Kreis Heidenheim Ey, Schiris! Ihr Pfeifen!

Lauter Schiedsrichter an einem Ort: Bei der jährlich anstehenden Leistungsprüfung in Giengen trafen sich die Unparteiischen des Fußball-Bezirks Ostwürttemberg (Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim).
Lauter Schiedsrichter an einem Ort: Bei der jährlich anstehenden Leistungsprüfung in Giengen trafen sich die Unparteiischen des Fußball-Bezirks Ostwürttemberg (Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim). © Foto: Markus Brandhuber
Kreis Heidenheim / Edgar Deibert 23.08.2018
Unparteiische in den Amateurklassen haben es nicht immer leicht. Durch neue Wege möchte die SRG Heidenheim Nachwuchs gewinnen.

Schwitzende und grübelnde Schiris. Die gab es im Stadion der TSG Giengen geballt an einem bestimmten Tag zur Genüge. Kein Wunder, stand doch für die Unparteiischen der Räume Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd (zusammen bilden diese den Bezirk Ostwürttemberg) die jährliche Leistungsprüfung auf dem Programm.

Einem Lauf folgte die Theorieteil, bei dem einige knifflige Fragen zu lösen waren. Zum Abschluss wurde natürlich auch Fußball gespielt. Schiedsrichter, die andere Schiedsrichter darum bitten, die Schmucksachen abzulegen, oder die Entscheidungen des Spielleiters anzweifeln. Das gibt's eben nicht alle Tage.

Bis zu 80 Spiele pro Saison

Es ging zwar sehr entspannt zu, die allgemeine Situation der Unparteiischen in den unteren Fußball-Klassen ist es allerdings nicht. Das Durchschnittsalter der Schiedsrichtergruppe (kurz SRG) Heidenheim beispielsweise ist mit etwas über 40 Jahren relativ hoch, sagt Michael Storm. Der 31-Jährige ist seit Dezember 2017 offiziell Obmann, zuvor leitete er die SRG Heidenheim ein dreiviertel Jahr kommissarisch.

Storm benennt ein zweites Problem: Auf die erfahrenen Unparteiischen könne man sich verlassen. Allerdings gehörten dazu Schiedsrichter, die in einer Saison bis zu 80 Spiele pfeifen. „Wenn sie irgendwann mal wegbrechen, haben wir ein Problem“, so Storm. Nachwuchsgewinnung und damit die Verjüngung sei damit ein Ziel.

Zwei bis drei jüngere, um einen erfahrenen Schiri zu ersetzen

Schiedsrichter ließen sich aber nicht eins zu eins ersetzen, weiß Storms Amtskollege Josef Schneider. „Um einen älteren Schiri zu ersetzen, braucht man zwei bis drei jüngere. Die haben nämlich noch andere Hobbys“, erklärt der Obmann der SRG Aalen. Der 52-Jährige stellt in Aalen über die vergangenen Jahre hinweg zwar keinen Schwund fest, allerdings stagniere die Anzahl der Schiedsrichter.

„Es ist schwierig, die Jugend dafür zu begeistern“, sagt Schneider. „Wir sind auch über die Schulen gegangen. Das hatte aber nur einen kurzfristigen Effekt. Es kann eigentlich nur über die Vereine gehen.“ Denn Vereine haben eine Sollstärke von Unparteiischen zu stellen. Erfüllen sie diese nicht, kommen auf sie Geldstrafen zu. In Aalen fehlen 55 Schiedsrichter, in Heidenheim sind es 40.

Nicht eine einzige Anmeldung

Wie hoch das Ansehen der Schiedsrichter derzeit sei, möchte Schneider an einem Beispiel zeigen. „Für unseren Neulingskurs im Mai haben wir von 20 Vereinen nicht einmal eine Rückmeldung bekommen.“ Letztlich seien 16 angehende Schiedsrichter ausgebildet worden. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren sei dies okay, sagt Schneider.

Im Vergleich zur Anzahl der Vereine im Raum Aalen (über 50) allerdings „relativ wenig“.

