Herbrechtingen Herbrechtingerin kickt in der U-17-Bundesliga

Milena Kohlmeyer spielt bereits in der dritten Saison für den SV Alberweiler in der U17-Bundesliga. Hier hat sich die 16-Jährige einen festen Platz im Kader erkämpft und schon viele Erfolge mit ihrem Team gefeiert.
Milena Kohlmeyer spielt bereits in der dritten Saison für den SV Alberweiler in der U17-Bundesliga. Hier hat sich die 16-Jährige einen festen Platz im Kader erkämpft und schon viele Erfolge mit ihrem Team gefeiert. © Foto: privat
Herbrechtingen / Tina Lischka 04.01.2018
Schulfrei fürs Hobby – für die Herbrechtingerin Milena Kohlmeyer nicht ungewöhnlich. Sie spielt mit dem SV Alberweiler in der U-17-Bundesliga und investiert jede freie Minute in ihren Sport.

Das wichtigstes Spielzeug für Milena Kohlmeyer war schon immer der Ball – auch, als sie ein kleines Mädchen war. Von klein auf spielte sie Fußball und bekam den Sport von Vater Helmut Kohlmeyer, der mit der TSG Giengen in der Verbandsliga kickte, in die Wiege gelegt. Inzwischen ist sie 16 Jahre alt und schon weit oben angekommen: Sie spielt für den SV Alberweiler in der U-17-Bundesliga.

Angefangen hat für Kohlmeyer alles im Alter von fünf Jahren. Bei der TSV Herbrechtingen spielte sie zunächst mit den Jungs. Ein Problem war das für die Fußballerin nie: „Wir waren ein Team, ein fester Kern“, sagt sie. Auch die Jungs hätten das so gesehen und immer zu ihr gestanden.

In der WFV-Auswahl

Auch im Schulteam des Buigen-Gymnasiums, das Milena Kohlmeyer bis heute besucht, war sie ein fester Bestandteil. So wurde 2012 ein DFB-Stützpunkttrainer auf ihr Talent aufmerksam, der sie in die Bezirksauswahl vermittelte, wo sie von einem Trainer des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) gefördert wurde. „Irgendwann kommt dann die Frage, ob man gut genug ist und es für einen weitergeht“, sagt die 16-Jährige, die es geschafft hat, sich bei den WFV-Lehrgängen einen Platz im Kader der besten 16 Fußballerinnen aus Baden-Württemberg zu erkämpfen.

Trotz dieses ersten großen Erfolges habe ihr damals noch etwas gefehlt, weshalb sie mittwochs zusätzlich zum Sondertraining musste. Dafür bekam Kohlmeyer sogar schulfrei, ebenso wie für die unterschiedlichen WFV-Lehrgänge. Den verpassten Stoff musste sie natürlich nachholen.

Ein straffer Zeitplan, der bis jetzt Alltag für die 16-Jährige ist. Nachdem sie mit der WFV-Auswahl im Alter von nur 13 Jahren im Länderpokal triumphiert hatte, war klar, dass sie nun etwas verändern musste. „Mein WFV-Trainer sagte, dass ich jetzt aus der Kreisliga rauskommen muss, sonst würde mein sportlicher Weg hier zu Ende gehen“, so Kohlmeyer.

Nach einem neuen Ziel suchen musste sie aber nicht. Der Anruf aus Alberweiler (Kreis Biberach) kam irgendwann von allein und damit eine Einladung zum Probetraining bei der Bundesliga-Mannschaft in dem 700-Seelen-Dorf. Und diese Chance nutzte Kohlmeyer. Papa Helmut stand dabei immer hinter seiner Tochter: „Ich bin sehr stolz auf sie,“ sagt er.

Der Wechsel in die Bundesliga

Mit 14 Jahren wechselte die Herbrechtingerin von der TSV in die Bundesliga. „Alle in Alberweiler waren sehr nett, aber man hat schon gemerkt, dass man nicht denselben Rang hat“, erinnert sie sich an ihre Anfangszeit.

Auch Unterschiede im Training und Spielablauf seien sofort zu spüren gewesen. „Die Vorbereitungszeit war richtig heftig“, so Kohlmeyer. Während es in Herbrechtingen eine Sommerpause gab, musste sie hier vier- bis fünfmal pro Woche bei hohen Temperaturen trainieren. Vor allem das Ausdauertraining habe sie oft ans Limit gebracht: „Da haben die Füße irgendwann nicht mehr mitgemacht. Aber ich habe mich durchgekämpft“, sagt sie stolz. Zudem hatte sie sich an Ernährungspläne zu halten, um immer fit zu sein. „Man muss es wollen und auch weitermachen, wenn man nicht mehr kann“, ist sie überzeugt.

Bei ihrem ersten Einsatz für Alberweiler kam es dann zu einer weiteren Veränderung für die 16-Jährige. Bisher hatte sie immer als Innenverteidigerin gespielt, ihr Trainer sah ihr Potenzial allerdings im Mittelfeld, wo sie sich einen Platz im Team erobern konnte.

Die Schule kommt nicht zu kurz

Für ihren Erfolg muss Milena Kohlmeyer aber auch einiges tun. Sie wohnt immer noch in Herbrechtingen und wird zwei- bis dreimal pro Woche ins Training nach Alberweiler gefahren. Die Fahrtzeiten von jeweils einer Stunde hin und zurück nutzt sie dabei sinnvoll: „Ich mache Hausaufgaben während der Fahrt.“

Ihr ist nämlich klar, dass sie allein vom Fußball niemals leben kann. „Als Mädchen reicht es nicht, nur in der Bundesliga zu spielen“, weiß sie, „der Erfolg ist unsere Bezahlung.“ Man brauche immer ein zweites Standbein. Deshalb ist ihr ein guter Notendurchschnitt wichtig: „Ich möchte Sportwissenschaften studieren“, sagt sie und weiß, dass auch der WFV einen Blick auf die Zeugnisse wirft.

Nach der U 17 soll es weitergehen

Was ihre Fußballkarriere betrifft, sei jedoch noch alles offen. Natürlich würde sie gerne den Weg ihres großen Vorbildes Celia Sasic, ehemalige deutsche Nationalspielerin, einschlagen. „Das ist jetzt meine letzte Möglichkeit. Aber es ist schwierig, in die Nationalmannschaft zu kommen“, sagt sie.

Auf jeden Fall stehe aber fest, dass sie weiterhin Fußball spielen will, auch nach ihrer Zeit bei der U 17 – und das am besten höherklassig. „Meine Erfolge sprechen da nicht gegen mich“, sagt Kohlmeyer, die bereits mit der WFV-Auswahl den Länderpokal gewann und mit Alberweiler deutscher Meister im Futsal wurde.

Dass es entgegen gängiger Vorurteile beim Frauenfußball auch zur Sache geht, lässt sie nicht unerwähnt. „Die Männer sind uns vielleicht körperlich überlegen, aber wir sind schlauer. Frauenfußball ist vielmehr auf Taktik aufgebaut,“ sagt sie selbstbewusst.

Ab nächster Woche heißt es aber erst einmal: Zurück ins Training und die Rückrunde erfolgreich beenden. Momentan ist Alberweiler auf Tabellenplatz vier. „Nach der Winterpause legen wir richtig los und sind meist unschlagbar“, sagt Kohlmeyer, die bereits in der dritten Saison dort spielt, selbstbewusst.