Heidenheim. FCH-Nachwuchszentrum rüstet sich fürs Profigeschäft

Neues Duo an der Spitze des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Heidenheim: der Sportliche Leiter Roger Prinzen (links) und NLZ-Chef Jürgen Bastendorf.
Neues Duo an der Spitze des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Heidenheim: der Sportliche Leiter Roger Prinzen (links) und NLZ-Chef Jürgen Bastendorf. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim. / Thomas Grüninger 21.08.2018
Mit Roger Prinzen ist seit kurzem ein neuer Sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum des FCH tätig. Auf Anforderung der DFL steht dort außerdem eine Psychologin zur Verfügung.

Zweimal Bundesliga: Für die ältesten Nachwuchs-Mannschaften des 1. FC Heidenheim geht es auch 2018/19 in der höchsten deutschen Spielklasse um den Klassenerhalt. Die A- und B-Junioren des FCH sind inzwischen ordentlich in ihre zweite Saison im Oberhaus gestartet, doch Jürgen Bastendorf, Leiter des Hartmann-Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), macht sich nichts vor: „Die Bundesliga bleibt eine große Herausforderung für uns.“

Im Bemühen, mit den besten Adressen des deutschen Fußballs im Nachwuchsbereich mithalten zu können, ist man aber nicht nur in sportlicher Hinsicht allmählich auf Augenhöhe mit der Promi-Konkurrenz. Auch die Rahmenbedingungen am NLZ kommen der Optimierung immer näher.

Inzwischen sind 17 Vollzeitkräfte beschäftigt – vier mehr als noch im Vorjahr. Damit liegt der FCH zwar noch unter dem Durchschnittswert der Zweitligisten (22), sieht sich aber inzwischen gut aufgestellt.

Fußballschule auch dezentral

Insgesamt kümmern sich in Heidenheim (Teilzeitkräfte und ehrenamtliche Helfer eingeschlossen) 40 Trainer, Betreuer oder Mitarbeiter um die Belange des Nachwuchses. Auch den Forderungen der Deutschen Fußball-Liga nach einer professionellen psychologischen Unterstützung wurde inzwischen Rechnung getragen. Seit 1. Juli steht Psychologin Lena Bryxi im Rahmen einer 50-prozentigen Festanstellung zur Verfügung.

Sie bietet team- und persönlichkeitsbildende Maßnahmen an und berät natürlich auch bei Problemen im Einzelfall. Erhöht wurde zudem die personelle Kapazität der Fußballschule für Sieben- bis Elfjährige, die nun nicht mehr nur zentral in Heidenheim angeboten wird, sondern zunehmend auch an anderen Orten. Das erste dezentrale Stützpunkttraining dieser Art fand in Ellwangen statt, wo der FCH mit dem dortigen Fußballclub eine Kooperation eingegangen ist.

Die grundlegendste Veränderung zur neuen Saison betrifft aber sicher die Besetzung des Sportlichen Leiters. Für den bisherigen Amtsinhaber Bernhard Raab, der jetzt als Co-Trainer von Frank Schmidt mit den Zweitliga-Profis arbeitet, wurde Roger Prinzen verpflichtet. Der 49-Jährige verfügt über eine 16-jährige Erfahrung als Profifußballer, bestritt unter anderem 60 Bundesliga- und 147 Zweitliga-Spiele, arbeitete als Trainer und im Management (siehe Artikel rechts).

Wichtig: nachhaltig arbeiten

Dem gebürtigen Düsseldorfer, der mit der hiesigen Region gut vertraut ist, weil seine Frau aus dem Kreis Heidenheim stammt, liegt die Nachwuchsarbeit seit längerem besonders am Herzen. Mitzuhelfen, dass sich aus jungen Spielern Persönlichkeiten entwickeln, habe ihn schon immer begeistert. „Ich möchte gerne nachhaltig arbeiten“, betont Prinzen.

Vor allem in der Zeit zwischen 2013 und 2016, als er beim 1. FC Nürnberg die U 21 betreute, sei er diesbezüglich bestärkt worden. Spieler wie Patrick Erras, Lukas Mühl oder Dennis Lippert, die heute als „Local Players“ im Bundesliga-Aufgebot des „Clubs“ stehen, gingen einst auch durch seine Hände.

„Mir ist vor allem Individualität wichtig“, sagt Roger Prinzen. Den einzelnen Spieler zu stärken würde am Ende auch die Mannschaft stärken. Als Sportlicher Leiter arbeitet er aber auch mit den Nachwuchstrainern intensiv zusammen, analysiert die Spiele vom Wochenende, entwickelt Konzepte und organisiert Fortbildungen.

Die Früchte dieser Arbeit sollen sowohl im mannschaftlichen Erfolg als auch in der persönlichen Weiterentwicklung des Nachwuchses zum Ausdruck kommen. Seit dem Zweitliga-Aufstieg 2014 besteht in Heidenheim das Hartmann-Nachwuchsleistungszentrum.

Mit Tim Skarke, Kevin Lankford, Dave Gnaase und Ibrahim Hajtic haben in den Anfangsjahren vier Spieler den Sprung in den Profikader geschafft. Hinzu kommen aktuell Tobias Reithmeir, Kevin Sessa und Gökalp Kilic, die einen Profivertrag bekamen. Als sogenannter „Local Player“ darf auch U-19-Kapitän Jonas Brändle punktuell schon mit den Zweitliga-Kickern trainieren.

Schon U-12-Spieler umworben

Allerdings: Die Konkurrenz schläft nicht. Die großen Klubs würden längst auch Spieler umwerben, die gerade der U 12 angehören – „eine dramatische Entwicklung“, wie Jürgen Bastendorf findet. Beim FCH versucht man, diesem Trend entgegenzusteuern, indem man die eigenen Werte hervorhebt.

„Wir versuchen zu vermitteln, dass es hier in Heidenheim an nichts fehlt, dass vor allem die Kooperation mit den Schulen durch extrem gute Schnittstellen bestens funktioniert“, sagt Roger Prinzen. Und Jürgen Bastendorf ergänzt: „Wer als Zwölfjähriger für einen großen Verein interessant ist, wird auch als 16-Jähriger noch wechseln können.“

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