Dies sei den Vereinen relativ egal, so lange jede Woche ein Schiri zum Spiel komme, so Schneider. „Vielleicht gibt es erst ein Umdenken, wenn im Aktivenbereich (nicht Reserven) die ersten Schiris ausbleiben.“

Anders sah es zuletzt in Heidenheim aus. Dieses Gebiet ist zwar kleiner, dennoch haben hier 27 neue Unparteiische die Prüfung bestanden. Nicht von ungefähr ist Obmann Storm stolz angesichts dieser Anzahl, denn auch in Heidenheim gab es in der Regel 12 bis 15 Anmeldungen. „Wir wollten neue Impulse setzen und haben nicht mehr nur Plakate in Vereinsheimen ausgehängt“, sagt Storm.

Also wurden junge Schiedsrichter damit beauftragt, auf junge Fußballer zuzugehen. Storm bezeichnet sie als eine Art Botschafter.

Je mehr Schiris, desto besser

Über das Wachstum der Gruppe soll neues Wachstum generiert werden. „Je größer eine Schiedsrichtergruppe ist, umso mehr anrechenbare Schiedsrichter hat sie. Und je mehr anrechenbare Schiedsrichter es gibt, desto mehr Fördermöglichkeiten seitens des Verbands gibt es“, erklärt Storm.

Diese Fördermöglichkeiten seien allerdings nicht finanzieller Natur. Nach der Größe einer Gruppe bemisst sich etwa, wie viele Beobachtungsplätze zur Bezirksliga dieser zustehen. Da die SRG Heidenheim relativ klein ist, steht ihr offiziell nur ein Platz zu. Weil aber die SRG Schwäbisch Gmünd auf einen Platz verzichtet hat, dürfen sich nun Timur Daler (pfeift für die TSG Schnaitheim) und Nick Reiner (TSV Gussenstadt) für den Aufstieg in die Bezirksliga empfehlen. „Das ist der Einstieg in den Leistungsbereich“, so Storm.

Den sportlichen Anreiz erhöhen

Hier möchte der Obmann auch ansetzen. „Wir müssen den sportlichen Anreiz erhöhen. Das gilt nicht nur für Fußballer, sondern auch für die Schiedsrichter: Diese sportliche Perspektive muss gegeben sein“, so Storm.

Doch bevor die SRG Heidenheim wachsen kann, wurde tüchtig ausgemistet. Zumindest auf dem Papier. Aus der Liste wurden diejenigen Schiedsrichter entfernt, die keine Spiele mehr pfeifen. Nun sind es nur noch 53, „auf die können wir uns aber auch verlassen“, betont Storm.

Und wie sieht der sportliche Alltag für die Unparteiischen aus? Der Obmann der SRG Heidenheim bezieht sich bei seiner Antwort auf die Feldverweise, deren Zahl in letzter Zeit abnehme. Storm weiß aber aus eigener Erfahrung: „Es gibt schwierige Sportplätze, aber auch lustige, wo man gerne hingeht.“

Sogar bei C-Jugendspielen massive Beleidigungen

Im Großen und Ganzen sei die Situation für die Schiedsrichter gleich geblieben. Auch was das Thema Beleidigungen angeht, sagt Storms Aalener Amtskollege Schneider. „Es kommt aber auch vor, dass Schiedsrichter selbst bei C-Jugendspielen massiv beleidigt werden. Das kann einem schon die Lust am Pfeifen nehmen.“

Positiv sei es aber, dass es im Bezirk Ostwürttemberg – im Vergleich zu größeren Gebieten – keine körperlichen Angriffe auf Unparteiische gebe. Auch habe er von keinen rassistischen Beleidigungen mitbekommen, so Schneider.

Heidenheims Obmann Storm sagt zwar, als Schiedsrichter müsse man „ein dickes Fell haben“, zugleich möchte er aber die positiven Seiten des Schiedsrichterwesens hervorheben. Es fördere die Entwicklung von Jugendlichen. „Mich hat es enorm geprägt. Ich war viel weiter als Gleichaltrige.“

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