Fitness FCH-Athletiktrainer Wohlrab: "Die Spieler nicht verheizen"

Die Phase der Saisonvorbereitung – hier ein Foto vom letztjährigen Rundenstart – ist für einen Athletiktrainer besonders wichtig. Robert Wohlrab (Mitte) ist beim FCH seit 2013 mitverantwortlich für die körperliche Fitness der Spieler.
Die Phase der Saisonvorbereitung – hier ein Foto vom letztjährigen Rundenstart – ist für einen Athletiktrainer besonders wichtig. Robert Wohlrab (Mitte) ist beim FCH seit 2013 mitverantwortlich für die körperliche Fitness der Spieler. © Foto: Oliver Vogel
Thomas Grüninger 14.10.2015
Der 1. FC Heidenheim gehört in der 2. Liga zu den Mannschaften mit der höchsten Laufleistung. Doch trotz intensiver Trainingsarbeit halten sich die Verletzungen stark in Grenzen. Zufall ist das nicht. Athletiktrainer Robert Wohlrab spricht über den schmalen Grat zwischen Anforderung und Überforderung.
Robert Wohlrab, es fällt auf, dass der 1. FC Heidenheim im läuferischen Bereich meist seinem Gegner überlegen ist. Wie schafft man es, die Mannschaft in einen solchen Zustand zu bringen?

Die Basis wird klar in der Saisonvorbereitung gelegt. Wir machen da mehr als die meisten Vereine, die häufig über das Spielerische kommen. Uns war klar, dass wir gerade im läuferischen Bereich unsere Stärken haben müssen, um gegen qualitativ starke Zweitliga-Spitzenmannschaften bestehen zu können.

Das scheint ja in dieser Saison gut zu gelingen. Wieviele Kilometer legt der FCH im Durchschnitt pro Spiel zurück?

115 bis 120 Kilometer. 120 Kilometer sind schon ein sehr guter Wert.

Sie sprachen von der Saison-Vorbereitung, aber es ist sicher auch eine Kunst, während der Spielzeit die richtige Dosierung im konditionellen Bereich zu finden.

Wir arbeiten auch während der Saison sehr intensiv. Immer wieder hören wir ja von Neuzugängen, sie hätten bei ihrem alten Verein weniger hart trainiert. Die Dosierung ist sehr wichtig. Während einer englischen Woche beispielsweise steht Regeneration im Mittelpunkt, da sind dann Sachen im Vordergrund wie auslaufen oder mit dem Rad ausfahren, Sauna, Massage. Mit einer Hartschaumrolle versuchen wir, Verklebungen oder Verhärtungen aus Muskeln zu lösen.

Nicht alle Spieler sind den hohen Anforderungen auf Anhieb gewachsen. Stimmt es, dass die Nachrücker aus dem A-Juniorenbereich in der Vorbereitung mal aus dem Trainingsbetrieb genommen werden mussten?

Es ist natürlich eine Riesen-Umstellung zwischen Juniorenbereich und Profifußball im Hochleistungssport. Um Problemen muskulärer Art vorzubeugen, werden Spieler schon mal aus den Trainingseinheiten rausgenommen oder es wird eben kürzergefahren, um sie nicht zu verheizen.

Athletiktrainer gelten bisweilen als Schleifer oder Quäler. Kriegen Sie da in der Vorbereitung auch mal was zu hören oder gar einen Spitznamen verpasst?

Das ist das Los des Jobs, dass man als Konditionstrainer nicht immer zu den beliebtesten Menschen gehört. Da wird schon mal gefrotzelt. Einen Spitznamen hat mir aber noch keiner verpasst.

Die Kunst scheint darin zu liegen, im Ausdauerbereich erfolgreich zu arbeiten und gleichzeitig die Grenzen jedes einzelnen zu akzeptieren.

Es ist in der Tat ein schmaler Grat. Wir trainieren extrem hart, dürfen aber nicht überziehen, sonst wäre die Gefahr von Verletzungen groß. Aber wir ermitteln ja auch von Zeit zu Zeit spezifische Werte, die dann Aufschluss über den Fitnesszustand des einzelnen geben.

Kann man es so darstellen: Ein guter Fitnesszustand und eine geringe Verletzungsquote sind die Ziele eines Athletiktrainers?

Ja, durchaus.

Beides trifft in dieser Saison zu, kann man demzufolge daraus schließen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?

Sagen wir so: Das ist schon eine Bestätigung für die tägliche Arbeit. Wobei das ja nicht allein mein Verdienst ist: die Zusammenarbeit zwischen dem Trainerteam, den Physiotherapeuten und der medizinischen  Abteilung macht das Gesamtergebnis aus.

Inwiefern kann man Verletzungen durch eine gute Trainingsarbeit vorbeugen?

Natürlich lässt es sich nicht verhindern, dass sich Fußballer verletzen, beispielsweise bei Zweikämpfen. Aber muskulären Leiden oder Bänderverletzungen lässt sich durch gutes Training sicher vorbeugen. Da kann man beispielsweise durch systematisches Training im Kraftraum einiges erreichen, indem man nicht nur den Muskel im Fokus hat, sondern den ganzen Bewegungskomplex.

Muss man sich als Athletiktrainer ständig weiterbilden, um neueste Trainingserkenntnisse schnell umsetzen zu können?

Man muss schon schauen, dass man auf dem Laufenden bleibt. Durch medizinische Studien ergeben sich immer wieder neue Sichtweisen, Trainingsmethoden entwickeln sich weiter, andere werden widerlegt.

Als Athletiktrainer stehen Sie eigentlich nie im Rampenlicht. Stört Sie das nicht?

Im Gegenteil: Das ist mir ganz recht. Ich bin nicht der Typ, der gerne in der Öffentlichkeit steht.



Robert Wohlrab: zur Person

Seit 2013 ist Robert Wohlrab Athletiktrainer beim FCH. Der 31-Jährige stammt aus Waldhausen im Ostalbkreis, studierte Sportwissenschaften in Heidelberg und arbeitete vor seiner Heidenheimer Zeit beim SV Wehen Wiesbaden.

Als Hauptaufgabe seiner Tätigkeit sieht Wohlrab die Planung, Durchführung und Analyse von Teilen der Trainingseinheiten. Dazu gehört das Aufwärmen der Mannschaft, aber auch spezifisches Konditions- und Schnelligkeitstraining mit unterschiedlichen Gewichtungen je nach Saisonphase.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Reha-Training mit Spielern, die nach Verletzungspausen durch individuelle Maßnahmen wieder ans Mannschaftstraining herangeführt werden.