Fußball-Landesliga FV Sontheim trifft auf Team eines ehemaligen FCH-Profis

Sontheim / Edgar Deibert 30.08.2018
Aufsteiger FV Sontheim hat nach dem ersten Spieltag den anfänglichen Respekt abgelegt und sein Spielsystem geändert. Geht das auch am Samstag beim TSV Neu-Ulm auf?

Einen erfrischenden Eindruck hat der FV Sontheim am vergangenen Spieltag gegen den TSV Weilheim hinterlassen. Agierte der Aufsteiger zu Saisonbeginn beim 0:4 in Geislingen teilweise noch zu gehemmt, war davon eine Woche später nichts mehr zu sehen. Diese Auftaktniederlage hatte etwas reinigendes und somit befreiendes.

Bereits früh in der Saison kamen Stimmen auf, die die Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft in Frage stellten, räumt Marcus Mattick unumwunden ein. „Zweimal sind wir aus der Landesliga abgestiegen, warum sollte es dieses Mal anders sein?“, fasst der Spielertrainer die Bedenken zusammen. Schließlich sei der FV Sontheim „ein kleiner Fisch“ in der Liga.

Diese Stimmen seien sowohl von Außen an das Team herangetragen worden, als auch von einigen Spielern selbst geäußert worden, so Mattick weiter. Die Stimmen seien nach dem 2:0-Heimerfolg gegen Weilheim allerdings verstummt.

Bloß nicht mehr nur abwarten

Und dafür hat die Mannschaft selbst gesorgt, in dem sie die neue Spielphilosophie schnell verinnerlicht hat. „Gegen Geislingen haben wir viel zu abwartend und zu defensiv gespielt“, erklärt Spielertrainer Mattick. „So gewinnst du keine Punkte.“

Nach der Aufarbeitung sei intern eine neue Marschroute ausgegeben worden. „Wir möchten frecher und aggressiver sein“, erklärt der 28-Jährige. So soll mehr Druck auf die gegnerischen Abwehrreihen gemacht und der Ball früher erobert werden. Der FV Sontheim wolle das Spiel machen.

Höheres Risiko inbegriffen

Dies klingt in der Theorie schön und einfach, ist allerdings in der Praxis nicht immer umzusetzen. Das weiß auch Mattick. „Gegen Weilheim hat das natürlich perfekt geklappt. Es ist aber auch mit hohem Risiko verbunden.“ Der 2:0-Sieg, der durchaus höher ausfallen hätte können, gibt dem FVS und seiner neuen Ausrichtung zumindest Recht.

Allerdings müssen die Sontheimer einen weiteren Ausfall eines Leistungsträgers kompensieren. Neben Angreifer Philipp Schmid (nun für ein halbes Jahr in den USA) gilt es auch Michael Gansloser für längere Zeit zu ersetzen (Sprunggelenks-Verletzung). Der Ausfall des erfahrenen Innenverteidigers wiege sehr schwer, sagt Spielertrainer Mattick, der selbst noch zwei Wochen nicht einsatzfähig ist (Zyste im Knie).

Es gebe verschiedene Varianten, wer Ganslosers Platz einnehmen könne, sagt Mattick und nennt dabei Manuel Haas (25) und den 19-jährigen Joshua Leoff als mögliche Alternativen. Letzterer hat zuletzt im defensiven Mittelfeld auf der Sechserposition einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Extra-Lob für Ruben Ertle

Mit Ruben Ertle hat sich ein weiterer A-Jugendlicher ins Team gespielt. Der 18-Jährige traf beim Sieg gegen Weilheim. „Auch ohne sein Tor war er der beste Mann des Spiels“, legt sich Marcus Mattick fest. „Ruben ist zweikampfstark und rotzfrech.“ Genau das also, wovon der FV Sontheim mehr zeigen will.

Ähnliche Bedenken beschäftigen auch Sontheims morgigen Gegner, den TSV Neu-Ulm (17 Uhr). Die Mannschaft von Trainer Ünal Demirkiran feierte als Meister der Bezirksliga Donau/Iller ( 72 Punkte, Sontheim brachte es auf 68 in ebenfalls 30 Spielen) den zweiten Aufstieg in die Landesliga innerhalb der vergangenen drei Jahre. In der Saison 2016/17 folgte der sofortige Wiederabstieg. Auf, ab, auf – und nun, wieder ab? „Wir hoffen nicht, dass es soweit kommt“, sagt Demirkiran.

Neu-Ulm will kaltschnäuziger werden

Einst war der heute 39-Jährige Profi beim 1. FC Heidenheim (siehe Infokasten), nun trainiert er die Herrenmannschaft des TSV Neu-Ulm im vierten Jahr. Zudem brachte es Demirkiran in der vergangenen Saison auf 20 Einsätze (ein Tor und drei Vorlagen).

Der Unterschied zwischen Bezirks- und Landesliga sei schon sehr groß, erklärt Demirkiran. Vor allem im taktischen Bereich, aber natürlich auch was die individuell starken Spieler angehe.

Zwei Niederlagen stehen beim TSV Neu-Ulm zu Buche, einem 4:5 gegen Mitaufsteiger TSV Oberensingen (Vizemeister Bezirks Neckar/Fils) folgte ein 1:3 beim TSV Weilimdorf. Dabei hätte der TSV Neu-Ulm gar nicht verlieren müssen, ist sich Demirkiran sicher.

Ein Spiel auf Augenhöhe?

In beiden Partien sei seine Mannschaft durchaus gleichwertig gewesen. Allerdings hat der Coach des TSV Neu-Ulm zwei Mankos festgestellt: „Wir sind noch nicht kaltschnäuzig genug vor dem gegnerischen Tor und müssen zudem die individuellen Fehler abstellen.“ Besonders gegen Weilimdorf seien die Gegentreffer zu leicht gefallen, so Demirkiran.

Nun erwarte er am Samstag, 1. September, gegen den FV Sontheim, wie es im Fußballdeutsch so schön heißt, ein Spiel auf Augenhöhe. Dabei wollen beide Teams zeigen, dass sie landesligafähig sind.

Neu-Ulms Trainer Demirkiran einst beim FCH – Ertle/Hörger in der „Elf der Woche“

Ünal Demirkiran trug von Juli 2007 bis Juni 2011 das Trikot des 1. FC Heidenheim und feierte mit dem FCH den Aufstieg in die 3. Liga.

Einen Kreuzbandriss zog sich Demirkiran gegen Ende der letzten Regionalligasaison zu. In der Drittligasaison 2009/10 kam er zwar zurück, wurde allerdings von einer Mensikusverletzung erneut zurückgeworfen und kam nur zwölfmal zum Einsatz.

Beim FCH II in der Verbandsliga lief Demirikiran zum Ende seiner Heidenheimer Zeit auf. „Es war eine überragende Zeit, auf die ich trotz meiner Pechsträhne gerne zurückblicke“, sagt der 39-Jährige. Heute verbinde ihn mit dem FCH allerdings nicht mehr viel. Aus seiner Zeit ist nur noch Marc Schnatterer Teil des Teams.

Tobias Hörger und Ruben Ertle sind in die „Elf der Woche“ der Landesliga (Staffel 2) auf „Fupa“, dem Amateur-Fußballportal der HZ, gewählt worden.

Jorgo Kentiridis ist wieder zurück im Training und soll laut Marcus Mattick nach und nach mehr Einsatzzeit erhalten. Michael Kastler (nach Bänderriss im Sprunggelenk) sei nach längerer Verletzungspause noch keine Option.

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