Sontheim/Brenz FV Sontheim: Triumph der „Mentalitäts-Monster“

Sontheim/Brenz / Von Thomas Grüninger 12.06.2018
Landesliga-Aufsteiger FV Sontheim will sich treu bleiben und setzt vorwiegend auf eigene Kräfte, doch Torjäger Philipp Schmid fällt ein halbes Jahr aus.

Nach dem 4:1-Sieg gegen den SV Neresheim und dem damit verbundenen direkten Aufstieg als Bezirksliga-Meister in die Landesliga machten die Sontheimer Fußballer die Nacht zum Tag. Bis in die frühen Morgenstunden hinein wurde im Vereinsheim auf dem Hülenberg und drumherum gefeiert. Zuvor konnten sich die Aufstiegshelden ausgiebig bejubeln lassen, als sie auf einem Traktor-Gespann zur Triumphfahrt durch den Ort unterwegs waren.

Das ausgelassene Feiern der dritten Bezirksliga-Meisterschaft der Vereinsgeschichte nach 2009 und 2012 hatte fraglos seine Berechtigung. Nach Ostern betrug der Rückstand auf den damaligen Spitzenreiter SV Waldhausen schließlich noch 15 Punkte, danach setzte das Team des scheidenden Trainers Erdal Kalin zu einem einzigartigen Höhenflug an.

Einzigartige Siegesserie

14 Siege in Folge bescherten dem FV erst den Bezirkspokal, dann auch noch die Meisterschaft. Auch der hartnäckigste Rivale SV Waldhausen hatte diesem Lauf nichts mehr entgegenzusetzen, musste sich zweimal geschlagen geben und ebnete damit sowohl auf Pokalebene als auch im Ligabetrieb den Weg zum Double.

Mühsamer Start – starkes Finale

Dabei fing die Saison für die Schwarz-Roten eher bescheiden an. Von „erschwerten Bedingungen“ sprach Abteilungsleiter Roland Benz. Traditionell kommt der FV ohnehin selten gut aus den Startlöchern, aber nach der langen Relegations-Zusatzschicht aus dem Vorjahr (drei Spiele) fand man nur schwer den alten Rhythmus. Viele englische Wochen markierten den stressigen Weg durch die späte Erfolgs-Saison. Zwischendurch kamen die FV-Oberen zur Erkenntnis, die Zusammenarbeit mit Trainer Erdal Kalin zum Saisonende zu beenden.

„Jetzt sieht das natürlich komisch aus“, räumt Benz ein, nachdem Kalin mit seinem Team noch der doppelte Titelgewinn glückte. „Aber wahrscheinlich wäre die Saison gar nicht mehr so gelaufen, wie sie jetzt noch gelaufen ist, hätte es diese Entscheidung nicht gegeben“, mutmaßt der Abteilungsleiter weiter.

Zweifel an den Fähigkeiten des Trainers habe es nie gegeben. Vielmehr führte Benz zwischen Dezember und Februar die üblichen Planungsgespräche mit den Spielern, „und da waren eben ein paar dabei, die einen Wechsel wollten.“ Kalin akzeptierte die Entscheidung – und am Ende schaffte man noch das kleine Fußball-Wunder von der Brenz. „Hut ab, dass der Erdal das so professionell durchgezogen hat. Wir freuen uns, dass er sich nun mit zwei Titeln nach Essingen in die Verbandsliga verabschieden konnte“, sagt Benz.

Wie geht's nun weiter?

Nachdem die Sontheimer 2009/10 und 2012/13 jeweils nur ein einjähriges Gastspiel in der Landesliga gegeben hatten, hoffen sie, nun im kommenden Jahr den Klassenerhalt schaffen zu können. Doch macht man sich im unteren Brenztal keine Illusionen, wie schwer das werden wird. „Wir werden unserer Philosophie treu bleiben und uns nur auf vereinzelten Positionen verstärken“, sagt Roland Benz.

Großes personelles Handicap

Dass es auf dieser Grundlage trotzdem möglich sein könnte, die Liga zu halten, glaubt man wohl, allerdings sagt der 39-Jährige auch: „Der Klassenerhalt wäre schon sensationell.“

Schließlich müssen die Sontheimer, bei denen Marcus Mattick künftig als Spielertrainer fungiert, ein großes personelles Handicap in Kauf nehmen: Philipp Schmid, mit unglaublichen 44 Saisontoren einer der maßgeblichen Sontheimer Titelgaranten, wird ab September ein halbes Jahr lang in den USA weilen.

„Das ist natürlich herb. Philipp ist nicht zu ersetzen. Aber das ist absolut legitim und wir unterstützen ihn auch in seiner Entscheidung. Der Beruf geht nun mal vor“, sagt Benz.

Dennoch: Bangemachen gilt bei den Sontheimern nicht. „Wir sind einfach Mentalitäts-Monster“, baut der Abteilungsleiter, der auch als Physiotherapeut stets für die Mannschaft da ist, auf die im letzten Halbjahr gezeigten Tugenden. Im Vorjahr mussten sich die Sontheimer erst im dritten Relegationsspiel gegen Blaustein, einem Landesligisten, 2:3 geschlagen geben.

Da, so Benz, habe man sehr gut mitgehalten, letztlich nur unglücklich verloren. „Wenn wir mal einen guten Start hinbekommen und jede Woche hundert Prozent bringen, gibt es auf jeden Fall Teams, die wir hinter uns lassen können“, ist der Abteilungsleiter überzeugt.

Mitnehmen was geht

„Nichts zu verlieren“, so stand's als Motto auch auf den Aufstiegs-Shirts, die die Mannschaft nach dem Spiel trug. „Der Meistertitel war für unsere Mittel doch absolut sensationell. Wir wollen weiter mitnehmen, was geht und die anderen ärgern“, sagt Benz. Am Ende wird sich dann zeigen, wo dieser Weg tatsächlich hinführt.

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