:4 gegen Söhnstetten habe man gut mitgehalten, sich aber durch individuelle Fehler um den Lohn der Bemühungen gebracht. „Trotz der jüngsten Negativserie gab's bei uns keine Missstimmung“, versichert Jäger, der auch im Falle des Abstiegs beim FC Härtsfeld bleiben wird und an eine positive Zukunft seines Klubs glaubt. „Bei uns gibt es eine sehr gute Jugendarbeit. Da kommen ein paar Hoffnungsträger hinzu. Es wäre schon schade, wenn wir nicht in der Kreisliga A bleiben würden.“

„Bonusspiel“ für den RSV

Sein Hohenmemminger Kollege Dragan Trkulja sieht die Partie als „Bonus“ für seine Mannschaft. „Wir hatten uns vor der Saison Platz vier oder fünf ausgerechnet, jetzt sind wir Zweiter geworden, stellen die Mannschaft mit den wenigsten Gegentoren. Natürlich wollen wir die Chance zum Aufstieg jetzt auch nutzen“, sagt der 53-jährige Ex-Profi (239 Spiele für den SSV Ulm, unter anderem in der 2. Liga und Bundesliga) .

Am vergangenen Sonntag verpasste der RSV trotz eines überzeugenden 4:1-Erfolgs beim SV Mergelstetten II den Direktaufstieg. Die Enttäuschung darüber hielt sich allerdings in Grenzen. „Wir konnten nicht mehr unbedingt damit rechnen, dass Niederstotzingen noch verliert“, sagt Trkluja.

Während der FC Härtsfeld auch heute Abend auf seine Langzeitverletzten verzichten muss, kann der Hohenmemminger Coach weitgehend aus dem Vollen schöpfen. An vorderster Front setzt Trkulja vor allem auf Sturmspitze Andreas Schock, der während der Saison in 21 Spielen schon 23 mal traf. Damit landete in der Torschützenliste der Kreisliga B (5) hinter dem Niederstotzinger Felix Wegerer (25) auf Platz zwei.

Entscheidung notfalls im Elfmeterschießen: Jäger lässt üben, Trkulja nicht

Die Entscheidung, wer 2018/19 in der Kreisliga A spielen darf (Härtsfeld oder Hohenmemmingen) fällt auf jeden Fall heute Abend. Sollte es nach 90 Minuten unentschieden stehen, erfolgt eine Verlängerung (zweimal 15 Minuten), danach gegebenenfalls ein Elfmeterschießen.

In der Vorbereitung auf ein Elfmeterschießen gehen die beiden Trainer unterschiedliche Wege. Während RSV-Coach Dragan Trkulja nichts davon hält, Strafstöße im Training zu üben und im Bedarfsfall spontan entscheiden möchte, überlässt sein Härtsfelder Kollege Markus Jäger möglichst wenig dem Zufall.

Die Schützen könnten zwar im Voraus nicht exakt bestimmt werden, weil nicht hundertprozentig vorauszusehen ist, wer nach 120 Minuten noch auf dem Spielfeld steht. Aber eine gewisse Strategie und ein Üben im Training hält Jäger durchaus für sinnvoll.

Während der FC Härtsfeld auch weiter auf Jäger bauen kann, wird es heute Abend definitiv Trkuljas letztes Spiel als Hohenmemminger Trainer sein. Der in Ulm wohnende Ex-Profi coacht künftig den TSV Hörvelsingen (Kreisliga A, Alb-Donau-Kreis)). Auf Dauer ist ihm der Aufwand für die weiten Fahrten nach Hohenmemmingen zu hoch.

Trkulja hofft, sich mit einem Aufstieg verabschieden zu können. Es wäre sein dritter als Trainer, nachdem ihm mit Senden der Sprung in die Landesliga und mit Westerstetten der Sprung in die Bezirksliga gelungen war.

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