Analyse FCH lernt dazu – und macht keine Fehler zweimal

Heidenheim / THOMAS GRÜNINGER 31.08.2014
Es klang ein bisschen nach schwarzem Humor: Ausgerechnet ein Bestattungsinstitut präsentierte in Karlsruhe die Aufstellung des 1. FC Heidenheim. Grabgesänge musste sich der Neuling nach dem 1:1 beim Zweitliga-Aufstiegskandidaten zwar nicht anhören, aber es gab doch ein paar neue Sichtweisen.
Vor drei Wochen hat der FCH sein erstes Auswärtsspiel in der neuen Spielklasse bei Eintracht Braunschweig mit 0:3 verloren – und wurde trotzdem von Freund und Feind gewürdigt, spielerisch mitgehalten zu haben. Diesmal hielt sich die spielerische Leistung der Heidenheimer in Grenzen, nach der Pause befanden sich die Gäste überwiegend in der Rückwärtsbewegung – aber unterm Strich stand ein Punktgewinn.

„Etwas glücklich, aber nicht unverdient“, nannte Trainer Frank Schmidt das 1:1, und sein Karlsruher Kollege Markus Kauczinski wollte nicht widersprechen: „Der Punkt war für Heidenheim verdient, weil wir es nicht geschafft haben, das volle Tempo über zwei Halbzeiten zu gehen.“

Nein, in Schönheit zu sterben wie in Braunschweig – das war das Letzte, was der FCH in Karlsruhe wollte. Jahrelang haben die Heidenheimer in der 3. Liga mit offensivfreudigem Kombinationsspiel überzeugt und diese vielbeachtete Marschroute zurecht als hauseigene Philosophie reklamiert. Doch im Haifischbecken der 2. Liga wird schnell gefressen, wer 90 Minuten gut mitspielt, aber in drei entscheidenden Momenten patzt – siehe Braunschweig.

Man könne nicht erwarten, dass der FCH als Neuling in der zweithöchsten Spielklasse die Maßstäbe setzt, hatte Frank Schmidt schon nach dem 2:2 in der Vorwoche gegen 1860 München bemerkt. Die Verhältnisse sind grundlegend anders als im Vorjahr – und zwingen deshalb auch den Fußball-Ästheten Schmidt zum Umdenken. In der vergangenen Saison waren die Heidenheimer in nahezu allen Spielen Favorit, jetzt sind sie als Aufsteiger fast immer Außenseiter.

Ein Außenseiter ist für gewöhnlich die Mannschaft, die reagiert. Zu diesem Konzept hat sich Schmidt im Wildparkstadion vom Anpfiff weg bekannt: „Wir sind das Spiel heute ein bisschen anders angegangen. Es war klar, dass wir diese Partie nicht diktieren können. Deshalb haben wir Wert gelegt auf eine kompakte Defensivarbeit.“

Eine Halbzeit lang hat der FCH diese bislang eher ungewohnte Rolle erstaunlich gut gespielt, wie auch Schmidt befand. Ins Konzept passte es da natürlich, dass die Gäste früh in Führung gingen. Adriano Grimaldi ließ nach guter Vorlage von Florian Niederlechner noch KSC-Innenverteidiger Manuel Gulde stehen und behielt dann im Eins-gegen-eins die Nerven vor Schlussmann Dirk Orlishausen.

Bis zur Pause setzte der FCH des Trainers Marschroute („Wir wollten den KSC vom Sechzehner fernhalten“) anstandslos um. Dann begann die zweite Halbzeit mit einem ähnlichen Paukenschlag wie die erste – diesmal nur unter umgekehrten Vorzeichen. Torhüter Jan Zimmermann brachte Manuel Torres nach einem Heber zu Fall. Der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß. „Eigentlich war die Aktion des Spielers ja schon zu Ende. Ich bin noch in ihn reingerasselt, als der Ball schon gespielt war. Ich kann mich ja nicht in Luft auflösen“, haderte Zimmermann mit der Entscheidung.

Beim Elfmeter durch den überragenden Reinhold Yabo ahnte er zwar die richtige Ecke, kam aber nicht mehr an den Ball. 1:1 unmittelbar nach der Pause – für Schmidt war damit klar, „dass es jetzt darum ging, hier einen dreckigen Punkt mitzunehmen“.

Fußball arbeiten statt Fußball spielen! Wie gesagt: Das war bisher eher selten der Stil des FCH. „Wir mussten viel laufen, auch hinterherlaufen. Die Beine tun weh“, sagte Marc Schnatterer. Statistiker errechneten satte 71 Prozent Ballbesitz für die Karlsruher. Es kostete Kraft, gegen den Ball zu arbeiten. Aber nicht nur für Jan Zimmermann war das Ergebnis am Ende so etwas wie die logische Folge eines immensen läuferischen Aufwandes. „Harte Arbeit wird belohnt“, brachte er es auf den Punkt.

Den Punkt aus dem Spiel hielt die neue Nummer eins in der Nachspielzeit gerade noch fest. Trotz eines „Riesen-Powerplays“, das KSC-Coach Kuczinski seiner Mannschaft in Durchgang zwei attestierte, ließen die Heidenheimer nur „zwei, drei gute Chancen“ zu, wie Schmidt bemerkte.

Der FCH-Trainer sprach abschließend davon, dass man „mit unseren Mitteln gegen einen starken Gegner“ bestanden habe. Zu „unseren Mitteln“ gehört – je nach Bedarf – auch die Drecksarbeit, das Nachhausebringen eines Ergebnisses.  Nimmt man das 1:1 zum Maßstab, so könnte man die Erkenntnis aus Karlsruhe auch etwas überspitzt zusammenfassen: Der FCH kann nicht nur vorwärts, er kann auch rückwärts.
Beides wird notwendig sein, um die Klasse zu halten.
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