Heidenheim FCH: Schmidt freut sich über Pusch, Sanwald wünscht sich Ulm

Das elektronische Zeitalter ist im Oldenburger Marschwegstadion offensichtlich noch nicht angebrochen. Im DFB-Pokalspiel zwischen Jeddeloh und Heidenheim musste jedenfalls einiges auf- und abgehängt werden.
Das elektronische Zeitalter ist im Oldenburger Marschwegstadion offensichtlich noch nicht angebrochen. Im DFB-Pokalspiel zwischen Jeddeloh und Heidenheim musste jedenfalls einiges auf- und abgehängt werden. © Foto: Eibner
Heidenheim / Thomas Grüninger 20.08.2018
Heidenheims zweifacher Torschütze beim 5:2 gegen Jeddeloh trifft auffallend oft in K.-o.-Spielen. Holger Sanwald wünscht sich als nächsten DFB-Pokal-Gegner den SSV Ulm.

Die Nacht war kurz für die Heidenheimer und deren Trainer- und Betreuerstab. Erst gegen drei Uhr in der Früh steuerte gestern der Mannschaftsbus nach der langen Heimfahrt aus Oldenburg den Schlossberg an.

Trotzdem wurde am Vormittag bereits wieder trainiert. Nach dem ersten Pflichtspielsieg der Saison 2018/19, der gegen Regionalligist SSV Jeddeloh II letztlich mit 5:2 souverän eingefahren wurde, wirkten die Reisestrapazen allerdings nicht lange nach.

Trainer Frank Schmidt zog ein sehr positives Gesamtfazit nach dem fünften Erreichen der zweiten DFB-Pokalrunde in Serie. „Wir haben nach anfänglichem Beschnuppern das Heft schnell in die Hand genommen, haben es spielerisch sehr gut gemacht und standen auch defensiv sehr souverän“, sagte Schmidt.

Lohn dieser Vorstellung war eine klare und auch in dieser Höhe verdiente 4:0-Führung bis zur 56. Minute.

Zwei Gegentore: „Da müssen wir vorher klären“

Die Phase, in der die Heidenheimer noch zwei Gegentore innerhalb von drei Minuten hinnehmen mussten, ärgerte Schmidt dann aber doch. Vor allem die Entstehung des Elfmeters war gar nicht nach des Trainers Geschmack: „Da müssen wir vorher klären.“

Der „kleine Makel der beiden Gegentore“ (Schmidt) ließ sich aber angesichts eines Chancenverhältnisses von 23:4 zugunsten der Heidenheimer gut verschmerzen, zumal die Gäste in der Nachspielzeit noch einen Fünferpack schnüren konnten.

5:2 – auch in der vergangenen Saison gab es ein solches Pokalergebnis. Damals fertigte der FCH in Runde zwei den Liga-Konkurrenten Jahn Regensburg mit diesem Resultat ab, in Runde eins wurde Unterhaching mit 4:0 besiegt. Betrachtet man die Torschützen und Vorbereiter von damals, dann fallen mit Blick auf Jeddeloh zwei alte Verdächtige auf.

Kolja Pusch: Erfolgreicher als in der Liga

Erstens Kolja Pusch. Der Mittelfeldspieler traf im vergangenen Jahr pro genannter Pokalpartie einmal, jetzt gegen Jeddeloh zweimal. Macht zusammen vier Tore in drei DFB-Pokalspielen. Damit ist er im Cup-Wettbewerb deutlich erfolgreicher als in der Meisterschaft, wo er in 18 Einsätzen bisher nur ein Tor erzielte.

Zweitens Robert Glatzel. Letztes Jahr zwei Treffer gegen Regensburg, einer gegen Unterhaching, diesmal ein Treffer in Jeddeloh. Hinzu kommen in diesen drei Spielen vier Torvorbereitungen. In vier DFB-Pokalspielen (wobei er gegen Eintracht Frankfurt erst in der Verlängerung zum Zuge kam) traf Glatzel viermal – und damit fast so häufig wie in bisher 31 Zweitligaspielen (5 Tore).

Alle Spieler im harten Konkurrenzkampf

Pokalspiele sind demzufolge auch gut geeignet, sich für den Liga-Alltag ins Rampenlicht zu schießen. Alle Spieler würden sich in einem harten Konkurrenzkampf befinden, erklärt sich Schmidt solche explosionsartigen Leistungsschübe. Pusch beispielsweise agiert oft als hängende Spitze, muss sich in dieser Position mit einem starken Nikola Dovedan messen. „Es freut mich, dass er gegen Jeddeloh gezeigt hat, dass er mit seinem starken linken Fuß und seinem sehr guten Passspiel eine Waffe für uns sein kann“, sagte Schmidt.

Das positive Erscheinungsbild, das der FCH in seinen ersten drei Pflichtspielen abgab, stimmt jedenfalls auch Holger Sanwald hoffnungsvoll. Das Thema eines möglichen personellen Nachschlags wurde jedenfalls wieder in den Hintergrund gedrängt.

Bis 31. August läuft noch die Wechselfrist, „aber wenn sich das so weiterentwickelt, sehe ich keinerlei Veranlassung, noch jemanden zu holen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Sanwald hat den Eindruck, dass etwas Neues zusammenwächst, sich auch ein entsprechender Teamgeist entwickelt und sich so der eingeleitete Verjüngungsprozess mit bestehendem Personal bewältigen lässt.

Freilich: Die guten Eindrücke müssen jetzt am Sonntag in Dresden (13.30 Uhr) erst einmal bestätigt werden. Im Gegenzug zum FCH blamierten sich die Sachsen am Pokal-Wochenende und unterlagen beim Regionalligisten SV Rödinghausen mit 2:3 nach Verlängerung – trotz zweimaliger Führung.

Dynamos unter Zugzwang

„Das Ergebnis war keine so gute Nachricht für mich. Dresden muss jetzt gegen uns auf Wiedergutmachung aus sein. Das macht die Aufgabe nicht leichter“, gab Sanwald. zu bedenken. Auch Schmidt vermutet ein „gewisses Frustpotenzial“, das die Dynamos in die Waagschale werfen werden: „Die kommen sicher mit Wucht.“

Doch angesichts der bislang gezeigten Kompaktheit muss dem Trainer vor dieser Herausforderung nicht Bange sein. „Wir haben uns in allen drei Spielen bisher sehr stabil gezeigt. Damit kann man zum Großteil zufrieden sein, aber es gab auch in jedem Spiel noch Dinge, die zu verbessern sind“, fasste er den bisherigen Saisonverlauf zusammen.

In personeller Hinsicht bereitet neben dem seit längerem verletzten Mathias Wittek allerdings auch Niklas Dorsch etwas Sorge. Er zog sich eine Entzündung an der Ferse zu, die nach wie vor Schmerzen bereitet und auch gestern noch keine Teilnahme am Mannschaftstraining gestattete.

Sanwald wünscht sich Ulm als Gegner

Insgesamt schauen die Heidenheimer mit doppelter Spannung auf den kommenden Sonntag. Nicht nur die Partie in Dresden steht auf dem Programm, sondern auch die Auslosung für die zweite Runde im DFB-Pokal (18 Uhr, ARD-Sportschau).

Normalerweise lehnt es Holger Sanwald ab, einen Wunschgegner zu nennen. Diesmal macht er aber eine Ausnahme: Sein „absolutes Wunschlos“ wäre Eintracht-Frankfurt-Bezwinger SSV Ulm 1846. Frank Schmidt äußerte sich zwar zurückhaltender, gegen die „Spatzen“ als Zweitrundengegner hätte er allerdings auch nichts einzuwenden: „Das wäre auf jeden Fall für beide Seiten ein Topspiel, ein Lokalderby vor sicherlich ausverkauftem Haus.“

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